01.06.2005
Energiepolitik der Zukunft – ein nachhaltiger Gegenentwurf zur Kernkraft
Jahrestagung des Öko-Instituts
Das Inkrafttreten des Kyoto-Protokolls im Februar dieses Jahres war ein erster und wichtiger Schritt für die globale
Klimaschutzpolitik – aber mehr noch nicht. Denn um die atmosphärischen Treibhausgasemissionen zu stabilisieren,
sind weitaus höhere Reduktionsziele notwendig, als sie im Rahmen des Kyoto-Protokolls vereinbart wurden. Die Probleme
im Klimaschutz und auf dem Weg zu einem nachhaltigen Energiesystem bleiben drängend. Um sie zu lösen, muss Deutschland
in der EU weiterhin eine Vorreiterrolle einnehmen und sich für engagierte europäische Reduktionsziele einsetzen. Wie
eine nachhaltige Energie- und Klimaschutzstrategie global, national und regional gestaltet werden kann, in der die
Kernenergie keinen Platz hat, diskutieren EnergieexpertInnen des Öko-Instituts e.V. auf der Jahrestagung des Instituts
an diesem Freitag, 3. Juni in Freiburg gemeinsam mit rund 150 TeilnehmerInnen aus Politik, Wirtschaft und
Wissenschaft.
„Kernkraftwerke eignen sich nicht als Klimaschützer. Das käme dem Motto gleich, den Teufel mit dem Beelzebub
auszutreiben“, sagt Veit Bürger, Energieexperte am Öko-Institut. Denn „die Kerntechnik stellt uns immer
noch vor unlösbare Probleme“, begründet Michael Sailer, stellvertretender Geschäftsführer und langjähriger
Nuklearexperte am Öko-Institut. Im Gegenentwurf setzt das Institut auf eine Energiepolitik, die aus der Kernenergie
aussteigt und zudem mittel- bis langfristig auf die fossilen Brennstoffe verzichtet. Der Ausstieg aus der Atomenergie
bietet nach Meinung des Öko-Instituts die Chance, alternative Formen der Stromerzeugung auszubauen.
Dabei kann insbesondere Erdgas eine wichtige Brückenfunktion übernehmen, weil es unter den fossilen Energieträgern der
Brennstoff mit den niedrigsten spezifischen Kohlendioxid-Emissionen ist. Ergas-Kraftwerke eignen sich hervorragend für
die Kraft-Wärme-Kopplung, bei der sie gleichzeitig Strom und Wärme erzeugen. Daneben bestehen große Potenziale bei den
Erneuerbaren Energien, insbesondere bei der Biomasse. Die dritte wichtige Säule ist die Energieeffizienz: Der
Stromverbrauch und damit auch der Bedarf für neue Kraftwerke muss deutlich sinken. In den privaten Haushalten ließen
sich beispielsweise rund 40 bis 50 Prozent des Stromverbrauchs einsparen, wenn zum Beispiel stromsparende
Waschmaschinen, Kühlschränke oder Fernsehgeräte genutzt werden. Nimmt der Stromverbrauch ab, sinkt auch die
Abhängigkeit beispielsweise von Gasimporten. Stromsparen leistet damit also einen wichtigen Beitrag zur
Versorgungssicherheit. Nebeneffekte einer solchen klimaschutzorientierten Energiepolitik reichen von positiven
Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt über eine sinkende Abhängigkeit vom Öl bis hin zur regionalen Wertschöpfung und
internationaler Wettbewerbsfähigkeit neuer Industrien.
Trotz aller nationalen Bemühungen: Klimaschutz ist eine globale Aufgabe. Die internationale Staatengemeinschaft muss
sich zügig auf eine langfristige Klimaschutzstrategie einigen, die auch die großen Schwellenländer einbindet und
verhindert, dass sich die Entwicklungsländer bei der Entwicklung ihrer Strom-, Wärme und Verkehrssektoren in eine
Abhängigkeit von fossilen Energien oder der Kernenergie begeben.
Lesen Sie im zweiten Beitrag dieses Newsletters „Energiepolitik der Zukunft – und das nukleare Erbe“,
warum die Kernkraft trotz neuer Reaktorkonzepte keine Antwort auf die Energiefragen der Zukunft ist. Mehr zum Thema
lesen Sie auch im Diskussionspapier „Die Zukunft der Energiewirtschaft in
Baden-Württemberg ohne Atomkraft“. Informationen zur Jahrestagung finden Sie unter www.oeko.de/. Aktuelle Materialien und Fotos werden
bereits während der Tagung ergänzt. Die vollständige Dokumentation steht für Sie ab Montag, 6. Juni zur Verfügung.
vb/kk
Ansprechpartner:
Veit Bürger
Öko-Institut e.V., Büro Freiburg
Bereich Energie & Klimaschutz
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Energiepolitik der Zukunft – und das nukleare Erbe
Risiken und Probleme der Kernenergienutzung
Angesichts der immensen Aufgaben im Klimaschutz und der begrenzten Vorkommen fossiler Brennstoffen werden die Stimmen
derjenigen lauter, die eine Renaissance der vermeintlich „sauberen“ Atomkraft befürworten. Warum trotz
neuer Reaktorkonzepte die Atomenergie keine Antwort auf die Energiefragen der Zukunft ist, diskutieren Nuklear- und
EnergieexpertInnen des Öko-Instituts e.V. auf der Jahrestagung des Instituts an diesem Freitag, 3. Juni in Freiburg.
Sie werden aufzeigen, wie ein nachhaltiges Energiesystem gestaltet werden kann, welche Probleme auf dem Weg dorthin
noch zu lösen sind und welche Risiken nach wie vor gegen die Nutzung der Kernenergie sprechen. Diese liegen vor allem
im Betrieb der Anlagen.
Neben den Gefahren durch terroristische Bedrohungen und militärischen Missbrauch von Spaltmaterial liegt das größte
Risiko in den katastrophalen Auswirkungen eines schweren Reaktorunfalls mit Kernschmelze. „Daran ändern auch neue
Reaktorkonzepte wie der so genannte European Pressurized Water Reactor nichts, denn auch diese sind nicht
kernschmelzsicher“, ist die Einschätzung Michael Sailers, stellvertretender Geschäftsführer des Öko-Instituts und
Koordinator des Bereichs Nukleartechnik & Anlagensicherheit.
Beim Betrieb heute gängiger Reaktortypen wird eine thermische Leistung von rund 4000 Megawatt erzeugt. Auch nach dem
Abschalten eines Reaktors zerfallen die Nuklide, die bei der Spaltung von Uran und Plutonium entstehen, weiter. Die
Wärmeproduktion im Reaktor ist daher auch nach Tagen und Wochen noch so hoch, dass es beim Versagen der Reaktorkühlung
zur Kernschmelze mit Freisetzung großer Mengen radioaktiver Stoffe in die Umgebung kommen kann. Hochkomplexe Systeme
sollen mit großer Zuverlässigkeit jederzeit die Kühlung des Kerns sicherstellen. Erfahrungen aber zeigen, dass an
diesen Systemen immer wieder Schwachstellen auftreten, die das Risiko einer Kernschmelze erhöhen. Die Ursachen hierfür
sind vielfältig wie verschiedene Beispiele auch aus der jüngsten Vergangenheit zeigen. So führen technische
Fehleinschätzungen dazu, dass bestimmte Störfälle über Jahrezehnte bei Auslegung und Betrieb der Anlagen gar nicht
berücksichtigt werden. Aber auch der „Faktor Mensch“ stellt ein Risiko dar, genauso, wie das zunehmende
Alter vieler Anlagen.
In den kommenden Jahrzehnten wird sich das Gesamtrisiko durch den Betrieb von Kernkraftwerken aufgrund des zunehmenden
Alters der Anlagen noch erhöhen. Daran werden auch neue Reaktorkonzepte der sogenannten „Generation III“
oder „Generation IV“ nichts ändern. Einerseits werden diese höchstens einen geringen Prozentsatz des
gesamten Anlagenparks ausmachen. Anderseits kann für diese Reaktortypen das Unfallrisiko zwar reduziert werden, ein
schwerer Störfall ist aber physikalisch ebenfalls nicht auszuschließen.
Nach knapp 40 Jahren Kernenergienutzung in Deutschland gibt es bereits heute über 100.000 Kubikmeter radioaktiver
Abfälle. Sie beinhalten auch hochradioaktive Abfälle mit langlebigen Nukliden, die Halbwertszeiten von einigen 100.000
Jahren haben, insbesondere die abgebrannten Brennelemente – eine Hinterlassenschaft für Tausende nachfolgender
Generationen. Für diese Abfälle gibt es keine Alternative zur unterirdischen Endlagerung in einer geologischen
Formation in mehreren Hundert Metern Tiefe. Wenn ein solches Endlager an einem Standort in Deutschland errichtet wird,
der nach geologischen Kriterien sorgfältig ausgewählt wird, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die
radioaktiven Abfälle langfristig von der Biosphäre isoliert werden können. Keinesfalls können sich Unfallszenarien mit
schlagartiger Freisetzung großer Mengen Radioaktivität entwickeln, wie sie beim Kraftwerksbetrieb möglich sind.
Endlagerung erfordert aber nicht nur technische Lösungen, sondern auch die Akzeptanz in der Gesellschaft. Diese setzt
voraus, dass es eine klare Begrenzung gibt, in welchen Mengen und über welchen Zeitraum künftig noch radioaktive
Abfälle anfallen.
Es gibt Alternativen, die dauerhaft zum Klimaschutz beitragen und nicht mit den Risiken und gesellschaftlichen
Konflikten der Kernenergie verbunden sind. Welches diese sind, wie sie im künftigen Konzept der Stromversorgung
konsequent weiter verfolgt werden sollten und wie eine langfristige Klimaschutzstrategie aussehen muss, diskutieren
Energie- und NuklearexpertInnen an diesem Freitag, 3. Juni im Freiburger Solar Info Center anlässlich der Jahrestagung
des Öko-Instituts „Energiepolitik der Zukunft – und das nukleare Erbe“. Lesen Sie dazu auch den
Beitrag „Energiepolitik der Zukunft – ein nachhaltiger Gegenentwurf zur Kernkraft“ in diesem
Newsletter. bk/kk
Mehr zum Thema erfahren Sie auch aus dem Diskussionspapier „Die Zukunft der Energiewirtschaft in
Baden-Württemberg ohne Atomkraft“. Informationen zur Jahrestagung finden Sie unter www.oeko.de/jahrestagung. Aktuelle Materialien und Fotos werden
bereits während der Tagung ergänzt. Die vollständige Dokumentation steht für Sie ab Montag, 6. Juni zur Verfügung.
AnsprechpartnerIn:
Michael Sailer
Beate
Kallenbach-Herbert
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Bereich Nukleartechnik & Anlagensicherheit
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Emissionshandel – Vorbereitung auf die zweite Runde
Die Zuteilung der Rechte muss einfacher werden
Von Januar 2008 bis 2012 läuft die zweite Handelsphase des europäischen Emissionshandelssystems und die Diskussionen um
die Zuteilung der Emissionsrechte hat bereits begonnen. Denn Mitte 2006 müssen die neuen nationalen Allokationspläne
der Europäischen Kommission vorgelegt werden. Welche Erfahrungen bei der Zuteilung bisher gemacht wurden und wo
nachgebessert werden sollte, beleuchteten Dr. Felix Ch. Matthes und Martin Cames, Energie-Experten im Berliner Büro des
Öko-Instituts e.V., jetzt mit weiteren Fachleuten bei den Berliner Energietagen Anfang Mai. Ihre wesentlichen
Verbesserungsvorschläge: Die Anlagendefinition sollte EU-weit vereinheitlicht, die erst kurz vor der Verabschiedung des
Allokationsplans eingeführte Optionsregelung abgeschafft und die Zahl der Sonderregelungen, die zu insgesamt 58
unterschiedlichen Kombinationen der Zuteilungsregeln geführt hat, reduziert werden.
Das EU-weite Emissionshandelssystem auf Unternehmensebene ist ein zentrales Instrument, um die
Treibhausgas-Reduktionsverpflichtungen der EU zu erfüllen, die diese im Rahmen des Kyoto-Protokolls eingegangen ist.
Das System sieht für jedes EU-Land absolute Obergrenzen, „caps“, für die Treibhausgasemissionen vor. Das
cap für Deutschland in der ersten Handelsphase, der Pilotphase von 2005 bis 2007, beträgt 499 Millionen Tonnen
CO2-Äquivalente pro Jahr. Eine Tonne entspricht dabei einem Emissionsrecht. Für die erste Phase bedeutet das
eine absolute Minderung der deutschen Treibhausgas-Emissionen um 0,4 Prozent gegenüber der Basisperiode 2000 bis 2002
oder um zwei Millionen Tonnen jährlich.
Der nationale Allokationsplan ist das Kernstück des Emissionshandels. Mit ihm werden die Emissionsrechte auf die
einzelnen Anlagen der Energiewirtschaft und der energieintensiven Industrie zugeteilt. In der Pilotphase unterliegen in
Deutschland 1849 Anlagen dem Emissionshandel. Anlagen, mit einer Kapazität von weniger als 20 Megawatt, sind
ausgenommen. Wenn Unternehmen ihre zugeteilten Emissionsrechte nicht ausschöpfen, können sie die überschüssigen
Zertifikate an Firmen verkaufen, deren Anlagen ihre Emissionsminderung nicht erreicht haben. Für die Pilotphase werden
die Emissionsrechte in Deutschland kostenlos zugeteilt.
Für bestehende Anlagen wird das so genannte Grandfathering-Prinzip angewendet. Die Zuteilung erfolgt auf Basis
historischer Emissionen. Für die Ermittlung der Emissionsrechte der jeweiligen Anlage in der Pilotphase werden die
durchschnittlichen CO2-Emissionen der Basisperiode 2000 bis 2002 mit einem einheitlichen Erfüllungsfaktor
von 0,9709 multipliziert. Neuanlagen erhalten ihre Zertifikate dagegen nach dem Benchmarkverfahren. Die Benchmarks
werden für Produktgruppen gebildet und orientieren sich an den klimaschonendsten verfügbaren Technologien. Die
Unternehmen, die mit der besten Technik arbeiten, können mit den ihnen zugeteilten Emissionsrechten ihren Bedarf meist
decken. Unternehmen, die dasselbe Produkt herstellen, aber eine schlechtere Technik einsetzen, erhalten entsprechend
weniger Zertifikate.
„Um das angestrebte Reduktionsziel zu erreichen, sind beide Systeme gleich gut“, sagt Martin Cames. Kritik
übt er an der kurzfristig in das Gesetz eingebrachten Optionsregelung: Diese Sonderregel bringt aus Umweltsicht keinen
Nutzen, hat aber bei vielen Unternehmen für Unmut gesorgt. Sie macht die Zuteilung undurchsichtig und
unvorhersehbar.“ Die Optionsregelung ermöglicht Betreibern von bestehenden Anlagen, eine Zuteilung der
Emissionsrechte wie eine Neuanlage nach dem Benchmarkverfahren anstatt nach dem Grandfathering-Prinzip für
Bestandsanlagen zu beantragen. Interessant ist das zum Beispiel für solche Unternehmen, die in der Basisperiode
geringer ausgelastet waren, als sie es voraussichtlich in der Pilotphase sein werden. Denn in diesem Fall können sie
nach dem Benchmarkverfahren mehr CO2-Emissionen beantragen, als nach dem Grandfathering-Prinzip. Die
Zuteilung nach Benchmarks ist zwar strenger, die Unternehmen unterliegen dann aber keinem Erfüllungsfaktor und werden
nach der erwarteten Auslastung beurteilt. Unterm Strich erhalten sie in der Regel über Benchmarks mehr kostenlose
Emissionsrechte als über Grandfathering, selbst wenn sie nicht die umweltfreundlichste verfügbare Technologie
einsetzen.
Für viele Unternehmen war es aber sehr schwierig abzuschätzen, welches Zuteilungssystem für sie das bessere ist, weil
die Zuteilung der Emissionsrechte wegen der Optionsregel abhängig war von der – nicht vorhersehbaren –
Entscheidung konkurrierender Unternehmen. Denn überschreitet die Summe der zugeteilten Emissionsrechte das
vorgeschriebene cap, kommt ein zweiter Erfüllungsfaktor zum Tragen. Allen Unternehmen, bei denen per Gesetz gekürzt
werden darf, wird ein einheitlicher Prozentsatz der Emissionsrechte wieder abgezogen. Je mehr bestehende Unternehmen
sich für das Benchmarkverfahren entscheiden, desto größer werden die Kürzungen durch den zweiten Erfüllungsfaktor bei
allen Unternehmen, die dem Erfüllungsfaktor unterliegen.
Martin Cames fordert daher, die Optionsregelung wieder zu streichen. Auch deshalb, weil die Anzahl der
Sonderregelungen, die zu insgesamt 58 Kombinationen der Berechnungsformeln geführt hat, reduziert werden sollte: Die
Zuteilung ist insgesamt zu kompliziert. „Je mehr Sonderregeln angewendet werden können, desto größer wird das
Zuteilungsproblem. Wenn am Ende zwei Drittel der Unternehmen Ausnahmen in Anspruch nehmen können, wird die Last, die
das übrige Drittel zu tragen hat, immer größer.“, sagt Cames.
Die Wissenschaftler fordern außerdem, dass die Definition für Anlagen europaweit einheitlich sein und dass der
Anlagenschwellenwert nicht nur über die Leistungsgrenze definiert werden sollte. Das Problem: Dadurch werden auch
Anlagen vom Handel erfasst, deren jährliche Emissionen sehr gering sind. In Deutschland haben zum Beispiel 31 Prozent
der Anlagen zusammen nur 0,55 Prozent der Zuteilung bekommen, in den Niederlanden kommen 24 Prozent der Anlagen auf 0,9
Prozent der Emissionen. Hier steht der bürokratische und finanzielle Aufwand für das Monitoring auf Unternehmensseite
in keinem Verhältnis zu der Umweltbelastung. „Ziel einer EU-weiten Anlagendefinition sollte sein, nur die Anlagen
zu erfassen, die wirklich hohe Treibhausgasemissionen verursachen“, bringt es Cames auf den Punkt.
kk
Weitere Informationen finden Sie unter www.oeko.de/bet_2005 und www.oeko.de/dokumente/schwerpunkt_01.pdf. Die Gesetzestexte können Sie hier nachlesen.
Ansprechpartner:
Martin Cames
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
Bereich Energie & Klimaschutz
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Wie grün wird die Fußball-WM 2006?
Zwischenbilanz „Green Goal™“: Umwelt profitiert beim Stadionbetrieb
Der Countdown läuft: In rund zwölf Monaten startet die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006TM in Deutschland und das
Land will sich auch in Sachen Umwelt vorbildlich präsentieren. Gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium, der Deutschen
Bundesstiftung Umwelt und dem Öko-Institut e.V. hat das Organisationskomitee der Weltmeisterschaft daher "Green
Goal™" entwickelt, das erste Umweltkonzept für eine Fußballwelt- oder Europameisterschaft. Ebenfalls ein
Novum: Mit Green Goal™ werden auch zum ersten Mal messbare Umweltziele für eine Sportgroßveranstaltung definiert.
Doch was hat sich seit der öffentlichen Präsentation des Konzepts im März 2003 getan? Zeit für eine Zwischenbilanz.
Zu den 64 Spielen der FIFA WM 2006™ werden über 3,2 Millionen Zuschauer erwartet. Hinzu kommen mehr als 15.000
Journalisten, rund 1.500 Repräsentanten der FIFA und zahlreiche freiwillige Helfer und Servicekräfte. Das bedeutet ein
erhebliches Verkehrsaufkommen, einen hohen Strom- und Wasserbedarf und viel Abfall, der entsorgt werden muss. Mit Green
GoalTM hat sich das Organisationskomitee (OK) daher folgende Ziele gesetzt: Ein Teil des Energiebedarfs soll aus
erneuerbaren Energien gedeckt werden. Durch den effizienten Energieeinsatz soll der Energieverbrauch der Stadien um 20
Prozent sinken. Der Verkehr soll umweltfreundlich und effizient gestaltet werden und 50 Prozent aller Besucher bei der
Anreise zu den Spielen den öffentlichen Personennahverkehr nutzen. Die Abfallmenge soll um 20 Prozent sinken und
unvermeidbarer Abfall umweltgerecht verwertet werden. Zur Schonung der Trinkwasserressourcen sollen die WM-Stadien
ihren derzeitigen Frischwasserverbrauch um 20 Prozent reduzieren.
„Durch diese Zielsetzung haben die Verantwortlichen gerade beim Bau und Betrieb der Fußballarenen etliche grüne
Tore geschossen“, sagt Dr. Hartmut Stahl, Green-Goal-Experte am Öko-Institut. Zu den Umweltmaßnahmen gehören
Einen vollständigen Überblick über Umweltmaßnahmen an den Austragungsorten erhalten Sie hier.
Eine weitere Besonderheit ist die Einführung des Kombi-Tickets. Erstmals können die Zuschauer in allen WM-Städten mit
ihrer Eintrittskarte am gesamten Spieltag kostenlos die öffentlichen Nahverkehrsmittel nutzen. Das Kombi-Ticket stellt
ein Novum für Fußballwelt- und Europameisterschaften dar: Bisher gab es den Service nur bei Bundesliga- und
Länderspielen und nur mit kürzerer Geltungsdauer.
Um die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel so bequem wie möglich zu machen, wird ein Wegweisersystem für den
öffentlichen Nahverkehr entwickelt. Zur FIFA WM 2006™ wird dann ein in allen Austragungsstätten einheitliches
Beschilderungssystem die Zuschauer von Flughäfen, Bahnhöfen oder Park & Ride-Parkplätzen mit öffentlichen
Verkehrsmitteln zum Stadion führen.
Das OK hat für die Fans auch ein Internet-Reisezentrum eingerichtet. Dort
gibt es bereits jetzt für alle Besucher umfassende Anreise-Informationen zum öffentlichen Nahverkehr und der Deutschen
Bahn. Spezielle Berücksichtigung finden dabei die Strecken zwischen den Stadien und wichtigen Verkehrsknoten wie zum
Beispiel den Hauptbahnhöfen. Auf diesen Internetseiten finden sich einige Wochen vor dem Turnierbeginn auch genaue
Anfahrtsbeschreibungen zu Park & Ride-Parkplätzen. Damit soll erreicht werden, dass Zuschauer, die mit dem Auto
anreisen, möglichst frühzeitig auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen.
Ein weiterer wichtiger Schritt für die umweltfreundliche Anreise zu den Stadien sind zusätzliche, attraktive Angebote
der Deutschen Bahn AG als nationaler Förderer der FIFA WM 2006™ für die Offiziellen und Fußballfans aus aller
Welt. Schon für den FIFA Confederations Cup im Juni macht die Deutsche Bahn ein besonderes Angebot. Die Eintrittskarte
zu den Spielen berechtigt dann zum Kauf eines Bahnfahrscheines zu den Konditionen einer BahnCard 25. Während der
Weltmeisterschaft erhalten rund 6.000 Journalisten mit ihrer WM-Akkreditierung die Berechtigung, sechs Wochen lang auf
dem gesamten Nah- und Fernverkehrsnetz der Deutschen Bahn kostenlos zu reisen.
Trotz der genannten Umweltmaßnahmen sind durch den Energieverbrauch und den deutschlandweiten Verkehr schädliche
Auswirkungen auf das Klima zu erwarten. Das OK und seine Partner haben sich deshalb darüber hinaus zum Ziel gesetzt,
diese nicht zu vermeidenden Emissionen durch Förderung des Klimaschutzes an anderer Stelle auszugleichen. Die FIFA WM
2006™ soll daher erstmalig klimaneutral ausgerichtet werden. Dazu müssen etwa 100.000 Tonnen
Treibhausgasemissionen ausgeglichen werden. Dafür planen das OK und seine Partner, Klimaschutzprojekte vorrangig in
Schwellen- und Entwicklungsländern zu unterstützen. kk
Seit April hat Green Goal™ eine eigene Internetseite.
Ansprechpartner:
Dr. Hartmut Stahl
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Bereich Infrastruktur & Unternehmen
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Direktmarketing für den Stadtbus Offenburg
ÖPNV-Begrüßungspaket und Schnupperticket für Neubürger
Die Stadt Offenburg am Rande des Schwarzwalds hat sich ein Ziel gesetzt: Zehn Prozent aller Wege sollen die rund 55.000
Einwohner im innerstädtischen Verkehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen. Dazu setzte die Stadt auf eine
Strategie, die zwei Dinge gleichermaßen berücksichtigt: Attraktiver Ausbau des Stadtbusverkehrs einerseits,
ausgeklügeltes Marketing andererseits. Mit der Konzeption und Umsetzung einer Marketingstrategie beauftragte Offenburg
das Öko-Institut e.V.. Für ihre Bemühungen wurde die Stadt jetzt belohnt. Offenburg belegte den dritten Platz beim
Innovationspreis ÖPNV, den das baden-württembergische Umwelt- und Verkehrsministerium anlässlich des zweiten
baden-württembergischen ÖPNV-Innovationskongress erstmals verliehen hat.
Um den Busverkehr als eigenständiges städtisches Verkehrsangebot zu etablieren, schuf Offenburg die Marke
„Schlüsselbus“ für den Stadtbusverkehr. Die Stadt setzte neue Buslinien ein, vertaktete sie und baute den
zentralen Rendezvousknoten am Bahnhof aus. Ziel einer begleitenden Marketingkampagne war es, parallel das neue Angebot
bekannter zu machen, das Image des Stadtbusverkehrs zu verbessern und neue Zielgruppen zu erschließen. Anfang 2002
entwickelte das Öko-Institut dazu ein Konzept. Es konzentriert sich unter anderem gezielt auf Neubürger.
„Wer neu in einer Stadt ist, muss seine Mobilitätsgewohnheiten überdenken und sich neu orientieren. In so einer
Phase können Menschen dann möglicherweise leichter dazu angeregt werden, ein neues Verkehrsangebot zu nutzen“,
erklärt Projektleiter Willi Loose, Verkehrsexperte im Freiburger Büro des Öko-Instituts. Zum Beispiel mit einem
freundlichen Willkommensgruß. Kern des Marketingkonzepts ist im Sinne des Direktmarketings ein ÖPNV-Begrüßungspaket,
das jeder nach Offenburg Zugezogene automatisch zugesendet bekommt. Das Paket umfasst nicht nur nützliche
Informationen. Auf Wunsch erhält jeder Neubürgerhaushalt auch kostenlos ein zwei Monate gültiges, übertragbares
Schnupperticket für den Stadtbusverkehr. Diese Form der Kundenwerbung ist aus zwei Gründen besonders effektiv: Zum
einen muss der Kunde nicht wie sonst üblich den ersten Schritt machen, um sich über Angebote öffentlicher
Verkehrsmittel zu informieren. Zum anderen wird er zu einem günstigen Zeitpunkt auf das Angebot aufmerksam gemacht.
Im Auftrag der Technischen Betriebe Offenburg testete das Öko-Institut dieses Konzept in der Praxis. Von Oktober 2002
bis Ende 2003 versendete das Öko-Institut rund 2.000 Neubürger-Begrüßungspakete und zusätzlich 326 Schnuppertickets an
interessierte Neubürger-Haushalte. Alle Haushalte, die ein Schnupperticket bekommen hatten, wurden abschließend mit
einem Fragebogen zu der Aktion interviewt. Die Befragung hatte einen Rücklauf von 29 Prozent. Die Wissenschaftler
befragten auch Neubürger, die vor Start der Aktion nach Offenburg gezogen sind und kein Begrüßungspaket erhalten
hatten. Diese Gruppe diente als Vergleichsgruppe.
Im Ergebnis wurden die Erwartungen an die Schnupperticket-Aktion voll und ganz erfüllt. Die Befragten stuften den nicht
erwarteten Willkommensgruß und das Interesse der Stadt an ihren neuen Mitbürgern eindeutig positiv ein. Die
Schnupperticketgruppe lernte im Durchschnitt den ÖPNV in Offenburg besser kennen als die Vergleichsgruppe. Teilnehmer
des Schnupperangebots nutzten im Vergleich zur Kontrollgruppe Stadt- und Regionalbusse in Offenburg 17 Prozentpunkte
häufiger als an ihrem früheren Wohnort. Auch die positiven Wertungen des Busfahrens am neuen Wohnort werden in der
Schnupperticketgruppe mit 13 Prozentpunkten besser bewertet als in der Kontrollgruppe. Nach Auslaufen der
Schnuppertickets war knapp die Hälfte der Schnupperticketgruppe im Besitz eines gültigen Zeitfahrausweises oder einer
Punktekarte für den öffentlichen Verkehr.
Offenburg hat sich dazu entschieden, das ÖPNV-Begrüßungspaket über die Testphase hinaus an Neubürger zu versenden.
Dabei hat die Stadt die Aktion in einzelnen Punkten bereits verbessert, die durch die Befragung offenkundig geworden
waren. Den vollständigen Projektbericht können Sie hier nachlesen. kk
Ansprechpartner:
Willi Loose
Öko-Institut e.V., Büro Freiburg
Arbeitsfeld Verkehr
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Röntgenstrahlung bei zahnärztlichen Untersuchungen
Welcher Strahlenexposition sind Patienten ausgesetzt? / Neue Studie des Öko-Instituts
Jeder hat es schon erlebt. Der Zahn schmerzt und die Diagnose muss mit einer Röntgenuntersuchung gestellt werden. Doch
wie hoch ist dabei die Strahlenbelastung der Patienten? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Öko-Institut e.V. im
Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz jetzt in einer neuen Studie. Kooperationspartner ist die Arbeitsgruppe
Medizinische Strahlenphysik des Pius-Hospitals und der Universität Oldenburg.
Nach der Röntgenverordnung ist das Bundesamt für Strahlenschutz dazu verpflichtet, so genannte Dosisreferenzwerte für
medizinische Röntgenuntersuchungen zu veröffentlichen. Die Röntgenverordnung folgt dabei einer Empfehlung der
internationalen Strahlenschutzkommission ICRP. Die amtlichen Dosisreferenzwerte sind eine Art Richtwert für
Röntgenuntersuchungen. Bei guter üblicher Praxis der Röntgenaufnahmen sollten die amtlichen Dosisreferenzwerte im
Mittel der Untersuchungen nicht überschritten werden. Geschieht dies regelmäßig doch, so sind die zuständigen Behörden
aufgefordert, die Röntgenuntersuchungen vor Ort näher zu prüfen und zu optimieren, beispielsweise indem die
Einstellungen der Geräte verbessert oder veraltete Geräte ersetzt werden.
„Für zahnmedizinische Röntgenuntersuchungen fehlen solche Referenzwerte bisher allerdings. Aus den Ergebnissen
unserer Studie kann das Bundesamt für Strahlenschutz sie dann ableiten und veröffentlichen“, sagt Mathias Sering,
wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Nukleartechnik & Anlagensicherheit im Darmstädter Büro des Öko-Instituts,
„Wir betreiben also Grundlagenforschung.“ Das Projekt umfasst mehrere Teilaufgaben und wird für
verschiedene Untersuchungsarten separat umgesetzt: intraorale Aufnahmen, Panorama-Schichtaufnahmen,
Schädel-Fernaufnahmen, Dental-Computertomographie und digitale Volumentomographie.
In einem ersten Arbeitsschritt ermitteln die WissenschaftlerInnen, welche Messgrößen relevant sind, um die
Strahlenexposition zu bewerten. Dazu wird die entstehende Strahlenexposition bei typischen Einstell- und Messgrößen der
Röntgengeräte in Referenzanlagen gemessen. Bei diesen Messungen wird das Phantom eines menschlichen Kopfes – mit
Messgeräten gespickt – in den Anlagen geröntgt. Es wird also nicht nur die Dosis für die Zähne gemessen, sondern
zum Beispiel auch für die Augenlinse, die Ohrspeichel- oder die Schilddrüse. Die Messungen werden mit vielen
verschiedenen Einstellungen der Geräte vorgenommen. Nach Auswertung der Ergebnisse kann dann festgestellt werden,
welche Einstellung der Geräte jeweils zu welcher Strahlenexposition führen. Diese Messungen nimmt der
Kooperationspartner des Öko-Instituts, die Arbeitsgruppe Medizinische Strahlenphysik des Pius-Hospitals und der
Universität Oldenburg AG vor, die über entsprechende technische Einrichtungen und umfangreiche praktische Erfahrung
verfügt.
Im zweiten Schritt wird Datenmaterial direkt vor Ort in den Zahnarztpraxen erhoben. Die WissenschaftlerInnen erfassen
dabei die Einstellungen der Geräte, mit denen bei den verschiedenen Untersuchungsarten jeweils geröntgt wird. Werden
die Ergebnisse der Messungen am Phantom mit den Ergebnissen aus der Abfrage bei den Zahnärzte abgeglichen, so kann die
in der Praxis auftretende Strahlenexposition am Patienten ermittelt werden. Darüber hinaus werden die Daten weiter
statistisch ausgewertet, um unter anderem eine Aussage über die Streuung der tatsächlichen Strahlenexposition für die
jeweiligen Untersuchungsarten zu treffen. Das Projekt ist auf zwei Jahre angelegt und wird voraussichtlich im August
2006 abgeschlossen. ms/kk
Ansprechpartner:
Mathias Sering
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Bereich Nukleartechnik & Anlagensicherheit
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Buchtipp: Umweltfreundliche öffentliche Beschaffung
Innovationspotenziale, Hemmnisse, Strategien
Von Papier über Busse bis zu Strom reicht der Bedarf deutscher Verwaltungen. Der Einkauf von Kommunen, Städten und
Ministerien macht rund zwölf Prozent des deutschen Bruttoinlandprodukts aus. Welche Entlastungseffekte können durch
einen Einkauf der öffentlichen Hand nach Umweltschutzkriterien erreicht werden? Was sind reale und wahrgenommene
Hemmnisse für eine ökologische öffentliche Beschaffung? Diesen und weiteren Fragen hat sich das Verbundprojekt
„Potenziale Nachhaltiger Beschaffung und Instrumente zu ihrer Umsetzung (NaBesI)“ der TU Dresden, des
Öko-Instituts e.V. und des ICLEI Europasekretariats gewidmet. Die Ergebnisse sind jetzt als Buch veröffentlicht.
Gut 20 Jahre nach dem Erscheinen erster Leitfäden zum Thema umweltfreundliche Beschaffung wird eine kritische
Zwischenbilanz zu deren Erfolgen gezogen. Umfangreiche Analysen zur Beschaffungspraxis, den Reaktionen des Marktes und
den Verbesserungspotenzialen bilden die Basis der Untersuchung. Eine umfassende Darstellung der zulässigen
Umweltanforderungen in deutschem, europäischem und internationalem Recht zeigt die Vereinbarkeit von Umweltpolitik und
Beschaffungsrecht. Berechnungen zum erreichbaren Umweltentlastungspotenzial verdeutlichen, dass Verwaltungen viel mehr
als nur symbolischen Einfluss haben. Dem oft zähen Alltag bei der Umsetzung umweltfreundlicher Beschaffung in der
Verwaltung setzt das Buch ein Analyseinstrument zur Selbstevaluation der Hemmnisse entgegen.
Lesen Sie dazu auch den Beitrag „Ökologische Beschaffung kann die Umwelt erheblich entlasten“ in der Rubrik
ÖkoAktuell im Newsletter 04/04 unter www.oeko.de/newsarchiv.htm kk
Umweltfreundliche öffentlich Beschaffung. Innovationen, Hemmnisse, Strategien. Herausgeber Regine Barth, Christoph
Erdmenger & Edeltraud Günther. Erschienen in der Reihe Nachhaltigkeit und Innovation. Physica-Verlag Springer 2005.
400 Seiten. 66,95 Euro.
Ansprechpartnerin:
Regine Barth
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Koordinatorin des Bereichs Umweltrecht
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Auf dem Weg zur Agrarwende
Neue Broschüre: „So schmeckt die Zukunft“
Seit der BSE-Krise vor rund fünf Jahren hat die Bundesregierung einen Richtungswechsel in der deutschen Agrarpolitik
eingeleitet. Kernstück ist die Förderung des ökologischen Landbaus und der sozial-ökologischen Agrar- und
Ernährungsforschung mit den zentralen Fragen: Wie lässt sich das alltägliche Ernährungsverhalten der Menschen
beeinflussen? Was kann getan werden, um die Landbewirtschaftung und die Esskultur in unserer Gesellschaft nachhaltiger
als bisher zu gestalten und zukunftsfähig zu machen? Die Broschüre „So schmeckt die Zukunft“ des
Bundesministeriums für Bildung und Forschung stellt die bislang sieben Projekte zu Ernährung und Landwirtschaft vor,
die im Rahmen des Förderprogramms „Sozial-ökologische Forschung“ unterstützt werden, darunter auch das
Verbundprojekt „Ernährungswende“ unter Leitung des Öko-Instituts e.V., sowie das Verbundprojekt
„Agrobiodiversität entwickeln!“, in dem das Öko-Institut kooperiert.
Allen Projekten ist gemeinsam, dass sie sowohl die sozialen und wirtschaftlichen als auch die ökologischen Aspekte
ihres Untersuchungsgegenstandes betrachten. Die Themen reichen von nachhaltiger Ernährung im Alltag und Esskultur als
Teil der regionalen Identität über die Bedeutung der Vielfalt von Nutztieren und Kulturpflanzen und die Umsetzung der
„Agrarwende“ bis hin zum notwendigen gemeinsamen Diskurs mit den Betroffenen, um Probleme der Reformpolitik
gemeinsam zu lösen. Mit frischen Ideen aus der Wissenschaft will die Broschüre dazu ermutigen, den Lebens- und
Ernährungsalltag genüsslich zu verändern, Geschäftsideen zu verwirklichen und dabei die Umwelt zu schonen.
Die Broschüre steht als kostenloser Download im Internet unter www.bmbf.de/pub/so_schmeckt_die_zukunft.pdf
zur Verfügung und ist gedruckt kostenlos erhältlich beim Bundesministerium für Bildung und Forschung, Referat
Publikationen, 11055 Berlin, Telefon 01805/262302, Telefax: 01805/262303, E-Mail books@bmbf.bund.de. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.sozial-oekologische-forschung.org, www.ernaehrungswende.de und www.agrobiodiversitaet.net . Dort finden Sie jetzt auch
den vollständigen Projektbericht „Agrobiodiversität entwickeln!“. kk
Ansprechtpartnerinnen:
Für das Projekt Ernährungswende:
Projektleiterin Dr. Ulrike Eberle
Öko-Institut e.V.
Bereich Produkte & Stoffströme
Für das Projekt „Agrobiodiversität entwickeln!“
Franziska Wolff
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
Bereich Umweltrecht
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Interview: Land sollte Förderschwerpunkt bei Biomasse-Kraftwerken setzen
Erwartungen an Günther Oettinger / Ludwigsburger Zeitung spricht mit Dierk Bauknecht
Seit April wird Baden-Württemberg von dem neuen Ministerpräsidenten Günther Oettinger regiert. Welche Erwartungen an
ihn beim Thema Energiepolitik gestellt werden, wo die größten Defizite der vorherigen Landesregierung lagen und wohin
sich das Land langfristig energiepolitisch orientieren sollte, darüber sprach die Ludwigsburger Kreiszeitung mit Dierk
Bauknecht, Energie-Experte im Freiburger Büro des Öko-Instituts e.V..
Das vollständige Interview in der Ludwigsburger Kreiszeitung vom 12. April 2005 lesen Sie hier. Lesen Sie außerdem zu diesem Thema den Beitrag
„Baden-Württemberg: Längere Laufzeit der Kernkraftwerke ist keine Lösung“ im Newsletter 02/05 unter der
Rubrik ÖkoKompakt auf www.oeko.de/newsarchiv.htm.
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Appetit auf Schule
Fachtagung: Wege zu einer Ernährungswende in der schulischen Praxis
Ein Schokoriegel in der großen Pause? Pommes mit Ketchup? Oder doch lieber Vollwertmensa? Der Ausbau von
Ganztagsschulen – und damit die Notwendigkeit eines Mittagstischs an Schulen – stellt Schulträger und
Schulen vor neue Herausforderungen. Wie der Einstieg in eine Ernährungswende an Schulen machbar ist, möchte das
Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) auf der Tagung „Appetit auf Schule“ am Montag, 20. Juni
im Umweltforum Berlin gemeinsam mit Entscheidungsträgern aus Politik und Schule, WissenschaftlerInnen,
ElternvertreterInnen und Anbietern von Gemeinschaftsverpflegung diskutieren. In Vorträgen, Arbeitsgruppen und
Talkrunden werden Voraussetzungen und Ziele, aber auch die Umsetzbarkeit und Finanzierung eines gesunden Mittagessens
an Schulen erörtert. Den Hintergrund der Tagung bilden Leitlinien für eine Ernährungswende in der Schule, die erstmals
öffentlich vorgestellt werden. Die Leitlinien sind ein Ergebnis des Verbund-Forschungsprojektes „Ernährungswende“.
„Ernährungswende“ ist ein Gemeinschaftsprojekt des Forschungsverbundes Ökoforum unter der Leitung des
Öko-Instituts e.V., an dem das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE), das Institut für ökologische
Wirtschaftsforschung, das KATALYSE-Institut für angewandte Umweltforschung und das Österreichische Ökologie Institut
für angewandte Umweltforschung beteiligt sind. Das Forschungsvorhaben wird durch das Bundesministerium für Bildung und
Forschung (BMBF) im Förderschwerpunkt „Sozial-ökologische Forschung“ gefördert.
Das ausführliche Programm zur Tagung lesen Sie hier. Veranstaltungsort ist das
Umweltforum Berlin, Pufendorfstr. 11. Anmeldungen nimmt Claudia Nikschtat , IÖW, Potsdamer Str. 105, 10785 Berlin per
Telefon unter 030/884 59 4-16, per Fax an 030/882 54-39 oder per E-Mail an kommunikation@ioew.de entgegen.
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Wer braucht die Grüne Gentechnik?
Globale Auseinandersetzungen über die Zukunft der Welternährung
Die Sicherung der Welternährung ist eine der größten Herausforderungen für die Menschheit. Wie groß der Anteil der
Grünen Gentechnik an der Lösung dieses Problems sein kann, ist jedoch umstritten. Ungeachtet dieser Debatte wird für
das Jahr 2004 eine Anbaufläche für gentechnisch veränderter Pflanzen von 81 Millionen Hektar in 17 Staaten der Erde
gemeldet. Die gesetzliche Regulierung der Nutzung der Gentechnik wurde in vielen Ländern begonnen. Dabei ist es jedoch
von besonderer Bedeutung, dass auch der grenzüberschreitende Verkehr gentechnisch veränderter Pflanzen geregelt wird.
Welche Aspekte müssen bei einer Regulierung der Gentechnik-Nutzung im globalen Maßstab besonders berücksichtigt werden?
Mit dieser Frage beschäftigt sich die dreitägige Fachtagung „Wer braucht die Grüne Gentechnik? – Globale
Auseinandersetzungen über die Zukunft der Welternährung“ von Montag, 27. Juni bis Mittwoch, 29. Juni in
Iserlohn.
Im Rahmen der Tagung spricht Ruth Brauner, Koordinatorin des Bereichs Biodiversität, Ernährung & Landwirtschaft im
Freiburger Büro des Öko-Instituts e.V. zum Thema „Koexistenz im Anbau?“. Veranstalter sind der Evangelische
Entwicklungsdienst, das Forum Umwelt und Entwicklung, die EKD-Kammer für Nachhaltige Entwicklung und das Institut für
Kirche und Gesellschaft. Veranstaltungsort ist das Haus Ortlohn, Berliner Platz 12, 58638 Iserlohn. Anmeldungen nimmt
Margrit Püster, Berliner Platz 12, 58638 Iserlohn unter Telefon 02371/352-187, per Fax unter 02371/352-169 oder per
E-Mail an m.puester@kircheundgesellschaft.de entgegen.
Weiter Informationen finden Sie hier. Das vollständige Programm
lesen Sie hier.
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I M P R E S S U M
Herausgeber
Öko-Institut e.V.
Institut für angewandte Ökologie
Redaktion
Referat Öffentlichkeit & Kommunikation
Christiane Rathmann
Katja Kukatz
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