Leserbrief an die Badische Zeitung betreffend Artikel "Fliegen versaut die Bilanz" vom 23.10.2000 von Uwe Mauch
Sehr geehrte Damen und Herren, zu dem o.g. Artikel möchte ich wie folgt Stellung nehmen:
Herr Mauch weist auf "überraschend geringe Auswirkung" des Vauban-Verkehrskonzeptes hin – mit rd. 7% Einsparung bei den Treibhausgasen ist dies aber keineswegs gering, sondern weit mehr, als die Bundesregierung mit der Ökosteuer im Verkehrssektor erreicht.
Bei den Luftschadstoffen (vor allem Stickoxide) ist Vauban zudem mit über 25% Einsparung deutlich erfolgreicher – und bringt zusätzliche Lebensqualität: auto- bzw. stellplatzfreies Wohnen führt im Quartier zu weniger Emissionen, weniger Lärm, mehr Raum für Aktivitäten im Stadtteil - insbesondere auch für Kinder - kurz: einen lebenswerteren Stadtteil.
Außerdem wären die Einsparungen deutlich größer, wenn das Vergleichsgebiet nicht innerstädtisch läge, sondern "auf der grünen Wiese" – mit schlechterer ÖPNV-Verkehrsanbindung und damit höherer Autonutzung. Dies ging unsere Berechnungen (noch) nicht mit ein.
Sicher löst das auto- bzw. stellplatzfreie Wohnen allein nicht das Verkehrsproblem, da Mobilität ja auch außerhalb von Stadtteilen stattfindet. Jedoch zeigen die von uns ermittelten Wirkungen so deutliche Entlastungen gerade vor Ort, dass diese Maßnahme ein wichtiges Element "nachhaltiger Stadtteile" darstellt.
Hinsichtlich der Umweltbelastung durch Konsumgüter weist
Herr Mauch zu recht auf die von große Bedeutung von Nahrungsmitteln hin, bei
denen die Produktionsweise (konventionell oder ökologisch) wichtiger ist als
die regionale Herkunft. Jedoch gilt sein Satz "Da spielen dann die
Transportwege kaum mehr eine Rolle" nicht generell - Beispiel Holzfenster:
Wir untersuchten dazu, wie sich der Kauf regional hergestellter Holzfenster
gegenüber einem bundesdurchschnittlichen Produkt (einschließlich Importe)
auswirkt.
Ergebnis: bei Klimagasen und Luftschadstoffen Einsparungen von 20 bis 30 % - und
hieran sind eingesparte überregionale Transporte stark beteiligt.
Herr Mauchs überspitzte Formulierung "Keinen Käse zu essen verringert die Treibhausgase stärker als das Verkehrskonzept im Vauban" deutet daher in die falsche Richtung:
Nicht der Verzicht auf`s Essen ist nachhaltig, sondern der bewusste Einkauf regionaler und ökologischer Produkte.
Das Verkehrskonzept im Vauban ist ja auch kein Verzicht auf Mobilität – wenn der Porsche in der Solargarage steht, spaziert es sich eben angenehmer im nachhaltigen Stadtteil.
Uwe R. Fritsche (Projektleiter der Studie "Nachhaltige Stadtteile")