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19.05.2004

N E W S L E T T E R - 03/04


N E W S L E T T E R - 03/04

Liebe Leserinnen und Leser,

sollen Klimawandel und Energiearmut wirksam bekämpft und gleichzeitig der weltweit steigende Energiehunger nachhaltig gestillt werden, bedarf es einer globalen Energiewende. Der Weg dorthin soll auf der renewables 2004 Anfang Juni in Bonn skizziert werden. Welche Rolle die Bioenergie – eine lange bekannte, aber bisher wenig beachtete Energieform – dabei in Deutschland spielen kann, zeigt eine neue Studie des Öko-Instituts e.V.. Mehr dazu in diesem Newsletter. Außerdem erfahren Sie, wie ein wirksames Emissionshandelssystem im Luftverkehr aussehen könnte, wie sich gentechnikfreie Gebiete rechtlich umsetzen ließen oder warum das Öko-Institut einen Zwischenfall im koreanischen Kernkraftwerk Yonggwang untersucht hat. Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen

Ihre Katja Kukatz am 19. Mai 2004

INHALT

Ö K O - A K T U E L L



Ö K O - K O M P A K T



Ö K O - M E D I A



Ö K O - I N T E R N



Ö K O - T I P P



N E W S L E T T E R A R C H I V


I M P R E S S U M


Biomasse hat das Zeug zur neuen Nummer eins der Regenerativen

Bis 2030 könnten damit 14 Prozent des deutschen Energiebedarfs gedeckt werden

pic 2Windräder und Solaranlagen – das hat oft im Kopf, wer an erneuerbare Energien denkt. Das größte Potenzial, die von der Bundesregierung angestrebte Energiewende zu verwirklichen, bietet aber neben Energieeinsparung ein anderer Energieträger: Biomasse kann bis 2030 gut 14 Prozent des deutschen Energiebedarfs decken, so viel wie Braun- und Steinkohle zusammen. Und: Klima- und Naturschutz sind dabei keine unvereinbaren Ziele. Das ist eines der zentralen Ergebnisse des vom Bundesumweltministerium geförderten und vom Öko-Institut e.V. geleiteten Projektes zu Chancen und Potenzialen der Biomasse, das jetzt abgeschlossen wurde.

„Mit dem Forschungsvorhaben sollte eine nachhaltige Perspektive für eine lange bekannte, aber wenig beachtete Energieform erarbeitet werden“, erklärt Projektleiter Uwe R. Fritsche, Koordinator des Forschungsbereichs Energie & Klimaschutz im Darmstädter Büro des Öko-Instituts. Sein Forschungsteam hat dazu Stoffstromanalysen vorgenommen, eine öffentlich zugängliche Technologie-Datenbank erstellt, Zukunftsszenarien entwickelt und politische Empfehlungen formuliert. „Wir zeigen, dass Bioenergie die Nummer eins der Regenerativen werden kann“. Dabei bringt Biomasse aus Abfällen und Reststoffen künftig etwa gleich viel Energie wie der nachhaltige Energiepflanzenanbau.

Eine zentrale Aufgabe des Projekts war der Entwurf von Zukunftsszenarien. Was kann Bioenergie unter verschiedenen Rahmenbedingungen leisten? Erstmals wurde eine integrierte Analyse der Entwicklungen in Forst- und Land- sowie Abfallwirtschaft unter dem Blickwinkel Nachhaltigkeit durchgeführt. Als Vergleich diente ein Referenzszenario, das heutige Trends fortschreibt. Die Empfehlungen der ExpertInnen mündeten in einem Nachhaltigkeitsszenario, das möglichst viel Bioenergie berücksichtigt, gleichzeitig aber einen starken Umwelt- und Naturschutz sowie viel Beschäftigung erlaubt. „Ein wesentliches Ergebnis ist, dass Klimaschutz sowie Natur- und Landschaftsschutz durch die Nutzung von Bioenergie gleichzeitig erreicht werden können und es sogar Synergien gibt“, stellt Projektleiter Fritsche fest. Überraschend ergab sich, dass Bioenergie trotz hoher Umwelt- und Naturschutzansprüche nicht nur bei Wärme und Strom Anteile von 10 beziehungsweise 15 Prozent erreichen kann, sondern auch bei Kraftstoffen für Autos – hier sind nachhaltig ebenfalls Anteile um 15 Prozent möglich.

Beim Anbau von Energiepflanzen sind sogenannte Feuchtgutlinien wichtig, bei denen zweimal im Jahr eine Palette verschiedenster Fruchtfolgen noch vor der Reife geerntet und daraus Biogas hergestellt wird. Dies erlaubt, ohne Pestizide und Kunstdünger zu arbeiten und auch aus Sicht des Naturschutzes interessante Kulturpflanzen zu nutzen.

Zum ersten Mal wurden in die Berechnungen, die mit dem vom Öko-Institut entwickelten Computerprogramm GEMIS sowie einem neuen Szenario-Modell erfolgten, auch Auswirkungen auf die Beschäftigung einbezogen. „Die Förderung erneuerbarer Energien hat sehr positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt“, freut sich Uwe Fritsche, „Über 220.000 Jobs könnten netto bis 2030 geschafften werden, Bioenergie bringt dabei den Hauptbeitrag“.

Voraussetzung für die Szenarien ist eine aktive Biomassepolitik. Die Projektpartner formulierten dazu eine Reihe von Empfehlungen. Die gerade vom Bundestag beschlossene Novelle zum Gesetz über erneuerbare Energien beinhaltet bereits notwendige Korrekturen, etwa bei der Förderung von Kraft-Wärme-Kopplung und innovativen Technologien – in seine Ausformulierung flossen bereits Ergebnisse des Projekts ein.

Als einen befristeten Einstieg in das Biomasse-Zeitalter empfehlen die Projektpartner die Mitverbrennung in bestehenden Kohleheizkraftwerken. Stroh und Holzhackschnitzel ersetzen dort einen Teil der Kohle, und das neue Instrument des Emissionshandels macht die damit erzielbare CO2-Einsparung auch monetär interessant. Dies ist allerdings nur eine Übergangslösung: „Langfristig empfehlen wir den Aufbau einer dezentralen Energieversorgung für den Biomasseeinsatz“, sagt Uwe Fritsche, „Nur so können eine nachhaltige Klimapolitik erreicht und die gewünschten Beschäftigungsimpulse ausgelöst werden“.

Im vom Bundesumweltministerium geförderten Projekt „Stoffstromanalyse zur nachhaltigen energetischen Nutzung von Biomasse“ arbeiteten das Fraunhofer Institut für Umwelt-, Sicherheits-, Energietechnik (UMSICHT), das Institut für Energetik und Umwelt, Leipzig (IE), das Institut für Energie- und Umweltforschung, Heidelberg (IFEU), das Institut für ZukunftsEnergieSysteme, Saarbrücken (IZES), die TU Braunschweig – Institut für Geoökologie, die TU München – Lehrstuhl für Wirtschaftslehre des Landbaus und die TU Berlin – Institut für Landschafts- und Umweltplanung unter Leitung des Öko-Instituts als wissenschaftliche Projektpartner zusammen.

Die Projektergebnisse fasst die Broschüre „Bioenergie – Nachwuchs für Deutschland“ zusammen, die hier kostenlos heruntergeladen werden kann. Dort wird Ende Mai auch der vollständige Endbericht veröffentlicht. In der Print-Version ist die Broschüre über das BMU per E-Mail an service@bmu.bund.de erhältlich. uf / che

Ansprechpartner:

Uwe R. Fritsche
Öko-Institut e.V.Darmstadt
Koordinator Bereich Energie & Klimaschutz

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renewables 2004: Der Klimakrise entgegentreten, die Armut bekämpfen

In Bonn soll der Weg für den weltweiten Ausbau regenerativer Energien bereitet werden

In weniger als zwei Wochen trifft sich die Welt zur bislang größten internationalen Konferenz zur Förderung erneuerbarer Energien in Bonn. Vom 1. bis 4. Juni sollen die renewables2004 (http://www.renewables2004.de) den Weg zum globalen Ausbau regenerativer Energien skizzieren. Dabei geht es nicht nur um Klimaschutz. Der Zugang zu modernen Energieformen spielt auch eine Schlüsselrolle bei der Bekämpfung der Armut. Denn Schulen brauchen Licht, Bewässerungspumpen benötigen Strom, ohne Elektrizität gibt es kein Telefon, Fax oder Internet. Zwei Milliarden Menschen weltweit fehlt der Zugang zu modernen Energiedienstleistungen bislang. Aber gerade wenn es um die Stromversorgung in ländlichen Regionen geht, in denen es kein gut ausgebautes Überlandnetz gibt, bieten erneuerbare Energien auch hier große Entwicklungsmöglichkeiten.

Die Welt steht vor einer großen Herausforderung: Sie muss Klimawandel und Armut gleichzeitig bekämpfen und dabei die rasant steigende Nachfrage nach Energie nachhaltig befriedigen. Um diese Ziele zu erreichen bedarf es einer globalen Energiewende. Dazu muss nicht nur die Energieeffizienz auf allen Ebenen des Energiesystems erheblich gesteigert, sondern auch der Ausbau der erneuerbaren Energien weiter forciert werden – so die zentralen Aussagen der Global Energy Strategy, die das Öko-Institut e.V. für die Heinrich-Böll-Stiftung erstellt hat. Ein Meilenstein dieses Prozesses soll die renewables 2004 werden.

Rund 1000 VertreterInnen von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, internationalen Institutionen und Nichtregierungsorganisationen werden in der ersten Juniwoche in Bonn erwartet, um gemeinsam drei Kernthemen zu behandeln: Was können Regierungen, internationale Organisationen und Interessengruppen tun, damit sich die Märkte für erneuerbare Energien besser entwickeln? Wie und unter welchen Voraussetzungen könnten öffentliche und private Kapitalgeber die Finanzierung erneuerbarer Energien weltweit verbessern? Und was ist zu tun, damit Bildung, Forschung, Information und Technologieentwicklung zum Thema erneuerbare Energien international ganz oben auf der Tagesordnung stehen?

Das zentrale vorbereitende Dokument zur Konferenz ist das Konferenzthemenpapier. Es hat die Kernthemen der Konferenz entwickelt und stützt sich auf die Ergebnisse der regionalen Vorbereitungstreffen, auf Empfehlungen des Internationalen Lenkungsausschusses und des nationalen Begleitkreises, sowie auf weitere Beratungen mit der Öffentlichkeit, darunter das Online-Diskussionsforum. Uwe R. Fritsche, Koordinator des Bereichs Energie & Klimaschutz am Öko-Institut im Darmstädter Büro, gehört zum Nationalen Begleitkreis, dessen Aufgabe es war, Konferenzinhalte und -ziele zu formulieren. Fritsche ist auch Mitautor der Konferenzthemenpapiers. Das Papier stellt die wesentlichen Themen, Erkenntnisse und Standpunkte im Zusammenhang mit der Förderung erneuerbarer Energien zusammen und informiert über aktuelle Entwicklungen der internationalen Politik- und Fachdebatte. Grundlage des Konferenzthemenpapiers sind unter anderem die thematischen Hintergrundpapiere, die hochkarätige Fachleute verfasst haben. Sie können unter http://www.renewables2004.de/de/cd/default.asp nachgelesen werden.

Ziel der Konferenz ist es, ein internationales Aktionsprogramm zu beschließen, um die Nutzung erneuerbarer Energien weltweit auszubauen. Zusätzlich zu diesem Aktionsprogramm soll auf der Konferenz eine politische Erklärung verabschiedet werden, in der die anwesenden Ministerinnen und Minister eine Vision für eine globale Energiewende erklären. Darüber hinaus sollen Politikempfehlungen – „Policy Recommendations for Renewable Energies“ – praktikable Wege für den Ausbau erneuerbarer Energien aufzeigen. Der endgültige Entwurf dieses Dokuments, an dem Fritsche ebenfalls als Koautor beteiligt ist, und das von der Konferenz beschlossen werden soll, kann ab 21. Mai auf der Konferenz-Website nachgelesen werden.

Die renewables 2004-Konferenz wird von der Bundesregierung veranstaltet, vertreten durch das Bundesumweltministerium und das Bundesentwicklungsministerium, und von rund 60 Sideevents begleitet. Das Öko-Institut wird bei einer gemeinsamen Veranstaltung mit der Heinrich-Böll-Stiftung und dem International Institute for Energy Conservation am Dienstag, 1. Juni von 18 bis 19.30 Uhr im InWEnt Spiegelsaal, Tulpenfeld 6 (10 Minuten zu Fuß vom Konferenzort) die Ergebnisse der Global Energy Strategy vorstellen. Weiterhin wird das Öko-Institut beim „Dinner Dialogue on International Institutional Arrangements for Renewable Energy“ der Heinrich-Böll-Stiftung am 2. Juni ab 20 Uhr vertreten sein. Anmeldungen zu dieser hochkarätig besetzten Veranstaltung sind bei der Heinrich-Böll-Stiftung per E-Mail an haas@boell.de möglich. Schon vor der eigentlichen Konferenz referiert Fritsche am 29. Mai in Bonn in einem Workshop beim Youth Energy Summit über internationale Fragen zu Klimaschutz, erneuerbaren Energien und Atomkraft. kk

Ansprechpartner:

Uwe R. Fritsche
Öko-Institut e.V. Darmstadt
Koordinator Bereich Energie & Klimaschutz

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Emissionshandel im Luftverkehr

Neue Studie zeigt Wege für ein ökologisch und ökonomisch sinnvolles System auf

pic 1Durch den Ausstoß von Kohlendioxid, Stickoxiden und Wasserdampf trägt der internationale Luftverkehr derzeit mit mehr als 3,5 Prozent zum anthropogenen Treibhauseffekt bei. Setzt sich das Wachstum der Branche wie in den 90er Jahren mit vier Prozent jährlich fort, so wird der Treibhauseffekt des internationalen Flugverkehrs im Jahr 2010 höher sein als der Gesamtbeitrag Deutschlands. Dennoch wird der internationale Luftverkehr bisher nicht von den quantifizierten Minderungszielen des Kioto-Protokoll erfasst. Vor diesem Hintergrund wird derzeit in der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) die Einführung eines Emissionshandels für den Luftverkehr diskutiert. Im Auftrag des Umweltbundesamtes hat das Öko-Institut e.V. wesentliche Eckpunkte eines solchen wirksamen Emissionshandels im internationalen Flugverkehr erarbeitet.

Das positive Ergebnis der WissenschaftlerInnen: Ein Emissionshandelssystem im internationalen Luftverkehr könnte grundsätzlich etabliert werden und den Schadstoffausstoß wirkungsvoll reduzieren. Allerdings wäre ein Emissionshandel für den Luftverkehr weitaus schwieriger als der geplante Zertifikatehandel zwischen ausgesuchten Industriebranchen. Im ungünstigsten Fall könnten Fehlsteuerungen gar eine entgegengesetzte Wirkung haben: Statt den Treibhauseffekt zu mindern, würde man ihn erhöhen.

Dies im Wesentlichen aus zwei Gründen: Die Klimawirksamkeit des Luftverkehrs basiert nur zum Teil auf den Kohlendioxid-Emissionen der Triebwerke. Mindestens 40 Prozent der Treibhauswirkungen gehen auf andere Emissionen und Reaktionsprodukte wie Stickoxide, Wasserdampf oder Zirruswolken zurück. Zum anderen beeinflussen Maßnahmen, die ein bestimmtes Treibhausgas reduzieren – oft ungewollt – die Menge anderer Schadstoffe. Werden beispielsweise Triebwerke ausschließlich im Hinblick auf Kohlendioxid optimiert, so kann dies zum Anstieg der Stickoxid-Emissionen des Triebwerks und in der Konsequenz zu einer verstärkten Ozonbildung führen. Die Wirkung dieser Emissionen ist zudem – anders als Kohlendioxid – abhängig von der Flughöhe und dem Entstehungsort der Emission. Die WissenschaftlerInnen fordern daher, Kohlendioxid nicht als einzige Bemessungsgrundlage zu wählen. Andernfalls müsse man ein entsprechendes Emissionshandelssystem durch andere Maßnahmen flankieren, zum Beispiel durch strenge Grenzwerte für Stickoxide oder eine Beschränkung der Reiseflughöhe auf den Streckenabschnitten, auf denen Kondensstreifen und Zirruswolken entstehen können.

Die Studie zeigt weiter, dass vor allem ein offenes, das heißt sektorübergreifendes Handelssystem am erfolgsversprechendsten ist. Als handelnde Akteure kommen am ehesten die Fluggesellschaften in Frage. Die Emissionen sollten den Fluggesellschaften proportional zu den geflogenen Routen zugeordnet werden. Zudem sollten auch Fluggesellschaften aus nicht teilnehmenden Staaten vom Emissionshandelssystem erfasst werden, sofern sie teilnehmende Staaten anfliegen. Außerdem führen die WissenschaftlerInnen aus, welche weiteren Möglichkeiten bestehen, Treibhauseffekte kostengünstig zu mindern. Durch eine niedrigere Reiseflughöhe oder durch eine Änderung der Flugroute könnte beispielsweise ein Drittel des Minderungspotenzials allein durch die Vermeidung von Kondensstreifen und Zirruswolken erschlossen werden.

Die Ergebnisse der Studie sollen nun für weitere Arbeiten innerhalb der ICAO genutzt werden. Denn auf dem sechsten Treffen des Umweltausschusses der ICAO im Februar in Kanada wurde die Entwicklung eines Emissionshandelssystem als vorrangig eingeschätzt. Allerdings ist mit einer solchen Maßnahme auf Ebene der ICAO nicht vor 2013 zu rechnen. Auch die Europäische Union befürwortet die langfristige Einführung eines Treibhausgashandels im internationalen Luftverkehr. Dabei werden insbesondere von der britischen Regierung Überlegungen forciert, den Luftverkehr schon in die zweite Phase des europäischen Emissionshandelssystem von 2008 bis 2012 einzubeziehen. Die Ergebnisse der Studie sollen auch hier als Basis dienen, sinnvolle Lösungen aufzuzeigen, wie Emissionshandel im Luftverkehr die Minderung der Emissionen erleichtern kann. kk

Die Studie „Emissionshandel im internationalen zivilen Luftverkehr“ kann im Internet unter http://www.oeko.de/oekodoc/185/2004-001-de.pdf kostenlos herunter geladen werden, eine englische Version steht unter http://www.oeko.de/oekodoc/186/2004-002-en.pdf.

AnsprechpartnerIn:

Martin Cames
Odette Deuber
Öko-Institut e.V. Berlin
Bereich Energie & Klimaschutz

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Gentechnikfreie Gebiete – wie lassen sie sich rechtlich umsetzen?

Expertenanhörung der Grünen im baden-württembergischen Landtag

Nach dem Willen der Europäischen Kommission soll in der Europäischen Union gentechniknutzende und gentechnikfreie Landwirtschaft nebeneinander koexistieren können. Doch ist eine solche Koexistenz überhaupt möglich und wie muss sie geregelt werden? Welche Rolle kommt dabei der Einrichtung von gentechnikfreien Zonen zu und was gilt es bei freiwilligen Vereinbarungen zu beachten? Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer Expertenanhörung im baden-württembergischen Landtag, zu der die Grünen im April geladen hatten. Über die rechtlichen Möglichkeiten zur Umsetzung solcher gentechnikfreien Zonen sprach Andreas Hermann, Experte im Bereich Umweltrecht am Öko-Institut e.V.

Viele Probleme, die sich aus der Koexistenzfrage ergeben, sind bisher ungelöst. Die Verunreinigung von Saatgut, die Aufenthaltsdauer von gentechnisch veränderten Samen im Boden oder die Verbreitung von Pollen gentechnisch veränderter Pflanzen durch Wind und Bestäuber sind nur einige Aspekte, die eine Koexistenz bei bestimmten Pflanzenarten schwierig bis unmöglich machen. Auch finanzielle Risiken für Landwirte, die gentechnisch frei produzieren wollen, dies aber kostenaufwendig nachweisen müssen, sind ein noch nicht gelöstes Problem. Ebenso ungeklärt ist bisher die Haftungsfrage – wer zahlt, wenn in der Ernte eines Biolandwirts oder eines mit konventionellen Techniken arbeitenden Landwirts Anteile gentechnisch veränderter Organismen (GVO) gefunden werden?

Wie die Koexistenz beim Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen mit Anbauflächen, auf denen diese nicht angebaut werden sollen, in Deutschland realisiert werden soll, ist also bislang unklar. „Eine Möglichkeit ist es, Zonen zu schaffen, in denen gentechnisch veränderte Pflanzen nicht angebaut werden dürfen. Unter Umständen könnten solche GVO-freien Zonen sogar größere Regionen erfassen“, ist die Einschätzung von Rechtsexperte Andreas Hermann. Zur Umsetzung solcher gentechnikfreien Zonen gibt es verschiedene Mittel. In Deutschland finden sich zur Zeit zahlreiche Regionen, in denen sich die Landwirte eines Landkreises oder eines großen Teils einer Region in „freiwilligen Selbstverpflichtungen“ oder „freiwilligen Vereinbarungen“ verpflichten, auf den Anbau von GVO zu verzichten. Mit diesen Vereinbarungen setzen die unterzeichnenden Landwirte ein klares politisches Signal gegen den Anbau von GVO. Die Vereinbarungen sind aber in der Regel nach einem Jahr kündbar und enthalten keine Sanktionsmechanismen bei Verstoß gegen die Regelungen.

„Neben diesen freiwilligen Zusammenschlüssen ist prinzipiell aber auch eine gesetzliche Regelung zur Schaffung GVO-freier Gebiete vorhanden“, erläutert Andreas Hermann. Von vorneherein ausgeschlossen werden muss dabei aber die pauschale Ausweisung großer Gebiete als GVO-frei durch den Gesetzgeber. Diese Vorgehensweise verstößt gegen das Verhältnismäßigkeitsprinzip und wurde von der EU, wie der Fall des Oberösterreichischen Gentechnik-Verbotsgesetzes 2002 gezeigt hat, abgelehnt. Die EU-Mitgliedstaaten können aber eine europarechtskonforme Regelung schaffen, wie das Kärntner Gentechnik-Vorsorgegesetz zeigt, schaffen, das zu einer indirekten Ausweisung von GVO-freien Gebieten für bestimmte GVO-Pflanzen führen kann. Nach dem Kärntner Gesetz hat der Landwirt den Anbau von GVO der Behörde anzuzeigen. Diese prüft dann, ob beim beantragten Anbau die nach dem Stand von Wissenschaft und Technik gebotenen Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden können, oder ob weitere Schutzmaßnahmen nötig sind. Lässt sich auch trotz Einhaltung von Schutzmaßnahmen die Koexistenz nicht gewährleisten, kann die Behörde den GVO-Anbau untersagen.

Die Behörde kann damit faktisch ein GVO-freies Gebiet schaffen, wenn sie auf nachvollziehbare Weise aufzeigt, dass in dem jeweiligen Einzelfall das GVO-Anbauverbot die einzige Möglichkeit zur Sicherung der Koexistenz in diesem Gebiet ist. Denkbar ist weiterhin, auch Gebiete zum Schutz der GVO-freien Herstellung auszuweisen, ähnlich der Möglichkeit, geschlossene Anbaugebiete für die Saatgutproduktion nach dem Saatgutverkehrsgesetz auszuweisen. ah / kk

Zum Themenkomplex hat das Öko-Institut mehrere Studie und Stellungnahmen verfasst. Eine Auswahl lesen Sie hier:

AnsprechpartnerIn:

RA Andreas Hermann LL.M.
Öko-Institut e.V. Darmstadt
Bereich Umweltrecht

Ruth Brauner
Öko-Institut e.V. Freiburg
Kommissarische Koordinatorin
Bereich Biodiversität, Ernährung & Landwirtschaft

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Öko-Institut untersucht Zwischenfall in koreanischem Reaktor

In der Folge werden Anlagentechnik und Überwachung in Yonggwang jetzt verbessert

pic 3Für eine kritische öffentliche Diskussion hat ein Zwischenfall im südkoreanischen Kernkraftwerk von Yonggwang gesorgt: Im Dezember letzten Jahres war ein nicht kontaminiertes Versorgungssystem des Reaktorblocks 5 mit radioaktivem Wasser belastet worden und über verschiedene Pfade gelangte unerkannt Radioaktivität in das Abwasser und in die See. Mitarbeiter des Bereichs Nukleartechnik & Anlagensicherheit im Darmstädter Büro des Öko-Instituts e.V. sollten jetzt die Umstände dieses Zwischenfalls und die Auswirkungen der Freisetzung untersuchen. Ihre Handlungsempfehlungen, um das Risiko vergleichbarer Zwischenfälle künftig zu verringern, werden teilweise bereits umgesetzt.

Der Zwischenfall wurde erkannt, nachdem ein Messgerät, das in der Nähe der kontaminierten Leitung montiert ist, eher zufällig ansprach. Erst nach knapp sechs Tagen gelang es, die wirkliche Ursache für den Alarm zu identifizieren. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Kontamination bis hin zu den konventionellen Wasserreinigungsanlagen ausgebreitet und war von dort aus bereits teilweise in den Kühlwasserkanal und danach ins Meer gelangt. Der Zwischenfall hat in Südkorea und besonders in der Umgebung des Standortes der Anlage viele öffentliche Diskussionen ausgelöst. Zweifel an der Zuverlässigkeit der Betreiberfirma Korean Hydro and Nuclear Power Co. Ltd. (KHNP) wurden laut und eine unabhängige Untersuchung zur Aufklärung der Vorgänge wurde gefordert. Eine lokale Kommission unter Beteiligung verschiedener Interessengruppen besuchte Gutachterorganisationen in Deutschland und Frankreich und wählte schließlich das Öko-Institut für diese Aufgabe aus.

Mit einem ausführlichen Fragenkatalog reisten die Ingenieure Stephan Kurth und Gerhard Schmidt nach Yonggwang, um dort eine Woche lang mit kompetentem Kraftwerkspersonal die Ursachen des Zwischenfalls aufzuklären. Wie war der genaue Ablauf der Ereignisse und wie kam es zum technischen Versagen? Wie analysierte die Betreiberfirma den Vorfall? Welche Überwachungssysteme gibt es im Kraftwerk, um solche Freisetzungen zu erkennen und wie wollen die Betreiber ein ähnliches Ereignis künftig verhindern? Welcher Art und wie groß war die freigesetzte Radioaktivität und wie bewerten die Betreiber die Umweltauswirkungen des Zwischenfalls? Diese und weitere Fragen wurden vor Ort geklärt.

Die Untersuchungsergebnisse sind in einem Bericht zusammengefasst und münden in elf Empfehlungen. Ein wichtiges Ergebnis der systematischen Untersuchung: Ventile, die in Yonggwang an Schnittstellen von Systemen verwendet werden, um kontaminierte Kreisläufe von nicht kontaminierten Kreisläufen zu trennen, sind für diesen Zweck nur bedingt geeignet. Eine konsequentere Trennung solcher Kreisläufe sollte unbedingt verfolgt werden. Die Untersuchung ergab auch, dass ein beschädigtes Absperrventil Grund des Zwischenfalls war. Infolge von abgelagertem Fremdmaterial war dieses undicht geworden. Die Betreiberfirma hat es versäumt, das gefundene Fremdmaterial zu isolieren und materialtechnisch untersuchen zu lassen. Herkunft und Zusammensetzung des Fremdmaterials wurden nicht geklärt. Daher bleibt auch offen, wie genau es zur Beschädigung kam und ob sich das Problem wiederholen könnte. Mit einer besseren Ursachenklärung ließe sich ein solches Risiko deutlich verringern.

Weiter wird empfohlen, die Überwachung von Radioaktivität in nicht kontaminierten Anlagenbereichen bis hin zu den Systemen der konventionellen Wasserreinigung zu verbessern. So könnten Kontaminationen frühzeitig erkannt und rechtzeitig gehandelt werden, um die Ausbreitung so gering wie möglich zu halten. Bezüglich der in die Umwelt freigesetzten Radioaktivität wurden die Angaben des Betreibers im Einzelnen überprüft und als nachvollziehbar bewertet. Auf Basis einer sehr vorsichtigen Abschätzung der Auswirkungen der ins Meer freigesetzten Aktivitätsmenge kommt die Untersuchung zu dem Schluss, dass diese nicht als radiologisch relevant einzuordnen ist.

Die Untersuchungsergebnisse wurden bei einem zweiten Aufenthalt in Korea vor Ort der lokalen Kommission, politischen Vertretern, den Kommunen und der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt und in zwei Veranstaltungen teilweise lebhaft diskutiert. Auch die lokalen und nationalen Medien zeigten großes Interesse. Die Betreiberfirma und die vor Ort tätigen Aufsichtsbehörden zeigten sich den Verbesserungsvorschlägen des Öko-Instituts gegenüber sehr aufgeschlossen. Die Untersuchungsergebnisse haben eine breite Diskussion darüber angeregt, wie die Freisetzung von Radioaktivität verhindert werden kann. Die vorgeschlagenen Änderungen in der Anlagentechnik, der Überwachung und bei den Prozeduren wurden teilweise bereits umgesetzt, teilweise ist ihre Umsetzung in Vorbereitung. Derzeit wird geprüft, ob die Empfehlungen auch in anderen Kernkraftanlagen in Korea umgesetzt werden können. Alle Beteiligten – Betreiber, Aufsichtsbehörde und Kommission – hoben die Unabhängigkeit der Untersuchung als bedeutendstes Merkmal hervor und begrüßten den umfassenden und systematischen Ansatz. sk / gs

Ansprechpartner:

Stephan Kurth
Gerhard Schmidt
Öko-Institut e.V. Darmstadt
Bereich Nukleartechnik & Anlagensicherheit

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Wider den wilden Müll in Städten und Gemeinden

„Aktion Saubere Kommune“ baut Erfahrungsdatenbank im Internet auf

Die Plastiktüte im Gebüsch, der Müllsack im Park, die ausgediente Matratze am lauschigen Flussufer und das Autowrack im nahen Wäldchen – wilder Müll in Städten und Gemeinden ist nicht nur hässlich, sondern auch eine Gefahr für die Umwelt und ein finanzielles Problem, das die Kommunen mit geschätzten 800 Millionen Euro jährlich belastet. Damit soll jetzt Schluss sein. Die „Aktion Saubere Kommune“ hat wildem Müll den Kampf angesagt – mit kreativen Ideen kontra Bauschutt, Elektroschrott und kaputten Möbeln, mit einer kommunalen Erfahrungsdatenbank im Internet und einem Wettbewerb der „Good Practice“, mit dessen Auswertung das Öko-Institut betraut war und der die einfallreichsten Anti-Müll-Konzepte findiger Kommunen honoriert.

Die Aktion Saubere Kommune unter Schirmherrschaft des Bundesumweltministeriums ist ein Gemeinschaftsprojekt des Deutschen Städte- und Gemeindebundes und der Aktion Saubere Landschaft deren Intention es ist, gute Beispiele für ein nachhaltiges Umweltverhalten mit Vorbildcharakter in den Bereichen Gewässerschutz, Energieeinsparung, Abfallvermeidung, Recycling und Mobilität aufzuzeigen. Kernstück der Aktion Saubere Kommune: Eine kommunale Erfahrungsdatenbank im Internet. Sinn und Zweck dieser Datenbank ist es, den gegenseitigen Erfahrungsaustausch in Sachen Müllbekämpfung zu fördern, Ideen und Anregungen zu liefern, wie man dafür sorgt, dass künftig wilder Müll nicht mehr das Landschafts- und Stadtbild prägt und wie man entsprechende Aktivitäten plant und umsetzt. Von Ahlen bis Zwickau reicht mittlerweile der Erfahrungsaustausch und die Datenbank zählt 368 Einträge.

Grundlage der Datenbank ist eine Fragebogenaktion, mit der unter anderem abgefragt wurde, welche Anti-Müll-Aktion die Gemeinde unternommen hat, wie diese umgesetzt wurde, wer daran beteiligt war, welche positiven oder negativen Erfahrungen es dabei gab, welche Rolle die Verwaltung bei der Koordination und Organisation gespielt hat und wie hoch der Einsatz von Personal und Finanzen war. Als besonderer Anreiz wurde die Fragebogenaktion in der Zeit von Juli bis November 2003 mit einem Wettbewerb der „Good Practice“ kombiniert.

Das Öko-Institut hat dazu die eingehenden Projekte anhand der Fragebögen ausgewertet und Vorschläge für mögliche Preisträger erarbeitet. Bei den Auswahlkriterien unterschieden die WissenschaftlerInnen zwischen reaktiven und proaktiv-präventiven Maßnahmen. Zu ersteren zählen beispielsweise einfache Müllsammelaktionen oder die Aufstellung eines Bußgeldkatalogs. Die proaktiv-präventiven Maßnahmen punkten mit kreativen pädagogischen Aktionen wie die Inszenierung eines Theaterstückes oder einer Müllsammelaktion mit anschließender Pflanzenbestimmung. Zu den präventiven und proaktiven Maßnahmen zählt aber auch die Öffentlichkeitsarbeit zum Beispiel mit Plakaten, Flyern oder Seminaren, die Beratung zum Thema, die Zusammenarbeit mit Stadtteilgruppen und der Gemeindeverwaltung oder die Patenschaft für bestimmte Orte. Pluspunkte gab’s, wenn entsprechende Aktionen auf Dauer angelegt sind. Anhand der eingereichten Unterlagen konnte allerdings nur die Intention der Kommunen, nicht aber die Umsetzung und der Erfolg einer Anti-Müll-Aktion überprüft und bewertet werden.

Um außerdem dem Umstand Rechnung zu tragen, dass allein schon wegen der unterschiedlichen Finanzkraft verschieden großer Kommunen unterschiedliche Ausgangsvoraussetzungen bestehen, Aktionen umzusetzen, wurden die teilnehmenden Kommunen in Größenklassen sortiert und in Kommunen bis 10.000, zwischen 10.000 bis 50.000 und Kommunen über 50.000 EinwohnerInnen unterteilt.

Die Wettbewerbsfrist ist mittlerweile abgelaufen und die Auswertung kurz vor dem Abschluss. In Kürze gibt die Aktion Saubere Landschaft die Gewinner bekannt. Die interessantesten Projekte, mit denen wildem Müll auf den Leib gerückt wurde, werden finanziell ausgezeichnet, öffentlich dokumentiert und in New York bei der Uno-Vollversammlung vorgestellt. Unabhängig davon können Städte und Gemeinden natürlich weiterhin an der Aktion Saubere Kommune teilnehmen und ihre Daten mittels Fragebogen in die Datenbank einspeisen. kk

Ansprechpartner:

Carl-Otto Gensch
Öko-Institut e.V. Freiburg
Koordinator Bereich Produkte & Stoffströme

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Das Bewusstsein schärfen für eine neue Ernährungsverantwortung

Loccumer Appell für eine nachhaltige und gesundheitsfördernde Ernährung in Schulen

Weder an Lebensmitteln noch an Informationen über gesunde Ernährung herrscht hierzulande ein Mangel. Dennoch steigt die Zahl der ernährungsmitbedingten Krankheiten wie Fettleibigkeit, Herz-Kreislauf-Beschwerden oder Diabetes, die rund 70 Prozent der Kosten im Gesundheitswesen verursachen, und in Deutschland ist mittlerweile jedes sechste Kind zu dick. Das Ernährungsverhalten muss sich ändern, darüber sind sich Fachleute einig. Aber wie gelangen wir zu einer nachhaltigen Ernährung? Antworten darauf möchte das Forschungsvorhaben „Ernährungswende“ geben. Auf der Fachtagung „Was isst der Mensch – Ernährung als neu zu erschließendes Politikfeld“ Mitte April in der Evangelischen Akademie Loccum verabschiedeten rund 100 TagungsteilnehmerInnen zusammen mit ExpertInnen für Ernährung, Verbraucherschutz, Landwirtschaft und Ökologie einen dringenden Appell an die Politik.

Vor dem Hintergrund des Investitionsprogramms „Zukunft Bildung und Betreuung“, mit dem die Bundesregierung den Auf- und Ausbau von Ganztagsschulen unterstützt, richtet sich der Loccumer Appell an politische EntscheidungsträgerInnen. Sie sollen vor allem Kommunen und Schulträger dabei unterstützen, geeignete Strukturen aufzubauen, die eine nachhaltige Ernährungskultur an Schulen dauerhaft fördern.

Seit 2002 untersucht das Forschungsvorhaben „Ernährungswende“ unter Leitung des Öko-Instituts e.V. Ernährung im häuslichen und schulischen Alltag. Die WissenschaftlerInnen verschiedener Disziplinen und Institute analysieren die Orientierungen der KonsumentInnen , sich so zu ernähren, wie sie es tun. Sie beleuchten dabei die ökonomischen und politischen Rahmenbedingungen von Ernährung und deren ökologischen Auswirkungen. Entscheidend ist, dass Ernährung, Umwelt und Gesundheit im Zusammenhang betrachtet werden. Auf dieser Grundlage wollen die ExpertInnen im nächsten Jahr Strategien entwerfen für eine nachhaltige Ernährung, die sowohl bedarfsgerecht und gesundheitsfördernd als auch alltagstauglich und sozialdifferenziert gestaltet ist und gleichzeitig risikoarm und umweltverträglich erzeugt wird.

So richtete sich der Fokus der Fachleute in Loccum auch auf Strategien für mehr Gerechtigkeit auf dem Weltmarkt in Bezug auf Lebensmittel und Agrarprodukte. Sie diskutierten die Anforderungen an eine Vorsorgeorientierung in der Ernährungspolitik und betrachteten die Entwicklungen und Handlungsspielräume der KonsumentInnen im Ernährungsalltag. Auch die Einstellung der VerbraucherInnen zu Essen und Genießen war Thema: Was wird bevorzugt: Natürlicher Genuss oder designtes Geschmackserlebnis?

Fazit der Veranstaltung: „Ernährung ist ein hochaktuelles Thema und Lösungsstrategien zu mehr Nachhaltigkeit in diesem Bereich, die konkrete Anknüpfungspunkte für eine Umsetzung in die Praxis ermöglichen, sind dringend erforderlich“, bringt es Projektleiterin Dr. Ulrike Eberle vom Öko-Institut auf den Punkt.

„Ernährungswende“ ist ein Gemeinschaftsprojekt des Forschungsverbundes Ökoforum, unter der Leitung des Öko-Instituts e.V., an dem das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE), das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), das KATALYSE-Institut für angewandte Umweltforschung und das Österreichische Ökologie Institut für angewandte Umweltforschung beteiligt sind. Das Forschungsvorhaben wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Förderschwerpunkt „Sozial-ökologische Forschung“ gefördert. Das Projekt läuft über den Zeitraum 2002 bis 2005. kk

Ein Interview mit der Projektleiterin Dr. Ulrike Eberle in „Der Sonntag“ vom 18. April 2004 lesen Sie hier.

Ansprechpartnerin:

Dr. Ulrike Eberle
Öko-Institut e.V.
Bereich Produkte & Stoffströme

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Urlaubswünsche und Lebensstile im Reisemarkt – Chancen für nachhaltigen Tourismus?

Verbundprojekt INVENT stellte Konzept für maßgeschneiderte Marketingstrategien vor / Repräsentative Studie ermittelt Zielgruppen

Jeder Mensch ist anders. Und jeder macht auch anders Urlaub. Soll der gesamte Tourismusmarkt umweltfreundlicher werden, so muss auf die unterschiedlichen Lebensstile mit spezifischen Konzepten reagiert werden. Eine repräsentative Studie hat jetzt Vorlieben und Wünsche von Urlauberinnen und Urlaubern ermittelt, um so den Massentourismus nachhaltig entwickeln zu können.

Auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin legte das Verbundprojekt INVENT kürzlich erste Ergebnisse seiner Untersuchungen vor. Ziel der Startphase war es, Wünsche, Bedürfnisse und Ansprüche von UrlauberInnen zu ermitteln, um darauf aufbauend abgestimmte Marketingkonzepte entwickeln zu können. Als Projektpartner führte das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) GmbH dazu Gruppendiskussionen sowie Tiefeninterviews und nahm im November und Dezember 2003 eine repräsentative Befragung von 2000 Personen vor. „Dabei haben wir verschiedene Typen von Urlaubern ermittelt“, erläutert Konrad Götz vom ISOE das Ergebnis. „Für die Vermarktung nachhaltiger Reiseangebote könnten diese in Zukunft durchaus interessant werden.“

Die größte Gruppe bilden demnach die klassischen, Sonne und Strand suchenden Urlauber. Sie buchen ihre Reise meist pauschal und machen zusammen mit jungen, so genannten Fun- und Action-Urlaubern fast ein Drittel aller Reisenden aus. Umweltaspekte spielen für diese Gruppen nur eine untergeordnete Rolle. Ökologisch und sozial verträglicher Tourismus kann hier nur indirekt erreicht werden. Etwa indem das gesamte Urlaubsangebot, von der Anreise bis zur Unterkunft, für die Zielgruppe eher unbemerkt, umweltfreundlich verbessert wird.

Ganz anders die Kulturinteressierten und die aktiven Natur-Urlauber. Vor allem letztere suchen eine intakte Natur, die für sportliche Aktivitäten genutzt werden kann. Schließlich gibt es Gewohnheitsurlauber, die jedes Jahr an den selben Ort fahren und Familien, die mit Kindern verreisen. Beide Gruppen bleiben oft im eigenen Land und nutzen häufig die Bahn zur Anreise. Die siebte Gruppe bilden die individuellen Entdecker. Sie buchen überdurchschnittlich oft Flugreisen.

In den folgenden Projektphasen werden nun ausgehend von den vorgestellten Ergebnissen nachhaltige Marketingstrategien für die einzelnen Zielgruppen entwickelt. Dabei werden die in Frage kommenden Verkehrsmittel ebenso berücksichtigt, wie die Unterbringung am Urlaubsort und die Freizeitgestaltung. „Wir arbeiten außerdem eng mit Vertretern aus Politik und Tourismuswirtschaft zusammen. Damit sichern wir gleichzeitig die Anwendung in der Praxis“, so Martin Schmied, Tourismus-Experte des Öko-Instituts und Gesamtprojektleiter. „Ziel ist es, attraktive Angebote für den Massenmarkt zu entwickeln, die im Vergleich zu den
heutigen Tourismusangeboten nachhaltiger gestaltet sind“, sagt Professor Dr. Edgar Kreilkamp, Projektpartner an der Universität Lüneburg.

Der Tourismus ist einer der bedeutenden Wirtschaftszweige. Zunehmend werden auch die damit verbundenen Umweltbelastungen wahrgenommen. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierte Projekt INVENT (Innovative Vermarktungskonzepte nachhaltiger Tourismusangebote) hat das Ziel, vor allem den Tourismus des Massenmarktes nachhaltig zu gestalten. Unter der Leitung des Öko-Instituts e. V. arbeiten in dem Projekt das Institut für sozial-ökologische Forschung GmbH und der Bereich Tourismusmanagement der Universität Lüneburg mit den Praxispartnern Ameropa-Reisen GmbH und Deutsche Bahn AG zusammen. cr

Weitere Informationen sowie die Präsentationen stehen auf der Webseite des Projekts www.invent-tourismus.de.

Ansprechpartner:

Martin Schmied
Gesamtprojektleitung INVENT
Öko-Institut e.V. Berlin
Bereich Infrastruktur & Unternehmen

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Endlager: Die Beteiligung der Öffentlichkeit spielt international eine immer wichtigere Rolle

ExpertInnen tauschen Forschungsergebnisse bei der Internationalen Fachtagung zur nuklearen Entsorgung „DisTec“ aus

Die sichere Endlagerung radioaktiver Abfälle ist für alle Industrienationen eine der großen Herausforderungen für heutige und künftige Generationen. Um einen internationalen Meinungsaustausch zu ermöglichen, hat das Bundesamt für Strahlenschutz und die Deutsche Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern für Abfallstoffe daher Ende April zur dritten internationalen Fachtagung „Disposal Technologies und Concepts 2004 – DisTec“ nach Berlin geladen. Ziel der DisTec 2004 es, nicht nur naturwissenschaftlich-technische Erkenntnisse zu diskutieren, sondern auch soziale und politische Aspekte der nuklearen Entsorgung. Für den Arbeitskreis Auswahlverfahren Endlagerstandorte (Ak End) erläuterte Michael Sailer, Nuklearexperte am Öko-Institut e.V. Darmstadt, wie eine Endlagerstandortsuche aussehen könnte, die nicht nur naturwissenschaftliche und politische Kriterien berücksichtigt, sondern auch von Beginn an eine Öffentlichkeitsbeteiligung vorsieht.

Die Industrienationen betreiben seit Jahrzehnten Endlagerforschung und sammeln Erfahrungen im Rahmen von Endlagerprojekten. Während einige Staaten bereits über Erfahrungen bei der Endlagerung von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen verfügen, gibt es weltweit noch kein Endlager für hochradioaktive Abfälle aus dem Betrieb von Kernkraftwerken. Weiter überprüfen derzeit mehrere Staaten ihre Endlagerungskonzepte. So wurde in den vergangenen Jahren verstärkt deutlich, dass die Öffentlichkeit bei der Standortauswahl, der Planung und der Errichtung von Endlagern häufig nicht ausreichend beteiligt wurde. Eine stärkere Beteiligung der Öffentlichkeit beim Auswahlverfahren in Deutschland forderte daher auch der Ak End in seinem Abschlussbericht (Dezember 2002), der vom Bundesumweltministerium beauftragt wurde, ein offenes und transparentes Verfahren für die Standortsuche eines Endlagers zu entwickeln.

„Auf der naturwissenschaftlichen Ebene herrscht unter den Experten weitgehend Einigkeit darüber, mit welchen Methoden die Eignung eines Standorts für die Endlagerung untersucht werden kann und wo Forschungsbedarf besteht“, resümiert Dr. Beate Bletz, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Nukleartechnik & Anlagensicherheit am Öko-Institut Darmstadt, „Hier ging es vor allem darum, Ergebnisse auszutauschen und sicher zu stellen, dass in verschiedenen Ländern nicht zu denselben Fragestellungen geforscht wird.“

Neu dagegen ist, dass die Beteiligung der Öffentlichkeit bei Auswahlverfahren international zunehmend Gewicht bekommt und auch im Rahmen der Tagung ein intensiv diskutiertes Thema war. „Nur wenige Länder schließen sich diesem Trend nicht oder nur teilweise an“, stellt Beate Bletz fest, „Selbst Nationen, bei der traditionell die Öffentlichkeit auf die Entscheidungsfindung wenig Einfluss nimmt, wählen nun verstärkt diesen Weg. So stellte auch Japan sein Modell zur Standortsuche unter Beteiligung der Öffentlichkeit vor“. Auf der Tagung wurde deutlich, dass es international einen großen Bedarf gibt, sich vor allem auch methodisch mit der Frage der Öffentlichkeitsbeteiligung auseinander zusetzen und von den Erfahrungen anderer zu profitieren. kk

AnsprechpartnerIn:

Öko-Institut e.V. Darmstadt
Bereich Nukleartechnik & Anlagensicherheit
Koordinator Michael Sailer
Vorsitzender der Reaktorsicherheitskommission
Dr. Beate Bletz

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Noch fehlen europäische Strategien für einen nachhaltigen Konsum

European Roundtable on Sustainable Consumption and Production in Bilbao: Die thematischen Gewichte verschieben sich

Zum neunten Mal hat sich der European Roundtable on Sustainable Consumption and Production (ERSCP) jetzt Mitte Mai in Bilbao getroffen. Und es zeigte sich: Von der Produktion hin zu Produkten und Konsum, von der Umweltbetrachtung hin zur Nachhaltigkeit – die thematischen Gewichte der Veranstaltung haben sich mit den Jahren deutlich verschoben. „Allerdings wurden unter dem Anspruch der Nachhaltigkeit überwiegend Ökoeffizienz-Aspekte präsentiert“, beobachtete Dr. Rainer Grießhammer vom Öko-Institut e.V., „Sowohl der Wissenschaft als auch den Praktikern scheint es offensichtlich nach wie vor Schwierigkeiten zu bereiten, soziale und gesellschaftliche Aspekte adäquat einzubeziehen“. Im Rahmen der Veranstaltung hatte Grießhammer Gelegenheit, die EcoTopTen-Initiative des Öko-Instituts vorzustellen.

Unter den 300 TeilnehmerInnen begrüßte der Runde Tisch erstmals auch zahlreiche ExpertInnen aus den neuen EU-Mitgliedsstaaten, aus der Türkei und Russland. Gemeinsam diskutierten sie ein beachtliches Spektrum an Fallbeispielen und Methoden zum nachhaltigen Konsum. Eine – europäische – Strategie ließ sich dagegen allenfalls in Ansätzen erkennen. „Und eine solche fundierte Strategiediskussion wird wohl auch erst auf dem zehnten Roundtable im Herbst nächsten Jahres in Antwerpen geführt werden“, ist die kritische Einschätzung von Rainer Grießhammer.

Neben den üblichen Informationsveranstaltungen und Workshops gab es in Bilbao zum ersten Mal eine Open Space Discussion, bei der die TeilnehmerInnen direkt auf dem Kongress die Themen und Initiativen auswählen konnten, über die sie vertieft diskutieren wollten. Darunter war auch die EcoTopTen-Initiative des Öko-Instituts, die nachhaltigen Konsum im Massenmarkt propagiert und einen Überblick über konventionelle und nachhaltige Produkte im Markt gibt. Diskutiert wurde, wie die EcoTopTen-Initiative auf die europäische Ebene gehoben werden kann, entweder als EU-weite Initiative oder als Cluster-Initiative mehrerer Mitgliedsländer, die jeweils für bestimmte Regionen stehen. Dabei wurde deutlich, dass einige Produkte wie etwa Computer einen EU-weiten Markt haben, der Konsum anderer Produkte wie etwa von Lebensmitteln oder die Nutzung von Wäschetrocknern dagegen stark von regionalen Gewohnheiten abhängt. rg

Weitere Informationen zum European Roundtable on Sustainable Consumption and Production stehen im Internet auf www.erscp2004.net. Informationen über die EcoTopTen-Initiative auf Englisch finden Sie hier.

Ansprechpartner:

Dr. Rainer Grießhammer
Öko-Institut e.V.
Stellvertretender Geschäftsführer
Bereich Produkte & Stoffströme

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Öko-Institut e.V. zieht ins „Sonnenschiff“

Grießhammer: Neubau ist ein Symbol für die Energiewende

Der Grundstein ist gelegt: Ende April begannen die Arbeiten am Neubau des Öko-Instituts in Freiburg. Er wird Teil des so genannten Sonnenschiffs, eines hoch energieeffizienten Gewerbebaus mit insgesamt 6000 Quadratmetern Büro- und Ladenflächen. Das Sonnenschiff begrenzt die preisgekrönte Freiburger Solarsiedlung am Schlierberg mit insgesamt 50 Reihenhäusern, die aufgrund ihrer Bauweise und Solaranlagen mehr Energie produzieren als sie verbrauchen.

„Das Sonnenschiff verwirklicht die ökologischen Standards, für die sich das Öko-Institut viele Jahre eingesetzt hat“, resümiert Rainer Grießhammer. Für den stellvertretenden Geschäftsführer des Öko-Instituts und Vorstand der institutsnahen Stiftung Zukunftserbe, ist der Institutsneubau am Rande der Freiburger Solarsiedlung ein „Symbol für die Energiewende“.

Der Energiestandard des Sonnenschiffs entspricht nach Angaben des Bauträgers, der Solarsiedlung GmbH unter der Regie des Solararchitekten Rolf Disch, mit rund zehn Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr den Werten der benachbarten „Plusenergiehäuser“. Solarfassaden mit Lüftungsanlagen und integrierter Wärmerückgewinnung reduzieren den Heizwärmebedarf auf ein Minimum. Für Heizung, Warmwasserbereitung und Stromversorgung werden ausschließlich Sonnenenergie und Holzhackschnitzel aus einem Nahwärmekraftwerk eingesetzt. Nach Fertigstellung des Sonnenschiffes, so Rolf Disch, werde auf den Dächern der Solarsiedlung mit insgesamt 460 Kilowatt Spitzenleistung (kWp) das größte Solarkraftwerk in der Region Freiburg installiert sein. Nach seiner Eröffnung im Frühsommer 2005 werde das Sonnenschiff neben dem Öko-Institut viele weitere Umweltdienstleister aus verschiedenen Bereichen beheimaten. Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne) begrüßte, dass mit dem Öko-Institut und der Solarsiedlung „zwei wichtige, innovative Partner zusammengekommen sind“.

Das Öko-Institut wird insgesamt 860 Quadratmeter über fünf Stockwerke nutzen. Den Kaufpreis von zwei Millionen Euro erbrachten Institut und Stiftung mit zinsgünstigen Darlehen ihrer Mitglieder und mit Spenden, darunter eine Großspende der Geschwister Marli und Alfred Ritter von 255.000 Euro. Hinzu kamen Zuschüsse: Aus dem Innovationsfonds Klima- und Wasserschutz des regionalen Energieversorgers badenova kamen 250.000 Euro, die baden-württembergische Klima- und Energieagentur unterstützt den Institutsneubau mit 37.000 Euro. ad

AnsprechpartnerIn:

Dr. Rainer Grießhammer
Öko-Institut e.V.
Stellvertretender Geschäftsführer
Andrea Droste
Stiftung Zukunftserbe

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Nachhaltiges Bauen und Wohnen in Deutschland – Endbericht jetzt veröffentlicht

Neue Studie zeigt: Bis 2025 könnte die tägliche Flächeninanspruchnahme um 80 Prozent gesenkt werden

Ressourcenschonendes Bauen und Wohnen muss in Deutschland kein Wunschdenken bleiben, sondern ist eine realistische Perspektive – das zeigt eine neue Studie, die das Öko-Institut e.V. zusammen mit dem Institut für ökologische Raumentwicklung e.V. Dresden und der Technischen Universität Dresden im Auftrag des Umweltbundesamtes abgeschlossen hat. Ergebnisse des Nachhaltigkeitsszenarios: Die tägliche Flächeninanspruchnahme nimmt bis zum Jahr 2025 um 80 Prozent ab, die Emissionen von Treibhausgasen um über 50 Prozent. Der umfangreiche Endbericht zum Forschungsprojekt ist nun beim Umweltbundesamt in der Reihe Texte veröffentlicht.

Der Bericht „Nachhaltiges Bauen und Wohnen in Deutschland“ kann bei Vorauszahlung von 10 Euro per Überweisung, Verrechnungsscheck oder mit Zahlkarte bei der Firma Werbung und Vertrieb, Wolframstraße 95-96, 12105 Berlin, Kontonummer 432 765-104, Postbank Berlin, BLZ 10010010 schriftlich unter Angabe der Text-Nummer 01/04, sowie des Namens und der Anschrift des Bestellers angefordert werden. Die Kurzfassung der Studie kann kostenlos unter http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/mysql-media-detail.php3?Kennummer=2600 herunter geladen werden.

Das Öko-Institut e.V. stellt erfahrenen Fachleuten aus dem Bereich Bauen und Wohnen außerdem das im Rahmen des UBA-Forschungsprojektes entwickelte Stoffstrommodell BASiS-2 kostenfrei zur Verfügung. Software und Datenbank können unter Angabe von Namen, Titel, Funktion und Telefonnummer des Bestellers, sowie der Institution mit Adresse und des vorgesehenen Verwendungszweckes per E-Mail bestellt werden.

Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse der Studie lesen Sie auch im Newsletter 01/04.

Stoffflussbezogene Bausteine für ein nationales Konzept der nachhaltigen Entwicklung – Verknüpfung des Bereichs „Bauen und Wohnen“ mit dem komplementären Bereich „Öffentliche Infrastruktur“
Buchert, M., Fritsche U., Jenseit, W., Rausch, L., Deilmann, C., Schiller, G., Siedentop, S. & A. Lipkow; 2003.
(Auftraggeber: Umweltbundesamt)

Ansprechpartner:

Projektleiter Dr. Matthias Buchert
Öko-Institut e.V. Darmstadt
Bereich Infrastruktur & Unternehmen

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Jahrestagung des Öko-Instituts: Dokumentation im Internet

Vorträge, Thesen und Fotos stehen zum kostenlosen Download bereit

pic 4„Zur rechten Zeit habt Ihr mutig ein sperriges, wenig populäres Thema angepackt, exzellente unverbrauchte Köpfe zum Moderieren und Referieren mobilisiert – obendrein mit wohltuend dominanter weiblicher Note – an einem trefflich passenden Ort mit unverwechselbarem Charme: ein Hauch von Prager Frühling fürs neue Europa“, befand Dr. Andreas Dally, Leiter der Evangelischen Akademie Loccum, im Anschluss an die Jahrestagung des Öko-Instituts e.V. vom 22. bis 23. April in der Tschechischen Botschaft Berlin. Rund 150 VertreterInnen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und NGOs haben daran teilgenommen und verfolgten den kritischen Diskurs interner und externer ReferentInnen über die Umweltpolitik im neuen Europa. Eine ausführliche Tagungsdokumentation steht jetzt zum kostenlosen Download im Internet bereit.

Dazu gehören neben der Tagungsmappe auf Deutsch und Englisch unter anderem die Thesen aus den drei Foren, weitere Präsentationen sowie Fotos.

Anspechpartnerin:

Christiane Rathmann
Öko-Institut e.V.
Pressesprecherin
Referat Öffentlichkeit & Kommunikation

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Interview: Kochen als Last und Kult

Ulrike Eberle über den Trend zum bequemen Essen und die „Ernährungswende“

Richtig Kochen können immer weniger Menschen, stattdessen liegen Convenience Food und Auswärts-Essen im Trend. Unter dem Stichwort „Ernährungswende“ untersucht eine Forschungsgruppe derzeit bundesweit das gewandelte Ernährungsverhalten. Ziel ist es, Strategien für eine gesunde, nachhaltige und ökologische Ernährung zu entwickeln. Sigrun Rehm von „Der Sonntag“ sprach mit der Projektleiterin Ulrike Eberle vom Freiburger Öko-Institut über die ersten Ergebnisse der Studie.

Das vollständige Interview vom 18. April 2004 lesen Sie hier.

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Dr. Beatrix Tappeser wechselt nach Bonn

Ruth Brauner übernimmt Koordinationsaufgaben

Dr. Beatrix Tappeser hat das Öko-Institut verlassen und ist zum Bundesamt für Naturschutz nach Bonn gewechselt. Die Wissenschaftlerin hat dort die Führung des neu geschaffenen Kompetenzzentrums „Gentechnik“ übernommen und ist Fachgebietsleiterin Vollzug des Gentechnik Gesetzes. Beatrix Tappeser begleitete das Öko-Institut seit 1985.

Bis 1987 war sie Mitglied des Vorstands und dessen stellvertretende Vorsitzende. Danach war die promovierte Biologin 17 Jahre als Mitarbeiterin im Institut beschäftigt. In dieser Zeit war sie Koordinatorin des Forschungsbereichs „Biodiversität, Ernährung & Landwirtschaft“ und arbeitete an nationalen und internationalen Projekten. Schwerpunkte waren vor allem die Risikoabschätzung der Nutzung der Gentechnik sowie die Entwicklung nachhaltiger Formen der Landnutzung. Unter anderem nahm sie von 1995 bis 2000 an den internationalen Verhandlungen zum Biosafety Protokoll teil.

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Politische Rahmenbedingungen für innovatives, nachhaltiges Wirtschaften

Bundesforschungsministerium lädt zur internationalen Konferenz „Innovation, Sustainability and Policy“

Sowohl innovative Umweltforschung als auch die Erforschung der Rahmenbedingungen, um innovative, nachhaltige Wirtschaftsweisen umzusetzen, spielen in der internationalen politischen Debatte in den letzten Jahren eine immer wichtigere Rolle. Trotzdem, und entgegen der wachsenden Bedeutung des Nachhaltigkeitsgedankens in vielen Politikfeldern, fehlt es derzeit an einer umfassenden Betrachtung der verschiedenen Aspekte nachhaltiger Entwicklung in Forschung und Politik. Vor dem Hintergrund des Forschungsprogramms „Frameworks for Innovations for Sustainability :[riw] (2001-2004)” lädt das Bundesministerium für Bildung und Forschung von Sonntag, 23. bis Dienstag, 25. Mai deshalb zur Internationalen Konferenz „Innovation, Sustainability and Policy“ ins Kloster Seeon bei München.

Die Konferenz versteht sich als Plattform, die Ergebnisse ähnlicher Forschungsaktivitäten zu diesem Thema innerhalb Europas und darüber hinaus zusammenzutragen. Im Rahmen der Tagung spricht Jan-Peter Voß, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Energie & Klimaschutz am Öko-Institut e.V. Berlin, zum Thema „Governance Innovation – Sustainability Requirements, Innovation Dynamics and Real World Contexts“.

Weitere Informationen und Anmeldung zur Tagung im Internet unter http://www.riw-netzwerk.de/kloster-seeon/.

Ansprechpartner:

Jan-Peter Voß
Öko-Institut e.V. Berlin
Bereich Energie & Klimaschutz

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Sicherheitskultur in Kernkraftwerken – Der Faktor Mensch

Symposium „Mensch, Technik, Organisation“ der Tüv Nord Gruppe im Juni in Hamburg

Die Erfahrungen aus dem Betrieb von Kernkraftwerken zeigen, dass an der großen Mehrheit bedeutsamer Zwischenfälle menschliches Fehlverhalten ursächlich beteiligt ist. Dabei handelt es sich in der Regel um Fehler, die durch Defizite im Bereich der Schnittstellen zwischen Mensch, Technik und Organisation hervorgerufen oder begünstigt wurden. Der Faktor Mensch muss daher immer stärker berücksichtigt werden, wenn es darum geht, die Sicherheit in der Kerntechnik zu optimieren. Zuverlässiges Personal setzt die Konzeption einer modernen Sicherheitskultur voraus und wird durch eine ergonomische Gestaltung der Arbeitsumgebung unterstützt. Entsprechende Konzepte umfassender Sicherheitsmanagementsysteme sind bereits entwickelt und aktuell in der fachlichen Diskussion. Vor diesem Hintergrund lädt der TÜV Nord e.V. am Montag, 21. und Dienstag, 22. Juni zum Erfahrungsaustausch nach Hamburg.

Auf dem Symposium „Mensch, Technik, Organisation“ sollen auch einheitliche Anforderungen an solche Sicherheitskonzepte ermittelt werden. Beate Kallenbach, Expertin für Nukleartechnik & Anlagensicherheit am Öko-Institut e.V. in Darmstadt, referiert im Rahmen der Veranstaltung zum Thema „Personell-organisatorische Aspekte im Zusammenhang mit Brennelementtransporten“. Weitere Informationen zur Veranstaltung und Anmeldung auf http://www.tuev-nord.de/21954.asp.

Ansprechpartnerin:

Beate Kallenbach-Herbert
Öko-Institut e.V. Darmstadt
Bereich Nukleartechnik & Anlagensicherheit

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I M P R E S S U M

Herausgeber
Öko-Institut e.V.
Institut für angewandte Ökologie

"Newsletter (Öko-Institut e.V.)"
ISSN 1614-2799

Redaktion
Referat Öffentlichkeit & Kommunikation
Christiane Rathmann
Katja Kukatz

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