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Was wäre eigentlich, wenn...
…es eine richtig gute Verbraucherinformation zu Umwelt- und Klimaschutz gäbe?

Klima- und umweltfreundlicher Konsum? Sinnvoller als der Label-Dschungel im Supermarkt wäre es, sich auf Lead-Label zu konzentrieren und gleichzeitig schärfere Umweltschutz-Gesetze einzuführen

Als Verbraucher hat man ja wenig Zeit und muss zwischen Haushalt führen und arbeiten, zum Kindergarten fahren, Schulaufgaben checken, die Eltern besuchen, der Steuererklärung, Gartenpflege, Elternabend etc. auch noch einkaufen und möchte dabei vielleicht noch die Umwelt schützen. In der Regel will man rapp-zapp noch schnell einkaufen, am liebsten immer im gleichen Laden, wo man genau weiß, wo was steht.

Meistens finden sich auf den Produkten aber keine Informationen darüber, ob oder warum sie umweltfreundlich sind. Deswegen ist man zuerst einmal begeistert, wenn ein großer Handelskonzern ankündigt, auf alle seine Produkte draufzuschreiben, wie viel CO2 – das hat ja irgendetwas was mit Klima zu tun …- bei der Produktion freigesetzt wird. Und tatsächlich gibt es schon die ersten Produkte mit solchen Labels, zum Beispiel den Walkers Snack – einen CO2-Fußabdruck von 75 Gramm pro Packung zeigt das Klimalabel darauf an. Wenn jetzt daneben im Regal ein anderer Snack mit 65 Gramm stünde, dann würde man doch sofort diesen Snack nehmen, und wenn er zehn Cent teurer wäre, nach einigem Zögern vielleicht auch noch.

Mit gutem Umweltgewissen würde man dann den Supermarkt verlassen und vielleicht noch mal schnell den Mittelklassewagen volltanken. Ausgerechnet auf der Tanksäule wird aber leider kein CO2-Wert angegeben - der läge aber ungefähr in der Größenordnung von 120.000 Gramm oder 1.600 Walkers Snacks! Das CO2-Sparen mit Walkers Snack wäre auch noch superteuer: Zehn Cent für zehn Gramm CO2 sind umgerechnet 10.000 Euro pro Tonne einge-spartem CO2. Bei der Wärmedämmung von Häusern liegt man etwa bei zehn bis 20 Euro pro Tonne CO2. Wenn man das Auto benzinsparend fahren würde, so wie es die Verkehrsclubs empfehlen, könnte man die CO2-Emissionen pro Tankfüllung um immerhin rund 15.000 Gramm reduzieren und würde sogar noch Geld sparen.

Zur Reduktion von Stress wäre es unendlich hilfreich, wenn nicht irgendwelcher Firlefanz ausgezeichnet wird und Verbraucher nicht mit einer Flut belangloser Informationen ohne jede Aussagekraft überschüttet werden. Stattdessen könnte man viel sinnvollere Maßnahmen durchführen. Meine Vorschläge:

Warum wird der Verkauf von Produkten mit drastisch schlechten Umwelteigenschaften nicht einfach gesetzlich verboten? Vor über zehn Jahren wurden die ersten Drei-Liter-Autos auf den Markt gebracht – wieso dürfen heute und in den nächsten Jahren überhaupt noch Pkw mit einem mehrfachen Verbrauch verkauft werden?

Da es dann aber trotzdem noch Unterschiede zwischen den Produkten geben wird (aber im Bereich von Zehner-Prozenten und nicht mit Faktor 2, 3 oder mehr!), sollten die besten Produkte durch wenige Lead-Label und Kennzeichnungen ausgezeichnet werden: das Umweltzeichen Blauer Engel, das Bio-Siegel, die Energieeffizienzkennzeichnung und das Fair-Trade-Siegel - also vier Label bzw. Kennzeichnungen statt der momentan 400! Perspektivisch sollte es sogar nur ein Nachhaltigkeits-Siegel geben!

In einem bundesweit einheitlichen Internet-Portal könnten – wie bei www.ecotopten.de
- für alle relevanten Produktgruppen (also nicht für Snacks…) die Best-Produkte in aktuellen Marktübersichten dargestellt werden - mit den oben genannten vier Labeln, mit den Lebenszykluskosten und Testergebnissen zur Qualität. Den Zugang bekommt man auch im Laden über Internet und Handy (Strich-Code).

Wenn das alles gewährleistet ist, kann man in Ruhe seinen Snack essen – wenn die im Bio-Siegel integrierte Lebensmittel-Ampel grün zeigt… Dr. Rainer Grießhammer

Dr. Rainer Grießhammer ist Mitglied der Geschäftsführung im Öko-Institut und forscht in dem Institutsbereich Produkte & Stoffströme zu produktbezogenem Klimaschutz. Der promovierte Chemiker war Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung für Globale Umweltänderungen WBGU (2004-2008) und in der Enquete-Kommission „Schutz des Menschen und der Umwelt“ des Deutschen Bundestags (1992-1994). Darüber hinaus ist er stellvertretendes Mitglied beim Kuratorium der Stiftung Warentest und Vorstandsprecher der Stiftung Zukunftserbe.

info: Dr. Rainer Grießhammer

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