14.12.2005
Stromkennzeichnung: Vermeintliche Transparenz
Öko-Institut kritisiert: Folgen die Stromversorger den Vorschlägen der Stromwirtschaft, wird der Energiemix
falsch berechnet
Atom, Gas,
Kohle, erneuerbare Energien – wie sieht der Strommix aus, mit dem wir beliefert werden? Und welche
Umweltbelastungen sind damit verbunden? Darüber wird die nächste Stromrechnung jetzt informieren. Denn ab morgen,
15. Dezember, gilt die neue Stromkennzeichnungspflicht. „Mit dieser neuen Transparenz könnte die Nachfrage
nach umweltfreundlich erzeugtem Strom steigen“, sagt Christof Timpe, Energieexperte am Öko-Institut e.V..
Doch was in der Theorie zu begrüßen ist, hakt in der praktischen Umsetzung. „Folgen die Versorger den
Vorschlägen der Stromwirtschaft, werden die Anteile der verschiedenen Energieträger im Strommix systematisch
falsch berechnet“, kritisiert Timpe. Die Folge: Die Bilanz für erneuerbare Energien fällt zu positiv aus,
Anteile aus Atom- und Kohlekraftwerken fallen unter den Tisch. „Wer auf Nummer sicher gehen will, wählt
zertifizierten Ökostrom mit dem „ok-power-Label“ oder dem „Grüner Strom Label in Gold“,
rät Timpe daher.
Die Stromkennzeichnung wurde in Deutschland durch das Energiewirtschaftsgesetz eingeführt, das im Juli 2005 in
Kraft getreten ist. Grundlage der deutschen Vorschriften ist eine EU-Richtlinie aus dem Jahr 2003. Alle Versorger
sind dazu verpflichtet, ihren Kunden Mitte Dezember 2005 erstmals die Energieträger zu benennen, aus denen der
gelieferte Strom stammt. Zugleich müssen mindestens die Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid und der Anfall
radioaktiver Abfälle angegeben werden. Ziel dieser Regelung ist es, dass Stromkunden ihren Versorger nicht nur
anhand des Strompreises, sondern auch aufgrund der Herkunft des Stromes auswählen können.
Das Öko-Institut hat die Einführung der Kennzeichnung in verschiedenen Forschungsprojekten begleitet und arbeitet
derzeit daran, das Verfahren weiter zu verbessern. „Die Kennzeichnung ist eine wichtige Ergänzung für den
Stromwettbewerb“, sagt Christof Timpe, Koordinator des Forschungsbereichs Energie & Klimaschutz am
Öko-Institut. „Wir wissen, dass viele private, öffentliche und gewerbliche Verbraucher gerne Strom aus
umweltfreundlicher Erzeugung beziehen wollen, insbesondere aus erneuerbaren Energien.“ Wer dann schwarz auf
weiß liest, wie der Strommix hinter der Steckdose aussieht und auf der Stromrechnung diese Informationen direkt
mit den Durchschnittsdaten der deutschen Stromerzeugung vergleichen kann, wird für die ökologischen Probleme der
Stromversorgung sensibilisiert, ist Timpe überzeugt. Dadurch verbessern sich auch die Marktchancen für
Ökostrom-Anbieter.
Auf Kritik des Instituts stößt dagegen der vom VDEW, dem Verband der Stromwirtschaft, herausgegebene Leitfaden,
wie die Kennzeichnung umgesetzt werden soll. Die meisten Stromversorger wollen die Chance, die in der
Kennzeichnung liegt, noch nicht nutzen, kritisiert Timpe. „Am gravierendsten ist, dass die Stromwirtschaft
ein Verfahren für die Bilanzierung der Strommengen einführen will, das zu systematischen Fehlern führt,“
erklärt er. So werde der Anteil der erneuerbaren Energien bei den meisten Versorgern zu hoch ausgewiesen. Auf der
anderen Seite fallen dagegen Anteile aus Atom- und Kohlekraftwerken unter den Tisch. Der Grund hierfür ist, dass
die Stromwirtschaft zwei Bilanzierungsverfahren kombinieren will.
Um zu berechnen, wie viel Prozent die verschiedenen Anteile an Energiequellen am Gesamtmix ausmachen, können
Stromversorger Daten aus zwei verschiedenen Quellen nutzen. Entweder lassen sie sich direkt von ihren Lieferanten
bescheinigen, aus welchen Kraftwerken der Strom stammt und wie viel Strom diese jeweils liefern. Oder aber sie
verwenden statistische Durchschnittswerte der gesamten Stromerzeugung, zum Beispiel für an der Strombörse EEX
gehandelten Strom. Nutzen die Stromversorger Daten aus beiden Quellen, muss die Rechnung korrigiert werden, damit
die Bilanz am Ende stimmt. Denn die bereits direkt bescheinigten Strommengen sind gleichzeitig auch in der
Statistik enthalten. Werden diese direkt bescheinigten Anteile nicht wieder aus den statistischen
Durchschnittswerten herausgerechnet, werden sie also doppelt gezählt. Diese Korrektur ist bisher aber nicht
vorgesehen. Die Stromversorger werden sich vor allem Strom aus erneuerbaren Energien direkt bescheinigen lassen.
Deshalb werden nach dem Vorschlag der Stromwirtschaft vor allem umweltfreundliche Stromquellen doppelt gezählt
und damit überbewertet. Außerdem soll anstelle der nationalen Statistik ein europäischer Durchschnittswert
verwendet werden, der einen deutlich höheren Anteil erneuerbarer Energien aufweist als die deutsche
Statistik.
Alle Stromversorger sind nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz verpflichtet, einen Anteil von derzeit etwa elf
Prozent ihres Stromabsatzes an Endkunden mit gesetzlich gefördertem Strom zum Beispiel aus Wind- oder Wasserkraft
zu decken. „Dieser Anteil muss nicht separat als Erfüllung einer gesetzlichen Verpflichtung ausgewiesen
werden,“ kritisiert Timpe. Deshalb können deutsche Stromversorger ihren Kunden je nach Anteil ihres
Strombezugs von der Börse zwischen elf und 24 Prozent regenerativen Strom ausweisen, selbst wenn sie gar keinen
Ökostrom aktiv eingekauft haben.
„Die Stromwirtschaft muss hier unbedingt nachbessern“, fordert der Experte. „Möglicherweise
muss sogar das Energiewirtschaftsgesetz geändert werden.“ Bis zu einem Drittel der Stromerzeugung aus
erneuerbaren Energien im europäischen Verbundnetz könnte doppelt gezählt werden, ist die Einschätzung des
Öko-Instituts. Deren Energieexperten arbeiten zur Zeit an einem Verfahren, mit dem diese Fehler deutlich
reduziert werden können.
Das Öko-Institut sieht aber noch weiteren Verbesserungsbedarf. So ist nirgendwo verbindlich festgelegt, wie die
Stromversorger die Daten zur Stromherkunft und deren Umweltbelastungen eigentlich darstellen sollen. Von Grafiken
über Diagramme bis hin zum einfachen Fließtext – geht es nach den Empfehlungen der Stromwirtschaft, ist
fast jede Darstellung möglich. Da wird ein Vergleich zwischen unterschiedlichen Stromanbietern unnötig schwer.
„Wer aus Sicht seiner Kunden ungünstige Informationen offen legen muss, darf diese im Kleingedruckten der
Stromrechnung verstecken,“ kritisiert Timpe. Nach seiner Meinung sollten die Daten stattdessen
kundenfreundlich in einem einheitlichen und leicht verständlichen Format präsentiert werden.
Umweltbewussten Stromkunden, die auf Nummer sicher gehen wollen, empfiehlt das Öko-Institut, Stromangebote zu
wählen, die mit dem Gütesiegel „ok-power“ oder dem „Grüner Strom Label in Gold“ ausgezeichnet
sind. Eine Übersicht über empfehlenswerte Angebote bietet die Verbraucherkampagne EcoTopTen im Internet unter dem
Produktfeld „Strom beziehen“. Dort gibt es auch Tipps zum Stromsparen. Denn alle sinnvollen
Einsparpotentiale zu nutzen, ist genauso wichtig, wie auf eine umweltfreundliche Stromproduktion zu setzen,
ergänzt Timpe. cr
Weitere Informationen zum Thema finden Sie im Internet unter
Ansprechpartner:
Christof Timpe
Veit Bürger
Öko-Institut e.V., Geschäftsstelle Freiburg
Forschungsbereich Energie & Klimaschutz
zurück zum Inhaltsverzeichnis
Emissionshandel: Nationale Allokationspläne auf dem Prüfstand
Öko-Institut sieht großen Nachbesserungsbedarf für die zweite Runde / Zu geringe Anreize für Unternehmen, ihre
Emissionen zu reduzieren
Der EU-weite Emissionshandel für Treibhausgase ist ein zentrales Element, um den Klimaschutz in Europa zum Erfolg
zu führen. Dieser hängt jedoch ganz entscheidend davon ab, wie die so genannten Nationalen Allokationspläne von
den Mitgliedsländern ausgestaltet werden. Erste praktische Erfahrungen werden aktuell in der laufenden Pilotphase
von 2005 bis 2007 gesammelt. Schon jetzt zeichnet sich ab: Werden die Nationalen Allokationspläne für die zweite
Phase des Emissionshandels von 2008 bis 2012 nicht stringenter ausgestaltet, werden die angestrebten
Kosteneinsparungen und auch die mittel- und langfristigen Klimaschutzziele verfehlt. Der Grund: Die Anreize für
Unternehmen, ihre Emissionen zu reduzieren, sind zu gering. Zu diesem Ergebnis kommen EnergieexpertInnen des
Öko-Instituts e.V. und europäische Kooperationspartner. Im Auftrag des WWF nahmen sie die Nationalen
Allokationspläne von sechs EU-Staaten unter die Lupe.
In der Theorie ist das Prinzip eines Emissionshandelssystems einfach. Kohlenstoffintensive Unternehmen erhalten
ein „Schadstoff-Budget“ und damit ein absolutes Limit für ihre Treibhausgasemissionen: Damit wird
festgelegt, wie viel klimaschädliches Kohlendioxid sie ausstoßen dürfen. Um einen Anreiz zu bieten, die
Emissionen zu reduzieren, liegt das Budget insgesamt niedriger als der Schadstoffausstoß. Damit die
Emissions-Obergrenze nicht überschritten wird, können die Unternehmen entweder ihre Anlagen technisch so
verbessern, dass die Kohlendioxid-Emissionen gesenkt werden. Oder aber sie stocken ihr Schadstoff-Budget durch
den Zukauf weiterer Emissionsrechte auf. Umgekehrt können Unternehmen, die weniger Schadstoffe ausstoßen als
ihnen Emissionsrechte zugeteilt wurden, diese überzähligen Emissionsrechte verkaufen. Im Emissionshandelssystem
wird Kohlendioxid also mit einem Preis versehen, der sich auf dem Markt bildet. Je höher die Emissionen, umso
größer ist der Anreiz, Anlagen mit geringeren Emissionen höher auszulasten oder in sauberere und effizientere
Technologien zu investieren. Kohlendioxid-Emissionen finden damit – wie die Kosten für Kapital, Brennstoffe
und Personal – Eingang in das betriebswirtschaftliche Kalkül der Anlagenbetreiber, der Verbrauch der
Ressource Umwelt ist nicht mehr kostenlos.
Doch wie sehen die Anreizwirkung und die ökonomische Effizienz des mit hohen Erwartungen verbundenen EU-Systems
in der aktuellen Pilotphase aus? Diese Frage ist unter anderem entscheidend davon abhängig, wie die
EU-Mitgliedsstaaten ihre Emissionsrechte auf die einzelnen Anlagen verteilen. Um sie zu beantworten, nahm das
Öko-Institut die nationalen Allokationspläne von sechs Ländern, Deutschland, Spanien, Polen, Italien,
Großbritannien und den Niederlanden, unter die Lupe. Diese Länder erhalten 68 Prozent der Emissionsrechte, die im
europäischen Emissionshandel vergeben werden.
Die WissenschaftlerInnen betrachteten dabei ausschließlich den Stromsektor, der 39 Prozent der gesamten
europäischen Kohlendioxid-Emissionen und die Mehrheit der vom Emissionshandel erfassten Emissionen verursacht.
Sie verglichen, wie die Emissionsrechte in den verschiedenen Ländern verteilt wurden und wie groß daraus der
Anreiz für Kraftwerksbetreiber wird, ihre Kraftwerke nach Umweltgesichtspunkten zu betreiben, alte Anlagen zu
ersetzen und künftig in kohlenstoffärmere, umwelteffizientere Technologien zu investieren. Dazu verglichen sie,
wie hoch die Emissionen für die Produktion einer Kilowattstunde Strom in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, in Kohle-
und in Gaskraftwerken sind und wie viele Emissionsrechte die Betreiber eines entsprechenden prototypischen
Kraftwerks pro Kilowattstunde produzierten Strom (kostenlos) erhalten. Wie viele Emissionsrechte müssen zugekauft
werden oder wie viele sind für den Verkauf verfügbar, wenn emissionsmindernde Maßnahmen ergriffen oder
unterlassen werden?
„Wäre das Emissionshandelsystem lehrbuchmäßig ausgestaltet, so sollte es beispielsweise für Betreiber eines
alten Kohlekraftwerks ökonomischer sein, künftig in neue umwelteffizientere Technologie zu investieren statt
weiter auf die veraltete Kohlekraftwerks-Technologie zu setzten“, erläutert Julia Repenning,
Energieexpertin im Berliner Büro des Öko-Instituts.
Der Hintergrund: In den nächsten zwanzig Jahren werden die meisten der sehr Kohlendioxid-intensiven
Kohlekraftwerke in Europa vom Netz gehen. Wenn diese Anlagen wieder durch Kohlekraftwerke ersetzt werden, würde
der Ausstoß an Kohlendioxid-Emissionen zwar sinken, für Jahrzehnte weiter hin sehr hoch bleiben. Die Alternative
wäre, in andere saubere und effizientere Technologien wie die Kraft-Wärme-Kopplung oder hoch effiziente
Erdgaskraftwerke zu investieren. Greift der Emissionshandel, so müssten sich für die Entscheidungen zu Gunsten
emissionsärmerer Kraftwerke auch finanzielle Vorteile aus dem Emissionshandel ergeben.
„Doch wir haben festgestellt, dass diese Rechnung beim Vergleich der Stromerzeugung aus verschiedenen
Kraftwerken in der Praxis vieler EU-Staaten nicht aufgeht“, sagt Julia Repenning „und können das nun
zum ersten Mal mit konkreten Zahlen untermauern.“ Die Studie zeigt, dass eine Reihe von Regeln den
angestrebten Wirkungsmechanismus des Emissionshandels behindert und andere Regelungen, die in der Theorie
durchaus sinnvoll erscheinen, in der Praxis ganz andere Wirkungen entfalten als erwartet. Derartige Probleme
entstehen unter anderem, weil
„Wie wirksam die zweite Phase sein wird, ist ganz entscheidend davon abhängig, wie groß die Bereitschaft
ist, aus der ersten Phase zu lernen“, betont Julia Repenning. Neben der ökonomischen Effizienz untersuchten
die WissenschaftlerInnen die Allokationspläne auch auf Transparenz, Fairness und Einfachheit der Regelwerke. Im
zweiten Teil ihrer Studie formulieren sie außerdem Regelungsvorschläge, die während der zweiten Phase des
Emissionshandels eingeführt werden sollten. Ebenso weisen sie auf die Notwendigkeit hin, zu prüfen, welche
Wirkung die Allokationsregeln mittel- und langfristig, also über mehrere der jeweils fünfjährigen
Emisisonshandelsperioden hinweg haben. „Effekte in der ersten Phase können sich über mehrere Phasen hinweg
verändern“, erläutert Julia Repenning, „Dieser Aspekt muss bei der Beurteilung des Systems
berücksichtigt werden.“
Aus den Ergebnissen der Studie leiten die WissenschaftlerInnen konkrete Empfehlungen für die Ausgestaltung der
Allokationspläne in der zweiten Handelsphase 2008 bis 2012 sowie für den Zeitraum nach 2012 ab. Lesen Sie dazu
die vollständige Studie “The environmental effectiveness and economic efficiency of the EU ETS: Structural aspects of the
allocation”, eine Zusammenfassung finden Sie hier.
Die Studie des Öko-Instituts war Teil einer Untersuchung, die der WWF im Rahmen der
„PowerSwitch!-Kampagne“ in Auftrag gegeben hat. Ebenfalls Teil des Forschungs-Konsortiums war ILEX
Energy Consulting (Großbritannien) mit einer Studie zu “The environmental effectiveness of the EU ETS:
Analysis of caps”. Die Ergebnisse und detaillierten Empfehlungen beider Studien fasst das
WWF-Positionspapier „Kohlendioxid-Countdown“ zusammen. Lesen Sie auf www.wwf.de/emissionshandel unter „Aktuell“.
kk
AnsprechpartnerInnen:
Dr. Felix Ch.
Matthes
Verena Graichen
Julia Repenning
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
Forschungsbereich Energie & Klimaschutz
zurück zum Inhaltsverzeichnis
Gentechnik: Hersteller wissen kaum, was sie eigentlich tun
Öko-Institut fordert: Risiken und Überraschungseffekte müssen angemessen bewertet werden / Fachkonferenz in
Frankfurt
Ende
November ging die alarmierende Nachricht durch die Medien. Mäuse, denen Forscher Substanz gentechnisch
veränderter Erbsen injizierten, erkrankten an Lungenentzündung. Ursache dafür war ein Protein, das ursprünglich
aus der Bohne stammte, aber in den Erbsen unterschiedlich produziert wurde. Die unbeabsichtigte Veränderung in
der chemischen Struktur betraf die Zuckerseitenketten des Proteins und löste bei den Mäusen eine heftige
Immunabwehr aus. „Dieses Beispiel zeigt eindrücklich, dass die Gentechnik bisher nicht sicher ist für die
kommerzielle Nutzung“, sagt Katja Moch, Gentechnikexpertin am Öko-Institut e.V.. Im Auftrag von Greenpeace
hat sie den Stand der Wissenschaft zu epigenetischen Effekten in transgenen Pflanzen untersucht und was diese
Erkenntnisse für die kommerzielle Nutzung der Gentechnik bedeuten. Anfang Dezember luden das Öko-Institut und
Greenpeace jetzt ein, das brisante Thema gemeinsam mit kritischen Gentechnikexperten aus ganz Europa zu
diskutieren.
„Die Genregulation ist viel komplexer als lange Zeit angenommen“, erläutert Katja Moch,
„Deshalb wissen wir viel zu wenig darüber, was passiert, wenn wir das Erbgut manipulieren. Die Folge sind
unbeabsichtigte Nebeneffekte.“ Jüngstes öffentlich gewordenes Beispiel für einen solchen
Überraschungseffekt ist das Mäuse-Fütterungsexperiment: Dass das Bohnenprotein in den Erbsen seine chemische
Struktur veränderte, war weder beabsichtigt noch vorhersehbar. Was zunächst nur wie eine kleine Veränderung
aussah, hatte starke – in diesem Fall gesundheitsgefährdende – Folgen. Und das, obwohl Erbsen und
Bohnen sehr nah miteinander verwandt sind.
Hauptursache für solche Überraschungseffekte sind so genannte epigenetische Mechanismen. Die Epigenetik
untersucht, nach welchen Mustern Gene reguliert werden: Wann, wie und in welcher Zelle wird welches Gen aktiviert
oder stillgelegt? Denn längst ist bekannt: Die jahrzehntelang postulierte Gleichung, dass ein Gen den Bauplan für
nur ein bestimmtes Protein enthält, ist veraltet. Heute gilt das Gegenteil. Ein Gen hat viele verschiedene
Funktionen und beeinflusst unterschiedliche Eigenschaften. Diese Erkenntnis müsste bei der Herstellung und
Zulassung transgener Pflanzen stärker berücksichtigt werden, war die Meinung der rund 70 Vertreter aus
Wissenschaft, Politik und Umweltverbänden, die der Einladung zur Fachkonferenz nach Frankfurt gefolgt waren.
Zwar sind sich auch Gentechnik-Befürworter mittlerweile der Problematik bewusst. Wie relevant diese allerdings
ist, darüber ist sich die Fachwelt uneins. „Es gibt keinen Konsens, wie unerwünschte Nebeneffekte zu
bewerten sind“, sagt Katja Moch und führt ein Beispiel an. So haben Wissenschaftler beobachtet, dass
bestimmte, gentechnisch veränderte insektenresistente Maissorten, so genannter Bt-Mais, auch einen höheren
Ligningehalt im Stängel aufweisen.
Unkritische Befürworter der grünen Gentechnik beunruhigt dieser Effekt nicht. Katja Moch dagegen fordert:
„Werden solche Veränderungen festgestellt, dürfen sie nicht mit dem Argument der natürlichen Varianz
abgetan werden. Es muss ihnen gründlich nachgegangen und geprüft werden, welche Folgen sie für Mensch und Umwelt
haben können.“
Doch eine angemessene Risikobewertung unbeabsichtigter Effekte gibt es bislang nicht. „Meistens fehlen
genaue Sicherheitsstandards, die einheitlich erfüllt sein müssen, bevor transgene Pflanzen kommerziell genutzt
werden dürfen.“, betonte auch Dr. Beatrix Tappeser, Gentechnik-Expertin am Bundesamt für Naturschutz. .
Wie Minimalanforderungen auf der genetischen Ebene aussehen könnten, konkretisierte Cesare Gessler von der ETH
Zürich am Beispiel der gentechnischen Forschung an Apfelbäumen. Der Experte fordert beispielsweise, das in der
Züchtung keine artfremden Gene, sondern nur Gene anderer Apfelsorten verwendet werden dürfen. Zudem müsse man
genau definieren können, an welcher Stelle im Genom das Genkonstrukt eingebaut wird. Der Wissenschaftler geht
sogar noch weiter: Idealerweise sollte es möglich sein, ganz gezielt einen bestimmten Genabschnitt durch das neue
Genkonstrukt zu ersetzen.
Von dieser Präzisionsarbeit ist die Gentechnik in der Praxis aber noch weit entfernt und Hersteller gentechnisch
veränderter Pflanzen wissen kaum, was sie eigentlich tun. „Wenn ich heute irgendein Stück DNA in ein
Pflanzengenom einbaue, dann weiß ich nicht, wo es hinkommt und was ich zusätzlich in der ganzen Kette vom Gen bis
zum Protein verändere. Und auch danach kann es zu unbeabsichtigten Interaktionen auf der Ebene der Proteine
kommen, was zusätzlich die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe beeinflussen kann. Ich weiß nicht, in welche
Regulationsmechanismen ich da eingreife“, erklärt Katja Moch. Eine systematische und standardisierte
Risikobewertung ist also dringend erforderlich. Im Nachgang zur Konferenz wollen die Experten jetzt eine Liste
konkreter Methoden zusammenstellen, die zur Risikobewertung geeignet sind.
Sie forderten auch eine strengere Zulassungsprozedur für gentechnisch veränderte Pflanzen. Unter anderem sollte/n
Wichtige Ergebnisse der Konferenz werden im Januar in einem Tagungsband veröffentlicht und stehen dann zum
kostenlosen Download auf der Homepage des Öko-Instituts zur Verfügung. Lesen Sie zum Thema auch den Newsletter 1/2005, einen Fachartikel
von Katja Moch, erschienen in „bwWoche - Der Staatsanzeiger für Baden-Württemberg“, sowie die Greenpeace-Broschüre „Das unterschätzte Risiko. Interviews mit neun WissenschaftlerInnen zum
Thema gentechnisch veränderter Pflanzen“ kk
Ansprechpartnerin:
Katja Moch
Öko-Institut e.V., Geschäftsstelle Freiburg
Forschungsbereich Biodiversität, Ernährung & Landwirtschaft
zurück zum Inhaltsverzeichnis
Namibia genehmigt neue Uranmine im Naukluft-Nationalpark
Bergbau-Ministerium hat keine Bedenken – trotz schwerer Fehler in der Umweltbewertung
Weil die
Uranpreise – nach Jahrzehnten der Flaute – in den letzten zwei Jahren wieder erheblich gestiegen
sind, erlebt die Uranförderung weltweit einen neuen Boom. So auch in Namibia. Erst vor kurzem hat das zuständige
Bergbau-Ministerium dort den Betrieb der neuen Uranmine „Langer Heinrich“ im Naukluft-Nationalpark
genehmigt. Der Genehmigung war eine Bewertung der Umweltverträglichkeit voraus gegangen. Die aber weist
erhebliche Fehler und Lücken auf – wie Experten des Öko-Instituts e.V. jetzt herausgefunden haben. Im
Auftrag der Bürgerinitiative „Earthlife Africa“ hatten sie den Bericht zur Umweltverträglichkeit
untersucht. Trotz der Mängel darf nun Uran gefördert werden.
„Wir haben nicht nur gravierende Fehler bei der Berechnung der Strahlenbelastung in der Umgebung der Anlage
entdeckt“, erklärt Gerhard Schmidt, Experte im Forschungsbereich Nukleartechnik & Anlagensicherheit im
Darmstädter Büro des Öko-Instituts. Auch die Angaben, wie mit dem strahlenden Abfall aus der geplanten
Uranförderung umgegangen werden soll, fehlen oder sind widersprüchlich. „Eine fachgerechte Bewertung der
Umweltverträglichkeit des Vorhabens ist wegen dieser Defizite nicht möglich“, kritisiert Schmidt. Dennoch
hat das namibische Bergbau-Ministerium das Vorhaben wie beantragt genehmigt. Ein Fall, der sich wiederholen
könnte, wenn wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen.
Denn viele alte und neue Projekte zur Förderung von Uran, auch in sehr gering konzentrierten Vorkommen, stehen
jetzt in den Startlöchern. Das am weitesten fortgeschrittene Projekt wird von der australischen Firma Paladin
Resources Ltd. und ihrer Tochtergesellschaft in Namibia vorangetrieben: In Nachbarschaft zu der Erhebung
„Langer Heinrich“ in der namibischen Wüste, etwa 80 Kilometer östlich der Küstenstädte Swakopmund und
Walvisbaai und im Naukluft-Nationalpark gelegen, soll schon im nächsten Jahr mit der Förderung des radioaktiven
Metalls begonnen werden. Das Erz soll im Tagebau gewonnen, gemahlen und das Uran mit Soda ausgelaugt werden. Die
mit radioaktiven und weiteren Schadstoffen belasteten Gesteinsreste sollen luftgetrocknet und in die Tagebaue
rückverfüllt werden. Dadurch kommen sie später in Kontakt mit dem Grundwasser.
„Earthlife Africa“ sucht Rat unabhängiger Experten
Zum Nachweis der Umweltverträglichkeit hat Paladin einen Environmental Assessment
Report (EA Report) vorgelegt und Einwände gegen den Entwurf in mehreren Anhörungen aufgenommen. Die
Bürgerinitiative „Earthlife Africa“ hat daraufhin um sachverständigen Rat beim Öko-Institut
nachgesucht. Bündnis’90/Die Grünen in Deutschland sowie zwei Abgeordnete der Grünen Fraktion im
Europäischen Parlament haben die Kosten der Untersuchung übernommen. Daraufhin nahmen Gerhard Schmidt und der
Uranexperte Peter Diehl (uranium(at)t-online.de) aus Dresden den
umfangreichen EA Report kritisch unter die Lupe. Die wesentlichen Schwachpunkte, die sie fanden:
Strahlenbelastung zehn Mal höher
Bei der Berechnung der Strahlenbelastung in der Umgebung der geplanten Uranmine wurde der Gehalt an Radium im
verarbeiteten Erz um den Faktor 4 unterschätzt. Die Atemrate von Menschen in der Umgebung wurde aus nicht näher
erläuterten Gründen um das 2,3-fache geringer angesetzt als international üblich. Folge dieser beiden Fehler ist,
dass die Strahlenbelastung in der Umgebung der Anlage um etwa das Zehnfache unterschätzt wird. Die Belastung von
Beschäftigten wird nicht berechnet, zur Gesamtbelastung der Beschäftigten in der Erzgewinnung und -verarbeitung
macht der EA Report keine Angaben.
Kein schlüssiges Konzept für radiaktiven Abfall
Ebenso fehlen detaillierte Angaben zum Management der großen Mengen Gesteinsabfälle, den so genannten
„Tailings“, und zu deren Umweltauswirkungen. Die wenigen Angaben widersprechen sich und zentrale
Fragen bleiben offen: Wo genau werden die Tailings abgelagert? Wie werden sie isoliert? Wie werden die Dämme
beschaffen sein, die sie einschließen sollen? Und wie soll das Grundwasser vor den schadstoffhaltigen Abfällen
geschützt werden? Bedenklich auch: Die Menge an wirtschaftlich gewinnbarem Uran und damit auch die Menge an
Tailings hat sich wegen der gestiegenen Preise noch einmal um ein Viertel gegenüber den Angaben im Report erhöht.
Der Report ist in diesem Punkt also nicht auf dem aktuellen Stand und hätte sorgfältig überarbeitet werden
müssen.
Sehr hoher Bedarf am knappen Gut Wasser
Ein weiterer kritischer Punkt: Der sehr hohe Wasserbedarf des Vorhabens. Für die Abtrennung des Urans aus dem
gemahlenen Erz und seine Reinigung sowie für die Kontrolle von Staub benötigt Paladin 1,3 Millionen Kubikmeter
Wasser pro Jahr. Der Wasserverbrauch ist deshalb so hoch, weil das Wasser beim Lufttrocknen der Tailings
verdunstet und nur wenige Anteile recycelt werden können, aber auch, weil die Staubkontrolle mit Wasser wegen des
Wüstenklimas nicht sehr effektiv funktioniert. Die Grundwässer in der Naukluft-Wüste geben dies nicht annähernd
her. Das Wasser wird daher über eine Rohrleitung aus dem 80 Kilometer entfernten Swakopmund herantransportiert
werden. Der Wasserverbrauch der Uranmine macht dann alleine zehn Prozent der dortigen Förderung aus, Paladin wird
einer der größte Einzelverbraucher für Wasser. Wie könnte der Verbrauch dieser knappen Ressource verringert
werden? Dieser Frage wird im EA Report nicht nachgegangen. Auch hier besteht erheblicher Nachholbedarf.
Ungeachtet dieser Fehler und Schwächen hat Paladin mitgeteilt, dass das zuständige Ministerium für Bergbau und
Energie die Genehmigung erteilt habe. In Anwesenheit des Ministers wurde der erste Spatenstich in die
namibische Wüste bereits geführt. gs
Den vollständigen Untersuchungsbericht des Öko-Instituts lesen Sie hier.
Ansprechpartner:
Gerhard Schmidt
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Forschungsbereich Nukleartechnik & Anlagensicherheit
zurück zum Inhaltsverzeichnis
EcoTopTen – mehr Überblick für Verbraucher
Neu: Marktübersicht zu besonders sparsamen und umweltfreundlichen Kühl- und Gefriergeräten
Kaum jemand weiß es: „Bei Kühl- und Gefriergeräten ist eine Auszeichnung mit A schon lange nicht mehr
Spitze“, erklärt Ina Rüdenauer, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Öko-Institut. Die neue
EcoTopTen-Marktübersicht empfiehlt Verbrauchern daher ausschließlich Modelle der Energieeffizienzklasse A++. Denn
in punkto Energie- und Umweltbilanz sind dies die besten Produkte, die der Markt derzeit zu bieten hat. Vor den
Kühl- und Gefrierschränken der – vermeintlich besten – A-Klasse, die neuerdings sogar Discounter im
Angebot haben, warnt die Expertin dagegen, denn „verlockend günstige Kaufpreise können sich mit hohen
Betriebskosten rächen.“
Der Hintergrund: Ursprünglich reichte die Einteilung der Energieeffizienzklassen, mit denen Kühl- und
Gefriergeräte seit 1995 etikettiert werden müssen, nur von A bis G. Weil die Geräte seitdem aber immer
effizienter, die Kriterien jedoch noch nicht verschärft wurden, genügen heute bereits die meisten Modelle den
Anforderungen der Klasse A. Es gibt nur noch wenige B- und praktisch keine C-Geräte mehr auf dem Markt.
Dafür wurden die Unterschiede innerhalb der A-Klasse immer größer: „Die Spitzengeräte verbrauchen
mittlerweile bis zu 45 Prozent weniger Energie als die schlechtesten Geräte dieser Kategorie“, betont Ina
Rüdenauer. Damit Verbraucher diese deutlich effizienteren Geräte erkennen, wurde die Skala daher 2004 um die
beiden Klassen A+ und A++ erweitert.
Ein Blick auf den Energieverbrauch lohnt sich auch für die Haushaltskasse, denn Kühl- und Gefriergeräte laufen im
Dauerbetrieb. Bei Geräten der Energieeffizienzklasse A oder B, die einen wesentlich höheren Energieverbrauch
haben, kann sich ein verlockend günstiger Kaufpreis später mit hohen jährlichen Stromkosten rächen.
Eine Beispiel-Rechnung: Wer sich für einen von EcoTopTen empfohlenen, 120 Liter großen Kühlschrank mit
Viersterne-Gefrierfach der Energieeffizienzklasse A++ entscheidet, zahlt dafür zum Beispiel rund 330 Euro. Die
jährlichen Gesamtkosten – die jährlichen Stromkosten mit eingerechnet – liegen bei 49 Euro. Ein
gleich großer typischer Kühlschrank am Markt mit Energieeffizienzklasse A ist in der Anschaffung zwar
beispielsweise 20 Euro günstiger. Dafür liegen die jährlichen Gesamtkosten indes bei 66 Euro, weil er mit 230
Kilowattstunden Strom etwa 100 Kilowattstunden pro Jahr mehr verbraucht als der EcoTopTen-Kühlschrank. Damit
kostet der EcoTopTen-Kühlschrank den Verbraucher jedes Jahr rund 17 Euro weniger – trotz höherer
Anschaffungskosten.
EcoTopTen bietet eine Marktübersicht über die effizientesten Kühlschränke, Kühl-Gefrierkombis, Gefriertruhen und
Gefrierschränke, sortiert nach ihrem Nutzinhalt. Da sie sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Größe nicht direkt
vergleichen lassen, wird auf ein Ranking verzichtet – alle EcoTopTen-Geräte sind ökologische
Spitzenprodukte am Markt.
Die von EcoTopTen empfohlenen Kühl-Gefrierkombis haben zudem für den Kühl- und Gefrierteil je einen separaten
Temperaturregler, so dass bei längeren Abwesenheiten – zum Beispiel im Urlaub – der Kühlteil
ausgeschaltet werden kann, während der Gefrierteil weiterhin seinen Dienst tut. Die EcoTopTen-Marktübersicht
enthält neben dem Energieverbrauch, dem Kaufpreis und den jährlichen Gesamtkosten auch Angaben zu
Sonderfunktionen wie Abtauautomatik, energiesparende Urlaubsprogramme oder Temperatur-Warnsysteme. Leider
beschränkt sich die Auswahl auf Standgeräte. Bisher gibt es auf dem deutschen Markt keine Einbaugeräte der
Energieeffizienzklasse A++ zu einem angemessenen Preis.
Übrigens: Wer genügend Stellfläche hat, sollte eine Gefriertruhe anstelle eines Gefrierschranks wählen. Bei
gleichem Nutzinhalt verbrauchen Gefriertruhen etwa zwölf Prozent weniger Energie.
Die vollständige Marktübersicht, Tipps und weitere Informationen rund um das Thema „Kühl- und
Gefriergeräte“ lesen Sie im Internet unter www.ecotopten.de/produktfeld_kuehlen.php,
weitere interessante Downloads finden Sie unter www.ecotopten.de/download.php. Bereits im Oktober
online gegangen ist die neue Marktübersicht zum Bio & Fair-Sortiment im
Lebensmitteleinzelhandel.
EcoTopTen ist eine groß angelegte Initiative für nachhaltigen Konsum und Produktinnovationen im Massenmarkt, die
das Öko-Institut initiiert hat. In regelmäßigen Abständen empfehlen die WissenschaftlerInnen eine Auswahl an
hochwertigen so genannten EcoTopTen-Produkten, die ein angemessenes Preis-Leistungsverhältnis haben und aus
Umweltsicht allesamt Spitzenprodukte sind. Typische Produkte, die die EcoTopTen-Kriterien nicht erfüllen, werden
zum Vergleich vorgestellt. Damit können EcoTopTen-Marktübersichten die Kaufentscheidung für rundum gute Produkte
erleichtern. Sie finden sie im Internet auf www.ecotopten.de unter der Rubrik „Produktempfehlungen“. Bis Ende 2006 folgen 13 weitere
Marktübersichten, die nächste zu Spülmaschinen.
Das EcoTopTen-Forschungsprojekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert, die
EcoTopTen-Kampagne vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und der Stiftung
Zukunftserbe. Medienpartner ist das Monatsmagazin „natur&kosmos“, das kontinuierlich über
EcoTopTen berichtet. Im aktuellen Heft lesen Sie alles rund um das Thema „Kühlen mit Köpfchen“.
Wollen Sie regelmäßig über EcoTopTen informiert werden? Abonnieren Sie den EcoTopTen-Newsletter und senden Sie
eine E-Mail an anmeldung(at)ecotopten.de. kk
Ansprechpartnerinnen:
Projektleiterin Kathrin
Graulich
Ina Rüdenauer
Öko-Institut e.V., Geschäftsstelle Freiburg
Forschungsbereich Produkte & Stoffströme
zurück zum Inhaltsverzeichnis
INVENT: Traumziel Nachhaltigkeit im Tourismus
Forschungsprojekt zeigt Wege in den sozial und ökologisch verträglichen Massentourismus auf
Endlose Bettenburgen, verschmutzte Strände, Einschnitte in Wälder und zerstörte Gebirgsregionen –
Massentourismus setzt der Umwelt in vielen Teilen der Welt zu. Doch es geht auch anders, ökologisch und sozial
verträglich. Wesentliche Voraussetzung: Nachhaltige Reisen müssen stärker als bisher zielgruppenspezifisch
vermarktet werden. Zu diesem Ergebnis kommt das vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekt INVENT. Unter
Leitung des Öko-Instituts e.V. haben Wissenschaftler und Tourismuspraktiker in den vergangenen drei Jahren
gemeinsam Marketingstrategien und Urlaubsangebote entwickelt, die dazu beitragen, Umweltbelastungen zu mindern
und soziale Konflikte zu vermeiden. Die Deutsche Bahn AG, die AMEROPA-REISEN GmbH und die LTU-Touristik GmbH
haben die neu entwickelten, nachhaltigen Reisen für unterschiedliche Urlaubsziele jetzt in ihrer
Programmplanung.
Der weltweite Trend geht zu immer mehr, immer kürzeren, immer weiteren Urlaubsreisen. „Das bedeutet auf der
einen Seite mehr Arbeitsplätze und mehr Wertschöpfung für die Tourismusbranche“, erläutert Martin Schmied,
wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Infrastruktur & Unternehmen am Öko-Institut und
INVENT-Projektleiter. Auf der anderen Seite nehmen damit aber auch soziale Konflikte in den Urlaubsregionen und
Umweltbelastungen durch wachsenden Verkehr und die Belastung sensibler Biotope zu. „Da eine intakte Umwelt
und ein gastfreundliches Klima wiederum Voraussetzungen für den wirtschaftlichen Erfolg der Tourismusbranche
sind,“ sagt Schmied, „liegt es gerade auch im Interesse der Reiseveranstalter, Lösungen für einen
langfristig nachhaltigen Tourismus zu finden.“
Doch Reiseangebote finden nur dann Zuspruch, wenn sie die Wünsche und Erwartungen von Urlaubern möglichst genau
erfüllen. Ein wesentlicher Baustein des Projekts war es deshalb, so genannte Zielgruppen zu identifizieren.
„Wir haben nach einer Befragung von 2000 Reisenden sieben verschiedene Urlaubertypen als Zielgruppen für
das nachhaltigkeitsorientierte Marketing festgelegt“, erläutert INVENT-Projektpartner Konrad Götz vom
Institut für sozial-ökologische Forschung. Zwei davon haben ein Ohr für ökologische und soziale Themen, wenn es
um ihren Urlaub geht: die „anspruchsvollen Kulturreisenden“, die die kulturelle Vielfalt fremder
Länder möglichst authentisch erleben möchten, und die „Natur- und Outdoor-Urlauber“, die in den
Ferien für sich und ihre Familie Entspannung und Bewegung in möglichst unberührter Natur suchen.Wie aber gelingt
es, Urlauber für nachhaltige Reisen zu interessieren? Eine viel versprechende Strategie ist die gezielte
Beeinflussung der Reisenentscheidung. Dahinter steckt beispielsweise die Idee, dass Ferien in Deutschland oder im
näher gelegenen Ausland geringere ökologische Belastungen mit sich bringen. „Gewinnt man eine Zielgruppe
mit einem hohen Anteil an Fernreisen stärker für nah gelegene Ziele und gelingt es, den Anteil der Bahnreisen zu
erhöhen, gewinnt auch der Klima- und der Umweltschutz “, erläutert INVENT-Partner Edgar Kreilkamp,
Tourismusexperte an der Universität Lüneburg. Ein Beispiel dafür ist Urlaub in Mecklenburg-Vorpommern. Mit seinen
einsamen Stränden, weiten Wäldern und klaren Seen, aber auch traditionsreichen Seebädern, Schlössern und
Backsteingotik ist es ein ideales Reiseziel für „Natur- und Outdoor-Urlauber“.
Damit deren Interesse für diese attraktive Ferienregion geweckt wird, muss das Urlaubspaket rundherum stimmen:
Wichtige Bausteine sind zum Beispiel eine komfortable Anreise mit der Bahn, die Unterbringung in Hotels in
regionaltypischer Bauweise und guten ökologischen Standards, „Aktiv in der Natur“-Angebote wie
Paddeltouren, Radrundreisen, Segeltörns, aber auch Health- und Wellnessangebote. Von INVENT entwickelte
Reiseangebote für Mecklenburg-Vorpommern werden mittlerweile von der Deutschen Bahn AG und der AMEROPA-REISEN
GmbH vermarktet.
Nachhaltig Reisen gelingt aber nicht nur vor der eigenen Haustür: Selbst Fernreisen können ökologisch und sozial
verträglich sein. Beispielsweise dann, wenn Touristen mit hohen Ansprüchen an Unterkunft, Natur und Umgebung für
klassische Urlaubsgebiete des Massentourismus gewonnen werden. Damit setzen Reiseveranstalter Impulse für mehr
Naturschutz, Ökologie und bessere soziale Bedingungen. „Vor Ort wächst eine größere Motivation, vorhandene
Naturschätze tropischer Paradiese langfristig zu schützen und zu erhalten“, sagt Ulrike Rheinberger,
wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Infrastruktur & Unternehmen am Öko-Institut. Dazu muss es der
Zielgruppe zum Beispiel ermöglicht werden, die Natur des Landes zu entdecken und zu erleben, etwa mit
vielseitigen Tagesausflügen, mit Rundreisen in Kombination mit Badeurlaub oder mit mehrtägigen Entdecker-Reisen
durch das ganze Land. JAHN REISEN, eine Tochter der LTU-Touristik, hat entsprechende Angebote für die
Dominikanische Republik für die Wintersaison 2006/2007 in ihre Programmplanung aufgenommen.
Grundidee, Ergebnisse, Marketingstrategien und Reiseangebote des Projekts fasst die Broschüre „INVENT
Tourismus – Traumziel Nachhaltigkeit“ zusammen. Sie steht im Internet als kostenloser Download unter
www.oeko.de/pdf/INVENT_Broschuere_051104.pdf zur Verfügung oder kann bestellt werden per Fax an
030/280 486-88 oder per E-Mail an invent(at)oeko.de.
Mehr Informationen zu INVENT finden Sie auch im Internet unter www.invent-tourismus.de. In dem Projektverbund INVENT haben
unter der Leitung des Öko-Instituts die Universität Lüneburg und das Institut für sozial-ökologische Forschung
mit der AMEROPA-REISEN GmbH und der Deutschen Bahn AG zusammen gearbeitet. Gefördert wurde das Projekt vom
Bundesministerium für Bildung und Forschung. kk
AnsprechpartnerIn:
Martin Schmied
Gesamtprojektleitung INVENT
Ulrike Rheinberger
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
Forschungsbereich Infrastruktur & Unternehmen
zurück zum Inhaltsverzeichnis
Energiewende: Es bleibt viel zu tun!
Immer noch enorme Energie-Einsparpotenziale beim Wärmeschutz von Gebäuden, bei Elektrogeräten und im
Verkehrsbereich
„Es bleibt viel zu tun“, lautete das Fazit der Tagung, die Ende Oktober unter dem Titel
„Halbzeit: 25 Jahre Energiewende“ in Berlin stattfand und vom Öko-Institut und der
Heinrich-Böll-Stiftung veranstaltet wurde. 25 Jahre nach der Veröffentlichung der ersten Energiewende-Studie des
Öko-Instituts diskutierten namhafte Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und
Nicht-Regierungsorganisationen über bisher Erreichtes und zukünftige Herausforderungen.
„Der Einstieg in die Erneuerbaren Energien ist gelungen, das Gleiche muss bei der Energieeffizienz
fortgesetzt werden“, betonte Helmfried Meinel, Vorstandssprecher des Öko-Institutes bei der Tagung. Enorme
Einsparpotenziale gibt es nach wie vor beim Wärmeschutz von Gebäuden, bei Elektrogeräten und im Verkehrsbereich.
Wenn die entsprechenden Techniken eingesetzt würden, könnten bei Elektrogeräten und im Verkehr bis zu 50 Prozent
Energie eingespart werden. Bei Gebäuden ist das Potenzial noch höher: Entsprechend sanierte Häuser würden 60
Prozent weniger Energie benötigen, neu gebaute sogar bis 90 Prozent weniger.
Dass die Zukunft im Energiebereich in Wind-, Sonnen- und Wasserkraft, Geothermie und Bioenergie und in Energie
einsparenden Technologien liegt, war den WissenschaftlerInnen des Öko-Institutes schon vor 25 Jahren klar, auch
wenn diese Vision damals als „illusorisch“ bekämpft statt gewürdigt wurde. Inzwischen hat sich das
Blatt – zwar noch nicht vollkommen, aber merklich – gewendet. So setzen inzwischen EU-Länder wie
Portugal und Spanien und Schwellenländer wie Brasilien und China auf das deutsche Modell zur Markteinführung der
erneuerbaren Energien. China beispielsweise hat in diesem Jahr ein Erneuerbare-Energien-Gesetz verabschiedet.
Deutschland sollte auch weiterhin die erneuerbaren Energien gezielt fördern, gerade mit Blick auf die erweiterte
Europäische Union und die globale Entwicklung.
Auch wenn in Deutschland heute schon zehn Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen stammen, muss sich
die Bundesregierung dafür einsetzen, dass dieser Anteil bis zum Jahr 2020 auf 20 Prozent ausgebaut wird. Dabei
ist es nicht allein Sache der Politik, die Energiewende voranzutreiben. Der Staat muss zwar den nötigen
gesetzlichen Rahmen schaffen, damit Industrie und Gesellschaft die Möglichkeiten erkennen, die die Vorreiterrolle
Deutschlands im Energiebereich bietet. Denn die Energiewende setzt wichtige Impulse für die heimische Wirtschaft,
technische Innovation und den globalen Klimaschutz. Letztendlich sind aber Unternehmen, Zivilgesellschaft und
Wissenschaft gefragt, die Energiewende aktiv umzusetzen.
Eine weitere Forderung des Öko-Instituts: Der Ausstieg aus der Atomenergie muss konsequent weitergeführt werden.
Eine Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken lehnt das Institut als „energie- und umweltpolitische Rolle
rückwärts“ ab. Keines der Ziele, die von den Protagonisten einer Laufzeitverlängerung formuliert werden,
hat in der Realität Bestand. Weder sinken die Strompreise, noch können Kohlendioxid-Emissionen vermieden werden,
wenn die Laufzeit der Kernkraftwerke über den verabredeten Konsens hinaus verlängert wird. Dies klingt zunächst
paradox, ist aber Folge der zunehmenden Marktorientierung im Energiesektor und der Umweltpolitik.
Das Argument, dass Atomstrom die Energieversorgung preisgünstiger macht, entkräftete Uwe Fritsche, Energieexperte
am Öko-Institut. Denn die Stromversorgung ist in Deutschland hauptsächlich von Kohle abhängig. Wenn
Kernkraftwerke länger am Netz bleiben, profitieren nur die großen Energiekonzerne, und zwar mit satten 20 bis 30
Milliarden Euro Gewinn. Der Verbraucher dagegen hat nichts davon. Der Strompreis richtet sich nach dem teuersten
Kraftwerk, das gerade noch herangezogen wird, um den allgemeinen Strombedarf zu decken. Da dies in Deutschland in
der Regel Kohle- oder Gaskraftwerke sind, ändern längere Laufzeiten von Atomkraftwerken also nichts an den
Stromkosten.
Eine zusätzliche Gefahr sind die veralteten Sicherheitsstandards der Atommeiler, die nur durch erhebliche
Zusatzkosten verbessert werden könnten. Aber auch das gerne gebrauchte Argument, längere Laufzeiten der
Kernkraftwerke würden die Emission von CO2 vermeiden, ist haltlos, wie Felix Matthes bei der Tagung
herausstellte. Denn durch den CO2-Zertifikatehandel sind die für Deutschland „zugestandenen“
CO2-Emissionen zumindest bis zum Jahr 2012 „gedeckelt“. Vermiedene Emissionen aus länger laufenden
Kernkraftwerken führen nur dazu, dass an anderer Stelle höhere Emissionen erfolgen können. Die Betreiber von
Kernkraftwerken können bei einer Laufzeitverlängerung nochmals Kasse machen, indem sie ihnen zugeteilte
Emissionszertifikate an andere Anlagenbetreiber verkaufen. Eine zusätzliche Entlastung des Weltklimas würde nicht
entstehen.
Die Tagung „Halbzeit: 25 Jahre Energiewende“ hat gezeigt, dass die wissenschaftlichen Grundlagen für
die Umsetzung der Energiewende auf nationaler wie internationaler Ebene vorhanden sind. Nun stellen Öko-Institut
und Heinrich-Böll-Stiftung wichtige Studien und aktuelle Interviews zur Energiewende auf einer DVD auch der
Öffentlichkeit zur Verfügung. bw
Ansprechpartnerin:
Dr. Bettina Brohmann
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Forschungsbereich Energie & Klimaschutz
zurück zum Inhaltsverzeichnis
Neues Projekt: Public Private Partnership – ein Weg zu mehr Nachhaltigkeit?
Öko-Institut untersucht neues Geschäftsmodell
Das Problem ist bundesweit verbreitet: Der Sanierungsbedarf von öffentlichen Gebäuden ist hoch, die Kassen sind
leer. Angesichts der schwierigen Haushaltslage vieler Kommunen wird nach alternativen Finanzierungsmodellen
gesucht. Hoffnungen setzen Gemeindeverwaltungen auf Kooperationen zwischen öffentlicher Hand und der
Privatwirtschaft, so genannten Public Private Partnerships, kurz PPP. „Schneller, besser,
kostengünstiger“ sind die Erwartungen, die sich damit verbinden. Doch ist PPP auch unter ökologischen,
ökonomischen und sozialen Kriterien nachhaltig? Wie lassen sich Projekte unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit
bewerten? Und welche Vorgaben sollten PPP-Projekte erfüllen, um Nachhaltigkeitszielen zu genügen? Auf diese
Fragen will das Öko-Institut e.V. nun in einem anderthalb jährigen Projekt Antworten geben.
Nach dem Geschäftsmodell der PPP werden Planung, Neubau oder Sanierung, Finanzierung und unter Umständen auch das
Betreiben der öffentlichen Immobilie an die Privatwirtschaft abgegeben. Über eine vereinbarte Laufzeit von meist
20 bis 25 Jahren zahlt die Kommune für diese Leistungen eine jährliche Vergütung. Das bedeutet: Die Finanzierung
von dringend notwendigen Sanierungen muss nicht auf einem Schlag in den Haushalt eingestellt, sondern kann
ratenweise über die Vertragslaufzeit gedeckt werden. Dadurch werden notwendige Sanierungen nicht auf die lange
Bank geschoben und lassen sich, so die Erwartung, zumeist auch kostengünstiger verwirklichen.
„Aber auch unter dem Aspekt Nachhaltigkeit kann PPP große Chancen bieten“, sagt Dietlinde Quack,
wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsbereich Produkte & Stoffströme am Öko-Institut e.V. Denn ist ein
Auftragnehmer beispielsweise nicht nur für den Neubau oder die Sanierung einer Immobilie verantwortlich, sondern
auch für deren späteren Betrieb – und das über viele Jahre hinweg, wird er in allen Phasen darauf achten,
so wirtschaftlich wie möglich zu arbeiten. „Das primäre Ziel ist zwar, die Kosten zu optimieren. Sehr oft
ergeben sich daraus aber auch Vorteile für die Umwelt“, erläutert Dietlinde Quack. Zum Beispiel, weil der
Auftragnehmer ein Interesse daran hat, die Heizkosten, den Wasser- und den Stromverbrauch so niedrig zu halten
wie möglich. Das spart über Jahre hinweg Geld und rechtfertig die Investition in umweltfreundliche Technik.
Umgekehrt gilt auch: Wer bei Bau und Sanierung an der falschen Stelle spart, wird später mit hohen Betriebskosten
gestraft.
Doch wenn der Hausmeister im Zuge der neuen Partnerschaft den Job verliert, wenn die Putzkräfte zu schlechteren
Bedingungen arbeiten müssen, wenn die Beauftragten keine ökologische Kompetenz haben und deshalb nachhaltige
Technologien nicht einsetzen, kann ein PPP-Projekt unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit auch große Nachteile mit
sich bringen. Dem vorzubeugen, ist das Ziel der neuen Studie „PPP für Nachhaltigkeit?“ unter Leitung
des Öko-Instituts.
In einem ersten Schritt werden die WissenschaftlerInnen – unter anderem im Gespräch mit Experten –
Kriterien entwickeln, mit denen die Nachhaltigkeit von PPP-Projekten beurteilt werden kann. Mit Hilfe der am
Öko-Institut entwickelten Methode PROSA
– Product Sustainability Assessment werden sie dann Projekte mit und ohne PPP miteinander vergleichen.
Daraus wollen sie Vorgaben entwickeln, die ein PPP-Projekt erfüllen muss, um Nachhaltigkeitszielen gerecht zu
werden. Das Konzept soll durch Erfahrungen in der Praxis verfeinert werden. Dazu werden die WissenschaftlerInnen
ein ausgewähltes PPP-Projekt in der Ausschreibungsphase begleiten. Möglicher Praxispartner ist die Stadt
Freiburg, die erwägt, die Sanierung von mehreren Schulen und der Hauptfeuerwache mit PPP umzusetzen.
Das Projekt „PPP für Nachhaltigkeit?“ läuft im Rahmen des Forschungsprogramms „BW Plus“
und wird mit Mitteln des Landes Baden-Württemberg gefördert. Die Projektlaufzeit endet voraussichtlich im März
2007. Die Ergebnisse sollen unter anderem über eine eigene Website und einen Workshop verbreitet werden.
Kooperationspartner des Öko-Instituts sind ICLEI, Local Governments for Sustainability, und das Büro Ö-Quadrat ökologische und ökonomische Konzepte. kk
Ansprechpartnerin:
Dr. Dietlinde Quack
Öko-Institut e.V., Geschäftsstelle Freiburg
Forschungsbereich Produkte & Stoffströme
zurück zum Inhaltsverzeichnis
Workshop Risikomanagement in Chemieanlagen
Kontrovers diskutiert: Was bringen Wahrscheinlichkeitsrechnungen für die Störfallvorsorge?
Giftig, explosiv, besonders reaktiv – Stoffe, mit denen in Chemieanlagen gearbeitet wird, können sehr
gefährlich sein. Um so wichtiger ist die Vorsorge: Welche Risiken gehen von Chemieanlagen aus? Wie können sie
minimiert werden? Wie lassen sich Störfälle zuverlässig vermeiden? Wieviel Sicherheit ist notwendig? In einigen
europäischen Ländern und in Nordamerika werden diese Fragen auch mit Wahrscheinlichkeitsaussagen beantwortet. Mit
so genannten probabilistischen Berechnungen wird abgeschätzt, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein
bestimmter Störfall eintritt und welche Folgen dies hat. Daraus werden dann die Sicherheitsanforderungen
abgeleitet. Die Einführung probabilistischer Methoden wird in Deutschland kontrovers diskutiert. Die gemeinsame
Diskussion mit Vertretern unterschiedlicher Standpunkte zu fördern, war daher Ziel eines Fachworkshops, den das
Öko-Institut e.V. gestaltet hatte. Vor allem die Umweltverbände sollten Gelegenheit haben, ihre Bedenken zu
äußern.
Kritiker befürchten, dass mit der Einführung von Risikogrenzwerten und probabilistischen Methoden bestimmte
Gefahren „abgeschnitten werden“ könnten und unberücksichtigt bleiben. Der Schutz von Mensch und
Umwelt könnte dadurch insgesamt herabgesetzt werden. „Tatsächlich haben die verfügbaren
Berechnungsverfahren bisher methodische Schwächen und berücksichtigen nicht alle relevanten
Einflussgrößen“, erläutert Stephan Kurth, Experte im Forschungsbereich Nukleartechnik &
Anlagensicherheit am Öko-Institut, „Die Ergebnisse sind mit großen Unsicherheiten behaftet.“ Welche
Einsatzmöglichkeiten also gibt es für probabilistische Verfahren? Auch diese Frage diskutierten Vertreter von
Umweltverbänden, Industrie, Behörden und Sachverständige beim Fachworkshop Ende Oktober in Bonn und stellten ihre
unterschiedlichen Positionen dar.
Dabei wurde vor allem eins deutlich: Viele Fragen sind bisher offen, insbesondere die Kernfragen: Welche
spezifischen Vor- und Nachteile hat die Probabilistik gegenüber den bisher angewandten Verfahren? Welche
Mindestanforderungen müssen probabilistische Methoden erfüllen, damit sie bei sicherheitsrelevanten
Fragestellungen herangezogen werden können bzw. dürfen? Welche Bedeutung haben die berechneten Risikozahlen?
Hinzu kommen Fragen der Risikobewertung und Risikokommunikation, die über eine rein technische Betrachtungsweise
hinausgehen und gesellschaftliche Prozesse erfordern. „Ganz klar muss man sich dem Thema stellen“,
fordert Stephan Kurth, „Aber es sollte genau geprüft werden, wo es wirklich sinnvolle und zulässige
Anwendungsbereiche gibt. Dafür wären dann speziell zugeschnitten Lösungen zu diskutieren.“ Wo die gängigen
Methoden an ihre Grenzen stoßen, könnte es möglicherweise auch sinnvoll sein, sie mit probabilistischen Ansätzen
zu kombinieren. Doch auch hier müsste sehr genau geprüft werden, wie sinnvoll und praktikabel die Anwendung ist.
Denn probabilistische Berechnungen können außerordentlich aufwendig sein.
Basis für die lebhaft geführte Fachdiskussion während des Workshops war ein breites Informationsangebot. Zu den
Vortragsthemen gehörten:
Insgesamt werteten die Teilnehmer die Ergebnisse des Workshops als wichtigen Beitrag für den weiteren
Diskussionsprozess zum Thema. Der Workshop „Nutzung probabilistischer Methoden in der europäischen
Genehmigungspraxis und deren Nutzbarkeit im deutschen Störfallrecht, insbesondere aus Sicht der
Umweltverbände“ wurde aus den Mitteln der Störfall-Kommission (SFK) finanziert. Die Beiträge werden in
Kürze in einem Tagungsband zusammengestellt. sk/kk
Ansprechpartner:
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Stephan Kurth
Werner Kunz
Forschungsbereich Nukleartechnik & Anlagensicherheit
Peter Küppers
Forschungsbereich Umweltrecht
zurück zum Inhaltsverzeichnis
Buchtipp: Micro Cogerneration – Towards Decentralized Energy Systems
Umfassende Einführung in Mikro-Kraft-Wärme-Kopplungs-Systeme und -technologien
Die Einführung von Mikro-Kraft-Wärme-Kopplung, bei der – basierend auf kleinen Blockheizkraftwerken oder
Stirlingmotoren – gleichzeitig Strom und Wärme für einzelne Gebäude produziert wird, gewinnt zunehmend
politisches öffentliches Interesse. Eine großflächige Einführung dieser dezentralen Erzeugung würde die
Stromwirtschaft in Deutschland grundlegend ändern und Verbraucher zu Stromerzeugern machen. Eine umfassende
Einführung in Mikro-Kraft-Wärme-Kopplungs-Systeme und -technologien bietet jetzt das neue Buch Micro
Cogerneration – Towards Decentralized Energy Systems. Wird Mikro-Kraft-Wärme-Kopplung politisch und
ökonomisch entsprechend gefördert, so kann diese Technologie einen beachtlichen Marktanteil erlangen und damit
weitere verbraucherseitige Innovationen wie zum Beispiel die Einführung virtueller Kraftwerke oder von
Energiemanagementsystemen im privaten Haushalten sowie ein verändertes Verbraucherbewusstsein auslösen.
Die Bedingungen für eine großflächige Einführung sowie deren Konsequenzen für den Energiemarkt, die Kunden, die
Umwelt und die Wirtschaft müssen interdisziplinär untersucht werden. Das neue Fachbuch stellt die Ergebnisse der
ersten interdisziplinären Forschung zu diesem Thema vor, die vier deutsche Forschungsinstitute – darunter
das Öko-Institut e.V. – erarbeitet haben. Da Mikro-Kraft-Wärme-Kopplung weltweit entwickelt wird, berichten
darüber hinaus ExpertInnen der fünf wichtigsten Mikro-Kraft-Wärme-Kopplung-Länder – Deutschland,
Großbritannien, die Niederlande, Japan und die USA – über Marktbedingungen, KWK-Technologien sowie die
spezifischen Besonderheiten in ihren Ländern.
Dieses Buch ist nicht nur eine unentbehrliche Informations- und Analysequelle für Verantwortliche in lokalen und
nationalen Behörden sowie Energie- und Stromversorgungsunternehmen. Es wendet sich auch an Dozenten und
Studenten, die die Prinzipien und Konsequenzen einer dezentralisierten Energieversorgung auf der Grundlage von
Mikro-Kraft-Wärme-Kopplung verstehen wollen. mc
Pehnt, M., Cames, M., Fischer, C., Praetorius, B., Schneider, L., Schumacher, K., Voß, J.-P. : Micro
Cogeneration - Towards Decentralized Energy Systems; Springer Verlag 2006; 346 Seiten, Hardcover, ISBN:
3-540-25582-6, 99,95 Euro.
Ansprechpartner:
Martin Cames
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
Forschungsbereich Energie & Klimaschutz
zurück zum Inhaltsverzeichnis
Stephan Kurth neues Mitglied der Kommission für Anlagensicherheit
Bundesumweltministerium beruft Experten des Öko-Instituts in das neu gegründete Gremium
Stephan Kurth, seit 1995 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsbereich Nukleartechnik &
Anlagensicherheit am Öko-Institut e.V., ist vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
für die erste Berufungsperiode der Kommission für Anlagensicherheit (KAS) berufen worden.
Die neu gegründete Kommission führt die Beratungsaufgaben der beiden bisher im Bereich des
Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) tätigen Gremien, dem Technischen Ausschuss für Anlagensicherheit (TAA) und
der Störfall-Kommission (SFK), zusammen. Der neuen Kommission gehören rund 35 VertreterInnen vor allem aus
Industrie, Länderbehörden, Gewerkschaften, Hochschulen, Forschung und Umweltverbänden an. Das Gremium berät das
Bundesumweltministerium in Fragen der Sicherheit von Industrieanlagen mit besonderem Gefahrenpotential.
Vor seiner Berufung in die Kommission für Anlagensicherheit war Stephan Kurth bereits seit 1999 Mitglied des
Technischen Ausschusses für Anlagensicherheit. Arbeitsschwerpunkte des 43-jährigen Ingenieurs sind
Anlagensicherheit, Sicherheitsbewertungen, Umweltverträglichkeit. kk
Ansprechpartner:
Stephan Kurth
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Forschungsbereich Nukleartechnik & Anlagensicherheit
zurück zum Inhaltsverzeichnis
Neu ausgelotet: Der Kurs in die Zukunft
Öko-Institut formuliert sein Leitbild / Gemeinsame Identitäts- und Ortsbestimmung
Vor gut einem Jahr startete das Öko-Institut e.V. den internen Prozess, um gemeinsam sein Leitbild zu
formulieren. An dieser Identitäts- und Ortsbestimmung waren die rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die
sieben ehrenamtlichen Vorstände des Instituts von Beginn an beteiligt. Sie alle, wie auch die Institutsgremien
und die Mitgliederversammlung des Öko-Instituts bestätigten das Ergebnis am Ende einstimmig.
Während des Prozesses wurde das Öko-Institut auch von etwa 25 bis 30 externen Partnern und Freunden mit
wertvollen Rückmeldungen unterstützt. Seit der Gründung im Jahr 1977 ist dies nun das erste Mal, dass das
Institut sich und seine Arbeit, seine Visionen und seine Mission, seine Werte und seinen Kurs in die Zukunft
explizit definiert, zum Teil neu bestimmt und schriftlich festgehalten hat. Lesen Sie hier, wohin die Reise geht.
kk
Ansprechpartnerin:
Katja Kukatz
Öko-Institut e.V., Geschäftsstelle Freiburg
Referat Öffentlichkeit & Kommunikation
zurück zum Inhaltsverzeichnis
Gentechnikfreie Regionen, Biodiversität und ländliche Entwicklung
2. Europäische Konferenz Mitte Januar in Berlin
Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft, GENET, European NGO Network on Genetic Engineering, laden zur zweiten
Europäischen Konferenz der Gentechnikfreien Regionen, Biodiversität und ländlicher Entwicklung am 14. und 15.
Januar 2006 in Berlin ein. Die zweite Konferenz der Gentechnikfreien Regionen findet zu einem kritischen
Zeitpunkt hinsichtlich der weiteren politischen Entwicklung in der EU statt: Für das erste Halbjahr 2006 steht
die Regelung zur Koexistenz auf der EU Agenda und es sollen weit reichende Beschlüsse hinsichtlich der Zulassung
weiterer transgener Sorten für den Anbau getroffen werden.
Werden gentechnisch veränderte Pflanzen schon bald in Europa gedeihen? Nicht, wenn es nach der Entscheidung der
Bürger geht: Die Mehrheit der Europäer will keine gentechnisch veränderten Organismen (GVO) in ihrer Nahrung.
Mittlerweile haben sich mehr als 160 Regionen, 3500 Städte und Gemeinden und zahlreiche Bauern selbst als
“Gentechnikfrei“ erklärt. Nun trifft sich die wachsende Bewegung der Gentechnikfreien Regionen und
Initiativen im Rahmen der Internationalen Grünen Woche in Berlin erneut, um Erfahrungen, Wissen und Strategien zu
teilen. Vertreter von europäischen und nationalen Einrichtungen, Wissenschaft und Wirtschaft werden ihre
Positionen und Pläne vorstellen und diskutieren. Katja Moch, Gentechnik-Expertin am Öko-Institut e.V., wird an
der Konferenz mit einem Science Panel zum Thema „Epigenetics - beyond the gene dogma“ vertreten
sein.
Anmeldung nimmt das Sekretariat der Zukunftsstiftung Landwirtschaft, Marienstr.19 - 20, 10117 Berlin, unter
Telefon 030 / 275903-09, per Fax an 030 / 275903-12 oder per E-Mail an info(at)gmo-free-regions.org entgegen. Konferenzsprache ist Englisch. Die
Tagungsgebühr beträgt 80 Euro, ermäßigt 40 Euro. Das vollständige Programm lesen Sie hier. Weitere Informationen
im Internet unter www.gmo-free-regions.org.
zurück zum Inhaltsverzeichnis
Umweltfreundlich Reisen in Europa
Herausforderungen und Innovationen für Umwelt, Verkehr und Tourismus / Fachkonferenz Ende Januar in Wien
Im Rahmen der Österreichischen EU-Ratspräsidentschaft laden das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft,
Umwelt und Wasserwirtschaft, das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie und das
Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit zu der europäischen Fachkonferenz „Umweltfreundlich Reisen in
Europa“ am 30. und 31. Januar nach Wien ein.
Die Konferenz wird unter anderem die Erkenntnisse aus innovativen europäischen Projekten wie Alps Mobility II
– Alpine Pearls, Alpine Awareness, Mobilalp, MoSeTo (Umweltfreundlicher Verkehr und Tourismus in sensiblen
Gebieten, Neusiedlersee, Region Fertö-Tó) an der Schnittstelle Umwelt – Verkehr – Tourismus
bearbeiten und dabei den Fokus auf die Übertragbarkeit der Analysen, den Know-how-Transfer und auf die
Entwicklung von Stakeholder-orientierten Aktivitäten legen.
Diese innovativen europäischen Projekte stellen einen Beitrag zur Umsetzung des Kyoto-Protokolls und der
Alpenkonvention sowie Meilensteine auf dem Weg zu einer nachhaltigen Regionalentwicklung dar. Sie bewirken vor
allem – auch auf Grund des Alleinstellungsmerkmales (USP) „Sanfte Mobilität“ –
Wertschöpfungseffekte in den Regionen und Destinationen.
Ziele der Konferenz sind
Erwartet werden rund 300 EntscheidungsträgerInnen, Projektverantwortliche und ExpertInnen aus ganz Europa sowie
VertreterInnen der EU-Kommission und anderer internationaler Organisationen aus den Bereichen Umwelt, Verkehr und
Tourismus. Anmeldungen und weitere Informationen im Internet unter www.eco-travel.at.
zurück zum Inhaltsverzeichnis
Bioprodukte ohne Gentechnik – Wie ist das zu machen?
Diskussion auf der BioFach 2006 Mitte Februar in Nürnberg
„Bioprodukte ohne Gentechnik – Wie ist das zu machen?“ lautet der Titel einer Veranstaltung, zu
der das Öko-Institut e.V., der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V. (BÖLW) und das Forschungsinstitut für
biologischen Landbau (FiBL) am Freitag, 17. Februar um 11 Uhr ins Messezentrum Nürnberg, einladen. Die Diskussion
wird im Rahmen der BioFach 2006 von Donnerstag, 16. bis Sonntag, 19. Februar in Nürnberg geführt. Im Kern der
Veranstaltung steht die Frage: Was können Erzeuger, Verarbeiter und Händler tun, um Gentechnikeinträge in ihre
Produkte zu vermeiden?
Ruth Brauner, Koordinatorin des Forschungsbereich Biodiversität, Ernährung & Landwirtschaft, wird über
Maßnahmen sprechen, die Bio-Bauern ergreifen können, um sich gegen den Eintrag gentechnisch veränderter
Organismen zu schützen. Andreas Hermann, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Umweltrecht am Öko-Institut,
Büro Darmstadt, gibt ein Impulsreferat zum Thema „Wahlfreiheit bei der ökologischen
Lebensmittelherstellung? Eine Analyse des Rechtsrahmens“. Weitere Referenten sind Rolf Mäder vom FiBL,
sowie Dr. Alexander Gerber und Peter Röhrig vom BÖLW.
Außerdem stellen die Veranstalter das fertige „Praxishandbuch Bio-Produkte ohne Gentechnik“ vor.
Ansprechpartnerin:
Ruth Brauner
Öko-Institut e.V., Geschäftsstelle Freiburg
Koordinatorin des Forschungsbereichs Biodiversität, Ernährung & Landwirtschaft
zurück zum Inhaltsverzeichnis
I M P R E S S U M
Herausgeber
Öko-Institut e.V.
Institut für angewandte Ökologie
Redaktion
Referat Öffentlichkeit & Kommunikation
Christiane Rathmann
Katja Kukatz
Möchten Sie den Newsletter weiterempfehlen?
Haben Sie Kritik oder
Anregungen?
Möchten Sie den Newsletter bestellen?
Möchten Sie den Newsletter abbestellen?