13.04.2005
Besserer Schutz vor natürlicher Strahlung
Neue Anforderungen durch novellierte Strahlenschutzverordnung / Öko-Institut e.V. berät Behörden und Betriebe
2,1
Millisievert beträgt die mittlere effektive Jahresdosis, der Menschen in Deutschland durch natürliche Strahlung
ausgesetzt sind. Sie entsteht zu einem großen Teil durch den Zerfall von natürlichen Radionukliden im Boden, in
Gesteinen und in der Atmosphäre. Menschen sind solchen natürlich vorkommenden radioaktiven Stoffen oder deren
Folgeprodukten zum Beispiel in Wohnräumen, durch die Höhenstrahlung bei Flugreisen, im Bergbau oder in
Wasserwerken ausgesetzt. Sie werden auch über die Nahrung, das Trinkwasser oder die Atemluft aufgenommen. Im Jahr
2001 wurde die Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) novelliert, unter anderem um den Schutz vor natürlicher
Radioaktivität am Arbeitsplatz und durch belastete Rückstände zu verbessern. Behörden und Betriebe, die mit
natürlich vorkommenden radioaktiven Materialien umgehen, stehen seitdem vor neuen Anforderungen. Das Öko-Institut
e.V. berät.
Schon vor der Novellierung der Strahlenschutzverordnung befasste sich das Öko-Institut mit den Problemen, die
durch natürliche Strahlung verursacht werden. Seit der neuen Verordnungslage sehen die WissenschaftlerInnen einen
besonderen Anreiz darin, Behörden und Betriebe bei der Umsetzung der neuen Regelungen in die Praxis zu
unterstützen. Denn hier gibt es viele Schwierigkeiten. Die Verordnung lässt viel Interpretationsspielraum,
gleichzeitig sind die Vorgaben sehr anspruchsvoll. „Wir bewegen uns weitgehend auf Neuland“, sagt
Christian Küppers, Strahlenschutzexperte im Bereich Nukleartechnik & Anlagensicherheit am Öko-Institut,
„Bei der Auslegung der neuen Verordnung können Behörden und Unternehmer oft auf keinerlei Erfahrung
zurückgreifen. Zum Teil müssen Menschen Strahlenexpositionen messen oder berechnen, für die Strahlenschutz noch
nie ein Thema war.“
Betriebe
Nach der neuen StrlSchV müssen Betriebe die Strahlenbelastung ihrer Beschäftigten überwachen lassen, wenn diese
mit radioaktivem Material zu tun haben und die Gefahr besteht, dass ein bestimmter Grenzwert überschritten wird.
Doch wie können Betriebe die Strahlenbelastung in der Praxis überwachen? Und wie können sie die Strahlenbelastung
minimieren, so wie es der Gesetzgeber jetzt verlangt? Nicht nur diese Probleme müssen Unternehmen lösen.
Neue Fragen gibt es auch in der Entsorgung. In vielen Arbeitsprozessen fallen radioaktive Materialien als
Nebenprodukte an. Uran und seine Folgeprodukte werden beispielsweise bei der Gewinnung von Kupfer aus Erz
freigesetzt. Durch die Aufbereitung ist die Radioaktivität dann sogar höher als im Ausgangsmaterial. Wohin mit
diesen Rückständen? Ein ähnliches Problem hat auch die Erdgas- und Erdölindustrie. Bei der Förderung lagern sich
radioaktive Stoffe an den Wänden der Leitungen ab. Wohin mit den Leitungen, wenn diese ersetzt werden müssen? Die
Liste von Arbeiten, bei denen radioaktive Rückstände anfallen, ist lang. Auch kleine und mittelständische
Unternehmen können betroffen sein. Bisher durften die meisten dieser Rückstände wie radioaktiv unbelastete auf
Hausmülldeponien entsorgt oder im Wegebau verwendet werden.
Nach der neuen StrlSchV geht das bei höher radioaktiv belasteten Rückständen nur noch, wenn die zuständigen
Behörden entscheiden, dass der Rückstand nicht überwacht werden muss. Muss er dagegen überwacht werden, bleibt
meist nur noch eine teurere Entsorgung beispielsweise auf der Sondermüll- oder Untertagedeponie. Aber auch die
Entsorgung von nicht weiter zu überwachenden Rückständen ist schwieriger geworden. Die Deponiebetreiber fürchten
den Protest von Anwohnern. Und diesen Protest auf sich zu nehmen, lohnt sich angesichts der vergleichsweise
geringen Mengen an radioaktiven Rückständen, die entsorgt werden sollen, nicht. Für die Betriebe heißt das: Um
konkurrenzfähig zu bleiben, müssen sie einen Entsorgungsweg finden, der möglichst ökonomisch und gleichzeitig
politisch realisierbar ist. Vor allem müssen sie aber auch einen Entsorger finden, der radioaktives Material
annimmt.
Behörden
Auch die Landesbehörden müssen sich mit der neuen Gesetzgebung neuen Aufgaben stellen. Denn sie haben zu
überwachen, dass Betriebe den Strahlenschutz umsetzen. Doch allein festzustellen, welche Betriebe überhaupt von
der neuen StrlSchV betroffen sind, ist schwierig. Zudem müssen Behörden einheitliche Anforderungen an die
Betriebe stellen, wie diese ihre Mitarbeiter zu schützen haben. Auch die juristische Einordnung und die
radiologische Bewertung von Rückständen, die entsorgt werden müssen, können ein Problem sein. Denn es ist nicht
immer eindeutig möglich, die vielfältig auftretenden Materialien nach der StrlSchV zu charakterisieren und den
Nachweis ihrer radiologischen Unbedenklichkeit zu führen
In vielen Fragen kann das Öko-Institut Behörden und Unternehmen gutachterlich beraten. Die WissenschaftlerInnen
Inzwischen plant der Gesetzgeber auch, den Schutz gegenüber dem natürlichen Radionuklid Radon und seinen
Folgeprodukten im Wohnbereich zu verbessern. Radon-222 ist ein Edelgas, das aus dem Boden entweicht. Es hat
kurzlebige Folgeprodukte, die nicht gasförmig sind. Angelagert an Luftschwebstoffen können sie eingeatmet werden
und sich in der Lunge festsetzen. Der Gesetzgeber möchte einen Grenzwert von 100 Becquerel pro Kubikmeter für
Neubauten einführen. Der Grund: Studien zeigen, dass das Risiko an Lungenkrebs zu sterben, bereits ab 140
Becquerel pro Kubikmeter Radon-222 signifikant steigt. kk
Diesen Beitrag lesen Sie auch auf Englisch.
AnsprechpartnerIn:
Christian Küppers
Simone Mohr
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Bereich Nukleartechnik & Anlagensicherheit
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Zwischenlager Temelin
Öko-Institut leistet im Auftrag des BfS einen Beitrag zur Bewertung der tschechischen Dokumentation zur
Umweltverträglichkeitsprüfung
Unweit der deutsch-tschechischen Grenze ging im Herbst 2000 das südböhmische Kernkraftwerk Temelin in Betrieb.
Jetzt planen dessen Betreiber, die CEZ AG, am selben Standort auch ein Zwischenlager für abgebrannte
Brennelemente. Nach tschechischem Recht musste das Vorhaben auf Umweltverträglichkeit geprüft werden. Die
Besonderheit: Das Verfahren wurde grenzübergreifend umgesetzt. Im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz
(BfS) wertete das Öko-Institut e.V. die Dokumentation der Betreiber aus. Das Ergebnis: Erstens berücksichtigen
die Betreiber einige denkbare Störfälle nicht, die bei fehlender Vorsorge Folgen für die Umwelt auf deutscher
Seite haben könnten. Zweitens: Die Anforderungen an die Lagerbehälter stimmen im Wesentlichen mit den
internationalen Vorgaben und Prüfkriterien überein. In einigen Punkten gibt es aber Unterschiede.
Im Oktober 2004 hat das Bundesamt für Strahlenschutz die Dokumentation der CEZ in Deutschland veröffentlicht. Wie
in solchen Verfahren üblich, sollten Betroffene Gelegenheit haben, ihre möglichen Bedenken zu äußern. Für die
Bundesregierung bezog das BfS dazu Stellung. Das BfS beauftragte im Vorfeld das Öko-Institut e.V., die
Dokumentation nach folgenden Gesichtspunkten auszuwerten: Sind denkbare grenzüberschreitende Umweltauswirkungen
ausreichend betrachtet? Gibt es Hinweise, dass die Vorsorge gegen relevante grenzüberschreitende
Umweltauswirkungen unzureichend ist? Welche Fragen sind offen und sollten in einer Stellungnahme des BfS an das
Tschechische Umweltministerium berücksichtigt werden? ie Auswertung betraf ausschließlich Umweltfragen,
sicherheitstechnische Fragen waren nicht im Fokus, da die sicherheitstechnische Begutachtung des Zwischenlagers
Temelin nicht zur Verfügung stand.
Das geplante Zwischenlager soll ab 2010 gebaut werden und ist auf 60 Jahre ausgelegt. Es liegt etwa 55 Kilometer
von der deutsch-tschechischen Grenze entfernt und wird Platz bieten für 1370 Tonnen Uran in abgebrannten
Brennelementen. Das entspricht der Menge, die in 30 Jahren durch den Betrieb der zwei Blöcke des Kernkraftwerks
anfallen. Die Brennelemente sollen in Behältern in einer Halle gelagert werden. Diese Technologie ist mit
deutschen Standort-Zwischenlagern vergleichbar.
Wegen der Entfernung zur deutsch-tschechischen Grenze erwarten die WissenschaftlerInnen des Öko-Instituts keine
Umweltauswirkungen auf deutscher Seite während des normalen Betriebs des Zwischenlagers. Dies wäre erst der Fall,
wenn größere Mengen radioaktiver Stoffe durch einen Störfall aus den Lagerbehältern freigesetzt würden. Die
WissenschaftlerInnen überprüften daher, ob die möglichen Umweltauswirkungen auf deutscher Seite durch Störfälle
nachvollziehbar betrachtet wurden. Relevante Störfälle wie zum Beispiel der Sturz eines Behälters beim Transport
oder ein Brand des Gebäudes nahmen die ExpertInnen daher genauer ins Visier. Und stellten fest, dass die
Betreiber drei mögliche Störfälle bisher noch nicht betrachtet haben:
In der Dokumentation der CEZ werden auch die Folgen eines absichtlich herbeigeführten Absturzes eines
Großflugzeugs betrachtet. Der dargestellte Vergleich mit deutschen Analysen dieses Szenarios wird aber als nicht
ausreichend bewertet. Ob das Zwischenlager in so einem Fall sicher genug ist, sollte mit spezifischen Parametern
für das geplante Zwischenlager Temelin nachgewiesen werden.
Kritik gibt es auch an den Ausführungen zu den Lagerbehältern. Die Behälter sollen laut Betreiber in allen
Punkten den internationalen Sicherheitsanforderungen entsprechen. Die WissenschaftlerInnen stellten aber fest,
dass einzelne Aspekte nicht ausreichend berücksichtigt sind. Sie betreffen zum Beispiel die Definition einer
begrenzenden Leckagerate oder Angaben zur Einhaltung der Restfeuchte im Behälter. Zudem sollen die Behälter 60
Jahre gelagert werden, 20 Jahre länger als die Lagerzeit, die für deutsche Standort-Zwischenlager genehmigt wird.
Dieser Aspekt muss in der sicherheitstechnischen Begutachtung, die derzeit noch nicht vorliegt, berücksichtigt
werden. ms/kk
Die Stellungnahme des BfS, für die die Studie des Öko-Instituts eine Grundlage war, lesen Sie hier.
Ansprechpartner:
Mathias Sering
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Bereich Nukleartechnik & Anlagensicherheit
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Gentechnik in der Fischwirtschaft
Dringend notwendige Risikoforschung tritt wegen wirtschaftlicher Interessen in den Hintergrund
Die
Fischproduktion befindet sich weltweit in der Krise. Die Weltmeere sind überfischt, Fangquoten stagnieren, doch
der Bedarf an Fisch steigt weiter. Die Gentechnik soll aus der Misere helfen und die Produktion wieder steigern.
Und weil Fische gentechnisch leichter verändert werden können als Kühe, Schweine oder Schafe, steht die
Vermarktung transgener Fische unmittelbar bevor, so in Chile, den USA und Kanada. Obwohl gravierende Folgen für
die maritimen Ökosysteme nicht ausgeschlossen werden können und die Tiere zum Teil erhebliche Missbildungen
haben. Welche Risiken bergen gentechnische Veränderungen an Fischen, wie können sie verringert werden und wo
besteht dringender Forschungsbedarf? Mit diesen Fragen beschäftigt sich ein Gutachten, das das Öko-Institut e.V.
im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz bearbeitet.
Fische werden gentechnisch verändert, damit sie schneller wachsen, ein größeres Körpergewicht erhalten oder ihr
Futter besser verwerten. Sie sollen toleranter gegenüber Kälte oder bestimmten Umweltschadstoffen werden und
besser gegenüber Krankheiten und Parasitenbefall gewappnet sein. Bislang wurden Individuen von 35 Fischarten
gentechnisch verändert. Das Argument der Gentechnik-Befürworter: Viele dieser Ziele ließen sich mit
gentechnischen Methoden schneller erreichen als mit konventionellen Züchtungsmethoden. Dazu werden in das Genom
der Fische artfremde Gene eingebaut, in der Regel von anderen Fischarten, aber zum Beispiel auch von der Ratte
oder vom Menschen. „Die Methoden zur Herstellung transgener Fische sind bislang aber noch nicht vollständig
ausgereift,“ kritisiert Dr. Jennifer Teufel, Gentechnik-Expertin im Bereich Biodiversität, Ernährung &
Landwirtschaft am Öko-Institut, „Und selbst, wenn es gelingt, die Züchtungsziele zu erreichen, gibt es
bisher keine Garantie, dass diese langfristig exprimiert beziehungsweise ausgeprägt werden.“
Gentechnisch veränderte Fische zeigen zum Teil erhebliche Nebenwirkungen: extreme Deformationen von Kopf und
Körper, Tumore, veränderte Färbung, Flossen- und Wirbelformen, abnormes Kiemenwachstum, fehlende Körpersegmenten
oder verkümmerte Nacken- und Schwanzformen. Doch nicht nur unter Tierschutzaspekten ist die gentechnische
Veränderung von Fischen fragwürdig, sie birgt auch große ökologische Risiken. Die zentralen Fragen sind: Was
geschieht, wenn artfremde Gene in Wildpopulationen gelangen? Welche Folgen hat es, wenn die Konkurrenzkraft und
Fitness transgener Fische größer ist, als die ihrer nicht-transgenen Artgenossen? Welche Faktoren bestimmen mit,
wie sich transgene Fische auf die Zusammensetzung natürlicher Populationen auswirken? „Diese Fragen werden
bisher nicht systematisch untersucht. Solange wir keine Antworten darauf kennen“, steht nach Meinung von
Jennifer Teufel „der Nutzen transgener Fische in keinem Verhältnis zu den möglichen Risiken.“
Bislang werden Zuchtfische üblicherweise in Netzkäfigen in den Küstengewässern gehalten, mit direktem oder
indirektem Zugang zum Meer. Jährlich gelingt es aber mehreren hunderttausend Fischen, aus diesen Anlagen zu
entwischen. In Fängen von freilebenden Pazifischen Lachsen finden sich zum Beispiel immer häufiger Atlantische
Lachse aus Aquakultur. Selbst in Alaska, wo es keine Fischzucht von Atlantischen Lachsen gibt, ist diese Art in
Fängen freilebender Fische.
Wenn sich transgene Fische mit ihren nicht-transgenen Artgenossen paaren, kann dies unter Umständen ganze
Ökosysteme nachteilig beeinflussen. Zwei Beispiele: Gelingt es kältetoleranteren transgenen Fischen in neue
Klimaregionen einzuwandern, verdrängen sie dort möglicherweise heimische Arten. Wenn – wie beobachtet
– verschiedene transgene Fischlinien hungriger sind als ihre Wildpopulationen, hat dieses veränderte
Fraßverhalten möglicherweise unvorhergesehene Folgen auf die Beutetierpopulationen und die Nahrungskette.
Selbst Gentechnik-Befürworter reden Risiken, die die Nutzung transgener Fische mit sich bringt, nicht schön. Doch
während sie sich vor allem darauf konzentrieren, Haltungssysteme ausbruchssicherer zu gestalten und
fortpflanzungsunfähige Populationen zu züchten, um so das Risiko der Auskreuzung artfremder Gene zu verringern,
vernachlässigen sie die dringend notwendige, systematische Risikoforschung, die das Öko-Institut fordert.
Fall- und artspezifischer Risikoforschungsbedarf besteht unter anderem im Bereich
Der aktuelle Stand von Forschung und Technik lässt viele kritische Fragen der Nutzung transgener Tiere offen.
Daher muss deren kommerzielle Nutzung zum jetzigen Zeitpunkt abgelehnt, zumindest jedoch die Haltung von
transgenen Fischen auf ausbruchssichere Anlagen im Binnenland beschränkt werden. Grundsätzlich muss hinterfragt
werden, ob die wirtschaftlich motivierte, gentechnische Veränderung von Tieren ethisch zu vertreten ist.
Das Gutachten „Aktualisierung des Wissenstandes über transgene aquatische Organismen“ wird in Kürze
beim Bundesamt für Naturschutz veröffentlicht. Mehr zum Thema lesen Sie auch im Gentechnik-Nachrichten Spezial 13 „Transgene Nutztiere“ .
kk
Diesen Beitrag lesen Sie auch auf Englisch.
Ansprechpartnerin:
Dr. Jennifer Teufel
Öko-Institut e.V., Büro Freiburg
Bereich Biodiversität, Ernährung und Landwirtschaft
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Gentechnik in Entwicklungsländern
Anbau von transgenen Kulturpflanzen ist dort zum Teil noch risikoreicher
Die Landwirtschaft in Entwicklungsländern kämpft mit zahlreichen Problemen: Geringe Erträge,
Ertragsunsicherheiten, ertragsarme Standorte, die Gefährdung von Menschen und Umwelt durch Pestizide oder
Mangelernährung. Gentechnikbefürworter argumentieren, dass mit dem Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen
viele dieser Probleme gelöst werden könnten. Nachweise wurden jedoch noch nicht erbracht. Der Anbau transgener
Pflanzen birgt grundsätzlich ökologische und gesundheitliche Risiken. Eine Problematik, die sich in
Entwicklungsländern zum Teil noch verschärft. Im Auftrag der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) hat
das Öko-Institut e.V. diese Risiken dargestellt. Die Hintergrundstudie ist Teil des Statusberichts
„Gentechnik in der Landwirtschaft von Entwicklungsländern“. Der Bericht der GTZ fasst die Ergebnisse
von insgesamt acht Studien verschiedener Gutachter zusammen.
Ökologische Risiken beim Anbau transgener Kulturpflanzen entstehen beispielsweise durch die Gefahr der
Auskreuzung, also durch die Übertragung eines Transgens in andere Sorten, in Wildpopulationen der selben Art und
in Populationen nahe verwandter Arten. Die Folgen können unter anderem sein:
Es gibt bisher keine zuverlässigen, allgemeingültigen Methoden, Auskreuzung zu vermeiden. Das Risiko der
Auskreuzung kann – je nach Pflanzenart – allenfalls verringert werden. Wissenschaftler haben selbst
in der Luft mitten über dem Atlantik noch Pollen nachgewiesen. Eine erfolgreiche Befruchtung erfolgt je nach Art
teilweise noch in über 20 Kilometern Entfernung.
Zum Teil bilden transgene Pflanzen neue Stoffwechselprodukte. Pflanzen stehen in komplexen Wechselbeziehungen mit
ihrer Umwelt, die besonders in Entwicklungsländern kaum erforscht sind. Hier können neue Stoffwechselprodukte
oder eine veränderte Zusammensetzung der Inhaltsstoffe die bestehenden Gleichgewichte und Strukturen in
Ökosystemen ungewollt verändern.
Ob und wie transgene Pflanzen der Gesundheit schaden, ist bisher nur ungenügend oder gar nicht untersucht. Der
Nachweis darüber, dass dem nicht so ist, muss in europäischen Zulassungsgenehmigungen nicht sehr fundiert
erbracht werden. Die Risikobewertungen stützen sich teilweise nicht auf Untersuchungen, sondern auf Annahmen und
theoretische Vergleiche. Gleichzeitig ist jedoch nicht auszuschließen, dass sich der Verzehr gentechnisch
veränderter Nahrungs- oder Futtermittel auf die Mikroorganismen im Verdauungstrakt von Tieren und Menschen
auswirken kann. Es ist denkbar, dass im Verdauungstrakt Mikroorganismen entstehen können, die gegen Antibiotika
resistent sind. Gewünschte oder ungewollte neue Stoffwechselprodukte von transgenen Pflanzen könnten beim
Menschen zudem toxisch wirken oder Allergien auslösen.
„Die genannten Probleme werden in Entwicklungs- und Schwellenländern noch verschärft, aus biogeografischen
und kulturellen Gründen einerseits, wegen mangelnder Informationen und unzureichender Risikoforschung
andererseits“, urteilt Ruth Brauner, Koordinatorin des Forschungsbereichs Biodiversität, Ernährung &
Landwirtschaft am Öko-Institut.
In Entwicklungsländern liegen die Herkunftszentren vieler Kulturpflanzen, so für Mais in Zentralamerika, für die
Kartoffel in Südamerika oder für Soja in Südostasien. Sie kommen dort in vielen verschiedenen Sorten vor. Diese
Vielfalt ist weltweit das Ausgangsmaterial, um Kulturpflanzen weiter zu züchten. Sortenvielfalt sichert, dass
Nutzpflanzen auch in Zukunft unter erschwerten Klimabedingungen oder bei verändertem Schädlings- oder
Krankheitsdruck anpassungsfähig sind und überleben. Die Auskreuzung von transgenen Pflanzen kann diese
Sortenvielfalt gefährden. Weil die Agroökosysteme in Entwicklungsländern noch schlechter untersucht sind als in
Industrieländern, lassen sich ökologische Effekte auch schlechter abschätzen. Gleichzeitig ist die Gefahr der
Auskreuzung dort aus zwei Gründen noch größer:
Auch gesundheitliche Risiken werden nicht ausreichend untersucht. Es ist unwahrscheinlich, dass Zulassungsanträge
für transgene Pflanzen in Entwicklungsländern höheren Ansprüche genügen müssen, als in der EU. Ob transgene
Pflanzen der Gesundheit schaden, wird sich daher gegebenenfalls erst langfristig durch deren kommerziellen Anbau
und Verzehr herausstellen.
Die Hintergrundstudie Risiken der Nutzung der Gentechnik in der Landwirtschaft lesen Sie hier. Der „Statusbericht Gentechnik in der Landwirtschaft von Entwicklungsländern“ fasst
das Ergebnis von insgesamt acht Hintergrundstudien zusammen. Sie bearbeiten die wichtigsten Aspekte der Thematik.
Dazu zählen die öffentliche Diskussion über Gentechnik, Chancen und Risiken sowie Konzepte im Umgang mit diesen,
Koexistenz, Agrarhandel und Agrarforschung. Die Broschüre kann bei der Deutschen Gesellschaft für Technische
Zusammenarbeit, Abteilung 45 Agrarwirtschaft, Fischerei und Ernährung, Postfach 5180, 65726 Eschborn, marlis.lindecke@gtz.de bestellt werden. Die vollständigen Gutachten sind der
Broschüre als CD beigelegt und können in Kürze im Internet unter www2.gtz.de/biotech/dokument.htm nachgelesen
werden. kk
Diesen Beitrag lesen Sie auch auf Englisch.
Ansprechpartnerin für die Hintergrundstudie 3:
Ruth Brauner
Öko-Institut e.V., Büro Freiburg
Koordinatorin Bereich Biodiversität, Ernährung & Landwirtschaft
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EcoTopTen: Marktübersichten zu Wäschetrocknern, Kleinwagen und Strom
Noch im April geht’s weiter / Leichtere Wahl für bewusste Verbraucher
Nach dem
erfolgreichen Start von EcoTopTen Anfang März in Berlin, steht nun die Veröffentlichung neuer Marktübersichten zu
Wäschetrocknern, Kleinwagen und Strom unmittelbar bevor. EcoTopTen ist eine groß angelegte Informationskampagne
für nachhaltigen Konsum, die das Öko-Institut e.V. initiiert hat. In regelmäßigen Abständen veröffentlichen die
WissenschaftlerInnen Marktübersichten über rundum gute Produkte: Produkte, die die Umwelt schonen, hochwertig und
bezahlbar sind und sich den Titel EcoTopTen verdient haben. Die Übersichten zeigen, welche EcoTopTen-Produkte
Spitzenreiter sind und stellen konventionelle Produkte zum Vergleich vor. Außerdem sind Kaufpreise und
Folgekosten aufgelistet und es gibt Verhaltenstipps zu kostensparender und umweltschonender Nutzung. Damit können
Verbraucher schnell die bessere Wahl treffen. Bei Wäschetrocknern ist die Auswahl allerdings bescheiden.
Strombetriebene EcoTopTen-Wäschetrockner müssen als ökologisches Mindestkriterium A-klassifiziert sein. Bei
Gastrocknern, für die es bislang keine Einteilung in Energieeffizienzklassen gibt, gilt ein entsprechender
Primärenergieverbrauch. Darüber hinaus muss der Preis für einen EcoTopTen-Wäschetrockner mit konventionellen
Geräten vergleichbar sein. Und das bezieht sich nicht nur auf den Kaufpreis, sondern auf die jährlichen
Gesamtkosten, also auch auf Folgekosten für die Nutzung oder auf möglicherweise erforderliche
Zusatzinstallationen, zum Beispiel für Abluftschlauch oder Gassteckdose. „Dass Wäschetrockner der A-Klasse
zu einem bezahlbaren Preis auf den Markt kommen, darauf haben wir jahrelang gedrängt“, sagt Dr. Rainer
Grießhammer, Initiator von EcoTopTen, „Jetzt ist es soweit.“ Die Auswahl bleibt allerdings
bescheiden. Denn bisher gibt es nur drei Trockner, die diese Kriterien erfüllen. Alle anderen Wäschetrockner, die
derzeit auf dem deutschen Markt angeboten werden, gehören bestenfalls zur Energieeffizienzklasse C. „Das
entspricht dem Standard der 50er Jahre“, sagt Ina Rüdenauer, wissenschaftliche Mitarbeiterin am
Öko-Institut. Wer die Liste der EcoTopTen-Wäschetrockner anführt und welche typischen Wäschetrockner es zum
Vergleich gibt, können Sie in der zweiten Aprilhälfte auf www.ecotopten.de/produktfeld_waschen.php
nachlesen. Die Ergebnisse werden auch in der Juniausgabe von „natur & kosmos“ vorgestellt und
kommentiert.
Schon Anfang Mai folgt die Marktübersicht zu Kleinwagen. Wie bereits für Mini-Vans, Familienwagen und Autos der
Kompaktklasse werden auch für Kleinwagen die ökologischen Kriterien der Auto-Umweltliste
des Verkehrsclub Deutschland übernommen. Im Gegensatz zu vielen anderen Bewertungssystemen berücksichtigt der VCD
dabei auch Lärm als Kriterium. Das Neue an der EcoTopTen-Gesamtbewertung: Die Umweltbewertung der besten Autos
aus der VCD-Liste wird um die jährlichen Gesamtkosten erweitert. Diese beinhalten nicht nur die Kraftstoffkosten,
sondern auch, was der Autofahrer für Steuern, Versicherung, Reparaturen und Wertverlust zahlen muss. Denn trotz
hoher Benzinpreise machen die Kraftstoffkosten mit 10 bis 15 Prozent nur einen geringen Anteil an den jährlichen
Gesamtkosten aus. Die Marktübersicht zu Kleinwagen lesen Sie Anfang Mai unter www.ecotopten.de/prod_mobil_pkw_prod.php
Im Juni folgt die Marktübersicht über Stromangebote. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass nur wenige deutsche
Stromanbieter die EcoTopTen-Kriterien erfüllen werden. EcoTopTen-Strom muss nicht nur nach dem „Grüner
Strom Label in Gold“ oder dem „Ok-Power-Label“ zertifiziert, sondern auch bundesweit verfügbar
sein. Welcher Anbieter in der EcoTopTen-Bewertung gut abschneidet, hängt auch von seiner Dienstleistungsqualität
ab. Denn Verbraucher machen die Entscheidung für einen Stromwechsel weniger von der Qualität des Stroms abhängig,
als vom Service des Anbieters. Sie sorgen sich zum Beispiel um eine zuverlässige Stromversorgung. „Viele
Menschen lieben Abenteuerurlaub, aber haben Bedenken gegen einen Stromwechsel. Dabei ist der Wechsel zu Ökostrom
ganz leicht“ räumt Rainer Grießhammer diese Bedenken aus, „Auf das Abenteuer Kernkraftwerk kann man
dagegen gerne verzichten.“ Die Marktübersicht zu Strom lesen Sie ab Juni auf www.ecotopten.de/produktfeld_strom.php
Sie wollen mehr erfahren zu EcoTopTen? Besuchen Sie die Homepage www.ecotopten.de. Sie wollen regelmäßig über EcoTopTen informiert
werden? Abonnieren Sie den EcoTopTen-Newsletter und senden eine E-Mail an anmeldung@ecotopten.de. Der nächste EcoTopTen-Newsletter erreicht Sie in der
zweiten Aprilhälfte. Übrigens: Auch die Gewinner des Filmwettbewerbs stehen jetzt fest. Schauen Sie doch mal rein
(www.ecotopten.de/news050309b.php) Ein Interview mit Rainer Grießhammer lesen Sie in diesem
Newsletter unter der Rubrik Öko-Media. kk
Ansprechpartnerin:
Projektleiterin Kathrin
Graulich
Öko-Institut e.V., Büro Freiburg
Bereich Produkte & Stoffströme
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Urlaub ohne Auto – kein Verzicht
Kostenlos und gut informiert Bus und Bahn nutzen / Neues Projekt schult die Tourismusbranche
Wer im
Schwarzwald Urlaub macht, kommt jetzt in den Genuss eines besonderen Services: In bisher rund 50 Tourismusorten
können Übernachtungsgäste mit der KONUS-Gästekarte kostenlos die öffentlichen Verkehrsmittel ihres
Urlaubsgebietes nutzen. Finanziert wird dieses Angebot über eine Erhöhung der Kurtaxe um 21 Cent pro
Übernachtung. Doch wie erhalten Urlaubsgäste Informationen über Buslinien, Bahnfahrpläne, Car-Sharing oder
Wandervorschläge, die mit Angeboten des öffentlichen Nahverkehrs kombiniert werden? Wie können die
Erholungssuchenden bereits am Heimatort davon überzeugt werden, dass sie auch ohne eigenem Auto am Urlaubsort
ausreichend mobil sind? Das vorhandene Angebot muss also auch zuverlässig vermittelt werden. Diesem Ziel widmet
sich ein neues Teilprojekt in Kooperation mit dem Öko-Institut e.V., das in das EU-INTERREG III B Projekt
„Alpine Awareness – Transalpine Awareness Raising for Sustainable Mobility“ eingebettet
ist.
KONUS steht für die Kostenlose Nutzung des Öffentlichen Personennahverkehrs für Schwarzwaldurlauber. Mit der
Gästekarte können Touristen seit Anfang dieses Jahres sämtliche Busse und Nahverkehrszüge zwischen dem
Ortenaukreis im mittleren Schwarzwald und dem Hochrheintal an der Schweizer Grenze im Süden umsonst nutzen.
Urlauber, die auf diese Verkehrsmittel umsteigen möchten, müssen also keine Experten mehr in den
unterschiedlichen Tarifstrukturen der sechs angeschlossenen Tarifverbünde werden. Zunächst auf eine
Erprobungszeit für zwei Jahre angelegt, könnte die KONUS-Gästekarte zu einem Erfolgsmodell des
Schwarzwald-Tourismus werden. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Beschäftigte der Tourismusbranche über das
neue Angebot hervorragend informieren können.
Im Rahmen des EU-Projekts „Alpine Awareness“ entwickelt das Arbeitsfeld Verkehr am Öko-Institut, Büro
Freiburg, daher zusammen mit der TU München, Fachgebiet für Soziologie, Schulungskonzepte für Hotelbeschäftigte
und Hotelbesitzer sowie Mitarbeiter von Touristeninformationen. Diese sollen erfahren, was die Bedürfnisse von
Urlaubern sind, die ohne Auto anreisen oder am Urlaubsort auf ihr Auto verzichten wollen. Beschäftigte der
Tourismusbranche sollen lernen, Urlauber umfassend über die Angebote der Verkehrsunternehmen und
Mobilitätsanbieter zu informieren. Im besten Falle werden sie so zu „Mobilitätsberatern vor Ort“, die
ihren Teil zum nachhaltigen Tourismusverkehr und zum Erfolgsmodell der KONUS-Gästekarte beitragen. Die
Schulungskonzepte werden gemeinsam mit Institutionen der Tourismusbranche und für die Qualifizierung von
Beschäftigten zuständigen Akteuren im Schwarzwald getestet. Anschließend sollen sie auf die jeweils speziellen
Bedingungen bei den anderen europäischen Partnern von „Alpine Awareness“ übertragen und auch dort
getestet werden.
Ein weiterer Projektbaustein beschäftigt sich speziell mit den Bedürfnissen jugendlicher Urlaubsgäste. Eine neue
Broschüre soll sie darüber informieren, wie sie interessante Ausflugsziele vom Urlaubsort mit dem öffentlichen
Nahverkehr oder dem Fahrrad erreichen können. Ein durchaus beabsichtigter Nebeneffekt wäre, wenn über so eine
Zielgruppeninformation an Jugendliche auch die mitreisenden Eltern zu ÖPNV-Erkundungen mit der KONUS-Karte
animiert würden, für die ansonsten das Auto das vorherrschende Verkehrsmittel für Ausflüge am Urlaubsort
wäre.
Das Projekt „Alpine Awareness“ wird von Partnern aus Italien, Österreich, Frankreich und Deutschland
getragen. Lead Partner ist die Provinz Belluno in Norditalien. wl
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Ansprechpartner:
Mario Mohr
Willi Loose
Öko-Institut e.V., Büro Freiburg
Arbeitsfeld Verkehr
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Energiepolitik der Zukunft – und das nukleare Erbe
Öko-Institut lädt Anfang Juni zur Jahrestagung nach Freiburg
Kyoto-Protokoll, Atomausstieg, Windkraft-Boom: Und nun wird alles gut? Weit gefehlt. Auch im Jahr 2005 sind die
Auswirkungen des globalen Klimawandels unverändert in vielen Regionen der Welt zu spüren. Und auch Deutschland,
einst selbst ernannter Vorreiter in Sachen Umweltschutz, muss seine Klima-Hausaufgaben noch machen. Was muss
geschehen, damit wir uns auf den richtigen Weg in eine nachhaltige Energiezukunft machen? Und wie steht es
hierbei um die Zukunft der Atomkraft? Führen neu diskutierte Reaktorkonzepte, die Anforderungen des Klimaschutzes
sowie der steigende Erdölpreis zu einem Comeback der vermeintlich „sauberen Atomenergie“? Diese
Fragen möchte das Öko-Institut e.V. diskutieren und lädt deshalb zur Jahrestagung „Energiepolitik der
Zukunft - und das nukleare Erbe“ nach Freiburg ein. Sie findet statt am Freitag, 3. Juni 2005, im Solar
Info Center (SIC), Emmy-Noether-Straße 2, in 79110 Freiburg.
Die ReferentInnen, unter ihnen Mycle Schneider, Träger des alternativen Nobelpreises, gehen vom Globalen aus und
lenken den Blick dann auf das Regionale. Und schauen sich an, welche Rolle die Kommunen und lokalen Akteure für
eine nachhaltige Energiezukunft spielen. Am Beispiel der Stadt Freiburg will die Tagung zeigen, welche
Möglichkeiten eine Kommune hat, energiepolitische Visionen konkret umzusetzen.
Exkursionen zu drei Orten in der „Öko-Hauptstadt“ runden das fachliche Programm ab. Die Tagung klingt
mit einem Empfang im zukünftigen Solarbüro des Öko-Institutes, dem so genannten Sonnenschiff aus. Das Gebäude
verwirklicht ökologische Standards, für die sich die WissenschaftlerInnen seit Jahren einsetzen. Finanziert wurde
der Bau durch Spenden und Darlehen der Mitglieder des Öko-Instituts. Einzug ist voraussichtlich im Juli 2005.
cr
Das komplette Programm, Anmeldeformalitäten und weitere Informationen: www.oeko.de/jahrestagung.htm.
Ansprechpartnerin:
Christiane Rathmann
Öko-Institut e.V.
Referat Öffentlichkeit & Kommunikation
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Baden-Württemberg: Längere Laufzeit der Kernkraftwerke ist keine Lösung
Öko-Institut empfiehlt mehr Wettbewerb statt einseitiges Festhalten an der Kernenergie
Die Energiewirtschaft in Baden-Württemberg ist nicht von der Kernenergie abhängig. Im Gegenteil: Der
Kernenergieausstieg ist für das Land eine Chance, zu einem Vorreiter einer innovativen und nachhaltigen
Energieversorgung zu werden. Die Landesregierung sollte Baden-Württemberg als attraktiven Innovationsstandort
vermarkten, anstatt Investoren und Innovatoren damit abzuschrecken, dass sie eine längere Laufzeit der
Kernkraftwerke fordert. Das sind die zentralen Ergebnisse einer neuen Studie des Öko-Instituts e.V., die im
Auftrag der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Grüne erstellt und Anfang April in Stuttgart der Öffentlichkeit
vorgestellt wurde.
Thema ist die Zukunft der Energiewirtschaft in Baden-Württemberg ohne Kernkraft. Die Landesregierung möchte zwar
verhindern, dass Baden-Württemberg von Stromimporten abhängig wird, entwirft jedoch gleichzeitig ein
pessimistisches Bild des Erzeugungsstandorts Baden-Württemberg, in dem nur die Kernkraftwerke auf der Habenseite
stehen. Dem gegenüber plädiert das Öko-Institut für eine Strategie, die anerkennt, dass in einem europäischen
Wettbewerbsmarkt der Stromhandel zunimmt und „Unabhängigkeit von Stromimporten“ kein Ziel sein kann,
schon gar nicht auf der Ebene eines Bundeslandes.
„Gerade in diesem Wettbewerbsmarkt geht es darum, die Chancen in Baden-Württemberg zu nutzen und die
innovativen Potenziale der Stromerzeugung im Land zu stärken, anstatt lediglich zu fordern, die Laufzeit der
Kernkraftwerke zu verlängern“, sagt Dierk Bauknecht, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Öko-Institut im
Forschungsbereich Energie & Klimaschutz. Kernkraftwerke können einerseits durch hoch-effiziente
Erdgas-Kraftwerke ersetzt werden. Daneben bestehen jedoch auch große Potenziale bei den Erneuerbaren Energien,
insbesondere bei der Biomasse, und der Erhöhung der nachfrageseitigen Effizienz. Und wer neue Technologien wie
Stirling-Motoren international vermarkten will, sollte sie auch zu Hause einsetzen.
Die Studie beschäftigt sich auch mit der Frage, ob die Strompreise durch den Kernenergieausstieg in
Baden-Württemberg steigen werden. Sie macht deutlich, dass der hohe Kernenergieanteil im Land beziehungsweise von
EnBW nicht zu niedrigen Strompreisen für die Verbraucher geführt hat. Im Gegenteil: Die Strompreise in
Baden-Württemberg gehören heute zu den höchsten in ganz Deutschland und EnBW gehört zu den teuersten Anbietern in
Baden-Württemberg. Als wesentliche Stellschraube für niedrigere Strompreise nennt die Studie die hohen
Netzkosten. Außerdem ist Wettbewerb zwischen verschiedenen Kraftwerksbetreibern Voraussetzung für eine effiziente
Stromversorgung. Ein neues Erdgas-Kraftwerk am Standort Obrigheim, zum Beispiel gemeinsam betrieben von
Stadtwerken, wäre daher das richtige Signal. db
Ein kostenloser Download der Studie ist hier möglich.
Ansprechpartner:
Dierk Bauknecht
Öko-Institut e.V., Büro Freiburg
Bereich Energie & Klimaschutz
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Nachhaltige Mobilität beginnt im Kopf
Mobilität ist eine Frage der Kultur – was prägt sie? / Neues Forschungsprojekt
In Freiburg sind sie aus dem Stadtbild nicht wegzudenken, in Frankfurt führen RadlerInnen vergleichsweise ein
Schattendasein – zwei Städte, zwei Mobilitätskulturen. Wie kommt es zu den Unterschieden? Dieser Frage geht
jetzt ein interdisziplinäres Forschungsteam im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums nach. Die
WissenschaftlerInnen untersuchen in Vorbildstädten mit nachhaltiger Verkehrsentwicklung, welche Faktoren deren so
genannte „Mobilitätskultur“ beeinflussen. Daraus wollen sie eine Strategise ableiten, um modellhaft
die Mobilitätskultur einer deutschen Großstadt zu beeinflussen. Das Projekt wird unter Leitung des Instituts für
sozial-ökologische Forschung, Frankfurt zusammen mit dem Planungsbüro StetePlanung, Darmstadt, der Agentur Script
Corporate + Public Communication und dem Öko-Institut e.V. bearbeitet.
Nach einer vorläufigen Arbeitshypothese wird die Mobilitätskultur einer Stadt sowohl von so genannten
„harten“, als auch von „weichen“ Faktoren geprägt. Großen Anteil haben Einstellungen,
Verhaltensweisen und Umgangsformen der VerkehrsteilnehmerInnen. Sie sind eng an städtische Milieus und
Lebensstile gekoppelt und in diesem Sinn „Mobilitätsstile“. Natürlich nimmt auch die städtische
Verkehrsplanung ihren Einfluss. Sie drückt sich materiell in der gebauten Verkehrsinfrastruktur aus. Doch auch
die ihr zugrunde liegenden Konzepte und Leitvorstellungen, politischen Beschlüsse, Kompromisse und
Verlautbarungen bestimmen die Mobilitätskultur mit. Mobilitätskultur wird zudem von den offiziellen und
inoffiziellen städtischen Diskursen geprägt. Dabei geht es nicht nur um Mobilität und Verkehr, Umweltschutz und
Nachhaltigkeit, sondern auch um wirtschaftliches Wachstum und Arbeitsplätze, um Gleichberechtigung von Frauen,
Männern, Kindern, Alten, Jungen. Schließlich ist eine bestimmte Mobilitätskultur auch Ausdruck des historisch
gewachsenen städtischen Raums. Dieser ist verbunden mit Bildern, Visionen und Images einer Stadt. Die
Mobilitätskultur einer Banken-Stadt wie Frankfurt kann nicht die gleiche sein, wie die in Freiburg oder
Tübingen.
Auf Basis dieser Arbeitshypothese analysiert das Forschungsteam zunächst die Mobilitätskultur in einigen Städten
mit vorbildlicher nachhaltiger Verkehrsentwicklung, darunter Freiburg, Salzburg, Zürich und Bozen. Die
WissenschaftlerInnen beziehen dabei zahlreiche professionelle Gestalter der städtischen Mobilität und
Institutionen der Meinungsbildung ein, von denen vermutet wird, dass sie einen prägenden Einfluss auf die
Mobilitätskultur der Beispielstädte ausgeübt haben. Darauf aufbauend wird ein Gestaltungskonzept für eine
konkrete Großstadt – Frankfurt am Main – entwickelt. Die Ergebnisse sollen darüber hinaus
Modellcharakter haben und auf andere Regionen und Städte im deutschsprachigen Raum anwendbar sein.
wl
Diesen Beitrag lesen Sie auch auf Englisch.
Ansprechpartner:
Willi Loose
Öko-Institut e.V., Büro Freiburg
Arbeitsfeld Verkehr
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Buchtipp: Access to Justice in Environmental Matters and the Role of NGOs
Eine rechtliche und empirische Untersuchung von Verbandsklagen in Europa
Zur Vorbereitung einer neuen Richtlinie gab die Europäische Kommission im Jahr 2002 eine Studie über den Zugang
zu Gerichten in Umweltangelegenheiten in Auftrag. Die Studie wurde vom Öko-Institut e.V. und dem belgischen
Centre d’Etude du Droit de l’Environnment bearbeitet. Die Autoren, Nicolas de Sadeleer, Gerhard
Roller und Miriam Dross, haben die Ergebnisse jetzt in einem Buch veröffentlicht. Es bewertet die aktuellen
Entwicklungen im Bereich des Zugangs zu den Gerichten in Umweltangelegenheiten für Nichtregierungsorganisationen
und Umweltverbände in acht EU-Mitgliedsstaaten. Zum ersten Mal werden umfassende empirische Daten über die Zahl
der Verbandsklagen in Umweltangelegenheiten veröffentlicht.
Miriam Dross ist Juristin im Bereich Umweltrecht des Öko-Instituts. Sie ist insbesondere auf Völker- und
Europarecht spezialisiert und die Expertin des Instituts für die Aarhus-Konvention. Nicolas de Sadeleer hat den
Marie Curie Lehrstuhl der Universität Oslo inne, wo er für ein EU-gefördertes Forschungsprogramm verantwortlich
zeichnet. Er ist auch Professor für Umweltrecht an der Universität Saint-Louis (Brüssel) und am Institut für
Europäische Studien der Katholischen Universität Louvain. Gerhard Roller ist Juraprofessor an der Fachhochschule
Bingen und leitet das Institute for Environmental Studies and Applied Research.
Das Buch ist auf Englisch unter dem Titel “Access to Justice in Environmental Matters and the Role of NGOs,
Empirical Findings and Legal Appraisal” erschienen. Nicolas de Sadeleer, Gerhard Roller & Miriam Dross.
February 2005, 228 p. Europa Law Publishing. The Avosetta Series (6). ISBN 9076871280. 62 Euro. Weitere
Informationen lesen Sie im Internet unter www.europalawpublishing.com/avosetta/avosetta_6.htm. Bestellungen nimmt Jacqueline Lensink, PO Box
6047, 9702 HA Groningen, The Netherlands, unter Telefon +31 50 526 3844, per Fax unter +31 50 526 3867 oder per
E-Mail an info@europalawpublishing.com entgegen.
Ansprechpartnerin:
Miriam Dross
Öko-Institut e.V., Berliner Büro
Bereich Umweltrecht
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Michael Sailer neues Mitglied im Euratom Scientific and Technical Committee
Beratungsorgan der Europäischen Kommission in Nuklearfragen
Michael Sailer, Nuklearexperte am Öko-Institut e.V., ist in das Euratom Scientific and Technical Committee STC
berufen worden. Die Berufung läuft bis 2009. Das STC hat 39 Mitglieder und ist der Europäischen Kommission
zugeordnet. Es berät die Kommission in allen Nuklearfragen. Eine der Hauptaufgaben der STC ist es, das
Nuklearforschungsprogramm der Europäischen Kommission zu begutachten und zu kommentieren.
Das STC ist durch den Euratom-Vertrag eingesetzt. Die Berufung Michael Sailers in das STC ist ein persönliches
Mandat. Der 51-jährige Diplom-Ingenieur leitet den Bereich Nukleartechnik & Anlagensicherheit am Öko-Institut
und ist stellvertretender Geschäftsführer. In den Achtziger Jahren hat er maßgeblich das Darmstädter Büro des
Instituts mit aufgebaut. Sailer wird als Experte in allen Fragen der Kerntechnik geschätzt. Seine
Arbeitsschwerpunkte sind Reaktorsicherheit und Entsorgung. Unter anderem gehört er seit 1999 auch der
Reaktor-Sicherheitskommission RSK an, deren Vorsitz er seit 2002 inne hat. Die mit 13 ausgewiesenen Experten
besetzte RSK berät das Bundesumweltministerium ehrenamtlich in Fragen der wissenschaftlich-technischen Bewertung
von Sicherheitsfragen bei Atomanlagen und in Fragen der Entsorgung. kk
Diesen Beitrag lesen Sie auch auf Englisch.
Ansprechpartner:
Michael Sailer
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Koordinator Bereich Nukleartechnik & Anlagensicherheit
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Interview: „Umweltschutz – ein Nebeneffekt“
Badische Zeitung spricht mit EcoTopTen-Initiator Rainer Grießhammer
Die EcoTopTen-Kampagne wird vom Freiburger Öko-Institut getragen. Jörg Buteweg wollte von Projektleiter Rainer
Grießhammer wissen, wie man in Zeiten knapper Kassen für ökologisch anspruchsvolle Produkte wirbt.
Das vollständige Interview vom 10. März 2005 in der Badischen Zeitung und einen weiteren Hintergrundartikel lesen
Sie hier.
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Berliner Energietage: Emissionshandel in der EU
Öko-Institut lädt am 3. Mai zur Fachdiskussion
Im Januar 2008 beginnt die zweite Periode des europäischen Emissionshandelssystems. Da für diese Periode die
Nationalen Allokationspläne bereits Mitte 2006 notifiziert werden müssen, haben die Diskussionen um die Zuteilung
der Emissionsberechtigungen für die Periode 2008 bis 2012 bereits unmittelbar nach dem Beginn der ersten
Emissionshandelsperiode begonnen. Im Rahmen der Berliner Energietage lädt das Öko-Institut e.V. am Dienstag, 3.
Mai von 9.30 bis 12.30 Uhr in das Berliner Ludwig Erhard Haus zur Veranstaltung „Emissionshandel in der EU
– Vorbereitung auf die zweite Runde“. Es werden erste Erfahrungen ausgewertet, verschiedene
Gestaltungsoptionen für die nächste Zuteilungsrunde beleuchtet und über aktuelle Trends berichtet. Die Moderation
übernimmt Dr. Felix Christian Matthes, Koordinator des Bereichs Energie & Klimaschutz im Berliner Büro des
Öko-Instituts e.V..
Die Beiträge:
Die Veranstaltung ist kostenfrei, eine Anmeldung ist erforderlich. Anmeldungen nimmt Julia Repenning entgegen
telefonisch unter 030/ 280 486 –84, per Fax unter 030/280 486 –88 oder per Mail an j.repenning@oeko.de. Mehr Informationen zu den Berliner Energietagen lesen Sie
im Internet unter www.berliner-energietage.de.
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PROSA: Internationaler Kongress zu Nachhaltigkeitsmanagement in Unternehmen
Öko-Institut lädt am 4. und 5. Juli nach Lausanne
Moderne Unternehmen müssen sich neuen gesellschaftlichen Herausforderungen stellen. Nicht nur der ökonomische
Erfolg zählt. Kunden, Kapitalgeber oder eine schärfere Gesetzgebung verlangen auch bessere ökologische und
soziale Leistungen. Wie können Unternehmen dieser neuen Verantwortung gerecht werden? Welche Methoden des
Nachhaltigkeitsmanagements stehen zur Verfügung? Wie können soziale und ökologische Probleme in die
Produktentwicklung integriert werden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der internationale Kongress
„Product Sustainability Assessment PROSA“ am 4. und 5. Juli in Lausanne, zu dem das Öko-Institut e.V.
und das IMD – International Institute for Management Development einladen. An Fallbeispielen diskutieren
WissenschaftlerInnen und UnternehmerInnen, welche Anforderungen an eine produktbezogene Nachhaltigkeitsstrategie
gestellt werden müssen, wie der Stand der Methoden ist und welche Perspektiven sich bieten.
Zentrales Beispiel ist der Automarkt, aber auch andere Fallbeispiele wie Telekommunikations-Produkte,
Haushaltsgeräte und Industrieprodukte werden behandelt. Am Montag, 4. Juli wird eine Übersicht über
Produktnachhaltigkeits-Analysen gegeben, die bereits in der Praxis und in Unternehmen eingesetzt werden. Die
ReferentInnen aus Wissenschaft und Unternehmen werden darüber hinaus Ökoeffizienzanalysen, Lieferantenaudits und
Methoden vorstellen, mit denen soziale Aspekte analysiert werden können. Am Dienstag, 5. Juli werden diese Themen
in drei parallelen Workshops vertieft. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen werden dem Plenum zusammengefasst
präsentiert.
Der Kongress richtet sich an Vertreter von
Das Öko-Institut veranstaltet den Kongress in Kooperation mit dem IMD - International Institute for Management Development. Tagungsort ist das IMD, Chemin de
Bellerive 23 in Lausanne. Die Teilnahmegebühr beträgt 300 Euro, für Mitglieder des Öko-Instituts 150 Euro.
Kongress-Sprache ist englisch. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Ab sofort können Sie sich unter www.prosa.org online anmelden
oder die Kongressunterlagen anfordern bei Andrea Droste, per E-Mail oder telefonisch unter ++49-761-45295-49.
Anmeldeschluss ist Freitag, 17. Juni. Das vollständige Programm lesen Sie hier.
Ansprechpartner:
Dr. Rainer
Grießhammer
Öko-Institut e.V.
Stellvertretender Geschäftsführer
Bereich Produkte & Stoffströme
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I M P R E S S U M
Herausgeber
Öko-Institut e.V.
Institut für angewandte Ökologie
Redaktion
Referat Öffentlichkeit & Kommunikation
Christiane Rathmann
Katja Kukatz
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