Das Projekt "Nachhaltige Stadtteile" - ein kurzer Überblick

In vielen Orten Deutschlands stehen ehemalige Militär-, Industrie und Gewerbeflächen für eine neue, gewandelte Nutzung (Konversion) zur Verfügung. Liegen diese Konversionsflächen innerhalb einer Stadt, so können im Rahmen der Umwandlung neue Stadtteile geplant werden mit der Chance, dies im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung zu gestalten.

Das Projekt und sein Ziel

Das Öko-Institut untersucht im Forschungsprojekt Nachhaltige Stadtteile auf innerstädtischen Konversionsflächen: Stoffstromanalyse als Bewertungsinstrument, finanziell vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Forschungsprogramms "Nachhaltiges Wirtschaften" und organisatorisch von Projektpartnern unterstützt, zwei Modellprojekte solcher nachhaltiger Stadtteile:

In Neuruppin (Brandenburg) die Vorstadt Nord und in Freiburg (Breisgau) das Gebiet der ehemaligen Vauban-Kaserne.

Ziel ist es, die Wirkungen, die in den Modellprojekten und ihrer Region in ökologischer und ökonomischer Hinsicht erzielt werden, zu bewerten. Weiterhin ist das Zusammenwirken der Akteure und die sozialen Aspekte der Nachhaltigkeit zu untersuchen und die Ergebnisse mit konkreten Handlungsempfehlungen in die Projekte einzuspeisen und dort zu diskutieren.

Grundlage der Bewertung sind die jeweiligen Ziele und Bedürfnisse der Beteiligten in den Stadtteilen sowie vorhandene Daten zu Ökologie, Wirtschaft und Sozialem inklusive Beteiligungsfragen. In der Bewertung wird überprüft, inwieweit die bislang eingetretenen Wirkungen die angestrebten Ziele erreichen und welche weiteren Möglichkeiten es zum lokalen Handeln gibt.

Die Stadtteile

Die Stadt Neuruppin ist eines der regionalen Entwicklungszentren in dem die Stadt Berlin umgebenden Städtekranz. Die Stadt ist ein Mittelzentrum mit Teilfunktionen eines Oberzentrums und liegt an der großräumigen Verbindungsachse Berlin-Hamburg/Rostock. In etwa 800 m Entfernung zum Stadtzentrum liegt das sogenannte Flugplatzgelände, das unter Einbeziehung von zivilen Streitkräften bis 1991 genutzt wurde. Von dem insgesamt 360 ha großen Areal sollen 39 ha unter den Leitthemen Reurbanisierung und Renaturierung als in die Landschaft übergehender Stadtteil Vorstadt-Nord entwickelt werden.

In Freiburg wird das ehemalige Kasernenareal Vauban in innerstadtnaher Lage in einen neuen Stadtteil umgewandelt. Für das 38 ha große, landschaftlich reizvoll gelegene Areal soll der Nachweis erbracht werden, daß sich nachhaltige Maßnahmen in der Siedlungspolitik in großem Maßstab umsetzen lassen.
In drei Bauabschnitten soll ein sozial und ökologisch modellhafter Stadtteil mit Wohn-, Misch- und Gewerbeflächen sowie einigen Sondernutzungen realisiert werden.

Die Vorgehensweise

Vereinfacht ist die Vorgehensweise im Forschungsprojekt wie folgt:

  1. Erfragen der Ziele (ökologisch, ökonomisch, sozial) und ihrer Indikatoren vor Ort.
  2. Sammeln von ökologischen, ökonomischen und sozialen Daten vor Ort/in der Region.
  3. Bestimmung der ökologisch und sozio-ökonomisch erzielten Wirkungen mit Hilfe der Stoffstromanalyse und Vergleich der Ergebnisse mit Referenzstadtteilen.
  4. Vergleich der Ergebnisse mit den Zielen, und Umsetzung der Ergebnisse in konkrete Handlungsempfehlungen für die Akteure vor Ort.

Die Schritte im einzelnen

Zu 1.

Im ersten Schritt werden in Gesprächen vor Ort die Ziele (Leitbilder) der dortigen Akteure erfragt. Mögliche Leitbilder sind beispielsweise: "Die Ressourcennutzung soll verbessert werden" oder "Es sollen mehr BürgerInnen an Planungsverfahren beteiligt werden". Diese Leitbilder können aber nur durch Indikatoren überprüft werden, wie zum Beispiel "Wasserverbrauch" oder "Anzahl beteiligte Personen am Planungsverfahren".

Zu den ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten nachhaltiger Stadtteile existieren verschiedene Leitbilder und Indikatoren. In der bisherigen Arbeit mit solchen Indikatoren zeigt sich vor allem die Schwierigkeit der Meß- und Bewertbarkeit. Aus diesem Grund hat man sich zunächst vor allem mit "einfachen" Kenndaten, wie Energie- oder Wasserverbrauch, Flächenbedarf und Schadstoffemissionen beschäftigt. Diese sind besser zu quantifizieren als ökonomische Indikatoren, und diese wiederum besser als soziale. Daher wird bei der Untersuchung der drei Aspekte auch unterschiedlich verfahren (s. 3.).

Zu 2.

Um die Wirkung der Maßnahmen in den Stadtteilen untersuchen zu können, müssen Daten zu ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten gesammelt werden. Diese liegen entweder bereits in den Stadtteilen / der Region vor, wie zum Beispiel Daten über verwendete Baumaterialien, oder es werden nationale Daten ausgewertet.

Zu 3.

Die ökologischen Wirkungen werden mit Hilfe der Stoffstromanalyse bewertet. Sie bestimmt, welche Stoffströme und Umweltbelastungen durch die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen ausgelöst werden. Sie setzt bei der Nachfrage an: Bedürfnisse bilden Impulse, die als Nachfrage bis zu den Ressourcen durchschlagen. In umgekehrter Richtung werden zur Befriedigung der Nachfrage entsprechende Stoffströme und Umweltbelastungen ausgelöst. Die Analyse erfolgt über Prozeßketten, in denen alle Verteilungs- und Herstellungsaufwendungen bis zur Quelle (Ressourcenentnahme) zurückverfolgt werden.

Ergebnis einer Stoffstromanalyse im Bereich Bauen wären z.B. konkrete Zahlen zu Umweltindikatoren wie "Kies und Sand in Tonnen" , CO2-Emissionen, Grundstücksfläche in m2.

Bei den ökonomischen Fragen wird versucht, die lokale und regionale Ökonomie mit der Stoffstromanalyse, die ja bisher "nur" zur Messung des ökologischen Erfolgs diente, in quantifizierender Weise zu verbinden. Durch diese Stoffstromökonomie wird es möglich, zusätzlich zu den ökologischen Aspekten auch zu den ökonomischen Kriterien belastbare Aussagen zu treffen, also zu analysieren, wie ein nachhaltiger Stadtteil auf die regionale Wirtschaftsstruktur entsprechend seiner Nachfrage und seines Angebots wirkt.

Die sozialen Aspekte werden auf verschiedenen Wirkungsebenen überprüft: einerseits spielt die Frage der Beteiligung an den Planungen und Entscheidungsprozessen eine Rolle, hierzu sind im wesentlichen qualitative Aussagen zu erwarten. Zum anderen sind Aussagen zu gewinnen über die baulichen Voraussetzungen zur Einbeziehung verschiedener Bevölkerungsgruppen in die Stadtteilentwicklung (Selbstorganisation) und Befriedigung sozial-kultureller Bedürfnisse.

Zu 4.

Im letzten Arbeitsschritt der Untersuchung werden die vor-Ort-Ziele und Leitbilder anhand der Ergebnisse aus den Schritten 2 und 3 überprüft. Dies soll beispielsweise deutlich machen, welche Indikatoren anhand der vorliegenden Daten zur Überprüfung der Leitbilder herangezogen werden können und welche nicht. Das heißt, die anfangs ermittelten Leitbilder und Indikatoren werden mit den Ergebnissen aus der Praxis rückgekoppelt. Zudem werden die per Stoffstromanalyse ermittelten Wirkungen der Stadtteile mit Referenzstadtteilen verglichen und die Unterschiede bilanziert.

Auf Grundlage dieser Ergebnisse wird ein Maßnahmenkatalog zur Realisierung einer nachhaltigen Stadtteilentwicklung zusammengestellt. Dieser Katalog wird in den beteiligten Stadtteilen im Rahmen moderierter Veranstaltungen diskutiert, um die dortigen Prozesse zu unterstützen.

Die Projektpartner

Als Verbundpartner arbeiten IPU (Initiative Psychologie im Umweltschutz e.V.) und complan (Gesellschaft für Kommunalberatung, Planung und Standortentwicklung) am Vorhaben mit. Als Praxispartner wirken die Gesellschaft für Konversion im Ruppiner Land mbH (Neuruppin) und das Forum Vauban e.V. (Freiburg) mit.

Hinweise zu den Partnern finden Sie unter Links.

Laufzeit und Ansprechpartner

Das Forschungsprojekt wurde im Frühjahr 1999 begonnen und wird bis Ende 2000 laufen. Die Ansprechpartner im Öko-Institut finden Sie unter Kontakt.

Materialien zum Projekt

Arbeitspapiere sowie Berichte finden Sie unter Materialien.